Der Aidlinger Verein Pro Haiti lässt sich von Wirbelstürmen nicht entmutigen

  • img
    Vorrangig hat sich Karl Amann (rechts) in Haiti um die Reparatur und um die Einweisungen an den holzbearbeitenden Maschinen gekümmert Foto: red

Im 25. Jahr des Bestehens konnte der Aidlinger Verein Pro Haiti erstmalig seine Mitgliederversammlung in Gechingen abhalten. Ein Großteil der Mitglieder ist schließlich in Gechingen beheimatet. Pro Haiti ist nicht nur über diese Kreisgrenze hinaus bekannt, sondern hat Mitglieder und Unterstützer in weit größerem Umkreis.

Artikel vom 07. Mai 2018 - 16:00

AIDLINGEN (red). Bei der Mitgliederversammlung wurde dieses Jahr auch turnusmäßig ein neuer Vorstand gewählt. Aus familiären Gründen kann Dr. Michael Ksoll leider nicht mehr im Vorstand mitwirken, da er inzwischen nach Leipzig umgezogen ist.

Im Rückblick war das Jahr 2017 für Pro Haiti eine riesige Herausforderung, die schon im Oktober 2016 durch den Wirbelsturm Matthew deutlich wurde. Die schweren Schäden am CTSJ und in der gesamten Stadt und Region um Jérémie hatten den Vorstand veranlasst, große Investitionen für die Reparaturen an den Schulgebäuden zu beschließen und diese unter Leitung von Franz Groll vor Ort auch innerhalb weniger Monate durchzuführen. Nur durch die großzügigen Spenden im Herbst 2016 und in gesamten Jahr 2017 konnten diese Vorhaben auch so umgesetzt werden. Sehr geholfen haben auch mehrere Benefizveranstaltungen in dieser Zeit. Für diese Hilfen dankt der Vorstand allen Spendern und Unterstützern.

Die Mitgliederversammlung war sehr gut besucht, was sicher auch dem Bildervortrag davor zu verdanken war. Vorstandsmitglied Karl Amann aus Lehenweiler berichtete von seinem gemeinsamen fünfwöchigen Senior-Experten-Einsatz in Haiti zusammen mit Franz Alsters aus Paderborn. Die beiden hatten viel Bildmaterial und Videos mitgebracht, sodass Karl Amann einen sehr lebendigen Eindruck von dem Arbeitsaufenthalt vermitteln konnte.

Einiges sah auf den ersten Blick nach einem wunderschönen Karibikurlaub aus, aber beim genauen Hinschauen konnte man immer wieder auch die Probleme des Landes erkennen. Überall sind noch abgeknickte oder umgestürzte Bäume zu finden, die die Menschen an die tragischen Tage erinnern, an denen der heftige Wirbelsturm Matthew im Oktober 2016 im Westen von Haiti wütete. In den Plantagen um die Küstenstadt Jérémie haben es die Menschen jetzt teilweise schon wieder geschafft, Früchte zu ernten und zumindest sieht man morgens wieder die Landbevölkerung mit Bananen auf dem Kopf oder auf dem Esel auf dem Weg in die Stadt. Viele Fischerboote sind immer noch zerstört und nur notdürftig geflickt. Die fehlende Abwasserentsorgung in Jérémie führt dazu, dass die Abfälle der Stadt mit jedem Regen ins Meer gespült werden und der Strand dort teilweise mit buntem Plastikmüll übersät ist.

Einweisen in Maschinen-Bedienung

Der Senior-Experteneinsatz von Karl Amann konzentrierte sich im Ausbildungs- und Produktionszentrum CTSJ in Jérémie darauf, Maschinen wieder in Betrieb zu nehmen und Haitianer entsprechend einzuweisen. Franz Alsters unterstütze ihn bei seiner Arbeit und mit seinen Französisch-Kenntnissen. Zudem hat Franz Alsters sich um die Vorbereitung einer Flaschnerei gekümmert, indem er die benötigten, teilzerlegten Maschinen komplettierte und die gesamte Ausrüstung in den für die Ausbildung vorgesehenen Raum unterbrachte. Mit einem späteren Senior-Experteneinsatz soll die Flaschnerei am CTSJ in Betrieb genommen werden, sodass Dachrinnen für Wohnhäuser gefertigt werden und Bewohner das Regenwasser in Zisternen sammeln.

Vorrangig hat sich Karl Amann um die Reparatur und um die Einweisungen an den holzbearbeitenden Maschinen gekümmert. Er fand immer eine kleine Truppe von interessierten Schülern um sich, die hochmotiviert auch nach der Schulzeit bis abends mitgeholfen haben und dabei viel lernen konnten, wie Maschinenprobleme analysiert und behoben werden. Insgesamt wurden so in nur knapp fünf Wochen elf wichtige Maschinen repariert und wieder einsatzfähig gemacht.

Ansonsten musste Karl Amann auch viel improvisieren, weil geeignetes Ersatzmaterial und Werkzeug erstmal selbst hergestellt werden musste. Im Schrottcontainer musste dazu passendes Rohmaterial gefunden und dann bearbeitet werden. Wie berichtet, war es leider am CTSJ durch verschiedene Umstände immer wieder dazu gekommen, dass das nötige Fachwissen für die Wartung und Reparatur von Maschinen nicht mehr vorhanden war. Bei den Aufräumarbeiten nach dem Wirbelsturm Matthew gingen zudem einige Lagerbestände zwischen dem vielen Schrottmaterial verloren. Zwischenzeitlich hat der CTSJ Direktor Père Raymond angeordnet, dass in einem gebrauchten Übersee-Container auf beiden Seiten ein Regalsystem eingebaut werden soll, sodass die Lagerhaltung vergrößert und übersichtlicher gestaltet werden kann.

Die wichtigsten Maschinen fürs CTSJ sind die beiden Hobelmaschinen, mit denen die Schule Einnahmen generieren kann, weil die Schreiner aus der Umgebung mit ihrem Holz gerne ans CTSJ kommen und dort gegen Bezahlung ihr Holz bearbeiten lassen. Ein Schreiner hat die Gelegenheit genutzt und an der modernen Bandsäge unter fachmännischer Anleitung von Karl Amann sein Holz für kunstvolle Stühle zugesägt.

Verwandte Artikel