Durch den Garten direkt ins Besuchszimmer

Corona-Krise: Haus Eichholzgärten hat neue Form der Begegnung zwischen Bewohnern und Angehörigen geschaffen

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    Über den Garten kommen Externe ins Besucherzimmer; sie müssen das Pflegeheim an sich gar nicht betreten Foto: red

Die wegen des Coronavirus notwendig gewordenen Besuchsbeschränkungen waren auch für die Bewohner des Alten- und Pflegeheims Haus Eichholzgärten in Sindelfingen ein tiefgehender Eingriff. Heimleitung und Träger haben jetzt eine neue Besuchsmöglichkeit geschaffen.

Artikel vom 19. Mai 2020 - 15:36

SINDELFINGEN (red). Lange war ein direkter persönlicher Kontakt mit ihren Angehörigen und Freunden nicht möglich. Um der Isolation der Bewohner entgegenzuwirken, entschloss sich die Württembergische Schwesternschaft vom Roten Kreuz als Träger im März das gesamte Haus mit seinen drei Wohnbereichen mit WLAN auszustatten. So konnte den 96 Bewohnern des Alten- und Pflegeheims per Videotelefonie der Kontakt zu ihren Angehörigen ermöglicht werden, wenn auch nur digital.

Doch die Videotelefonie konnte keine dauerhafte Lösung sein, um soziale Kontakte zur Außenwelt aufrechtzuerhalten. Das Team des Hauses suchte gemeinsam mit dem Träger nach kreativen Lösungen. Dank der baulichen Struktur des Gebäudes grenzen mehrere Räume im Erdgeschoss direkt an die Freiflächen, die das Alten- und Pflegeheim umgeben. Die Idee kam auf, ein eigenes Besucherzimmer einzurichten. Der so entstandene Raum befindet sich im hinteren Bereich des Erdgeschosses.

Eine eingebaute Messewand trennt den Raum in zwei Bereiche: Der Bewohnerbereich kann durch das Erdgeschoss betreten werden. Der Bereich für die externen Besucher grenzt an den Garten des Hauses. So können Angehörige die Bewohner besuchen, ohne das Haus an sich zu betreten oder in direkten Kontakt mit Bewohnern zu kommen. "Die eingebaute Messewand enthält eine großzügige Plexiglasscheibe. Der Raum selbst ist auf beiden Seiten gemütlich eingerichtet und lässt so trotz der Trennung ein Wohnzimmerflair entstehen", heißt es in einer Pressemitteilung der Württembergischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz. Bewohner und Angehörige können sich in geschützter Atmosphäre vertraulich unterhalten.

"Für unsere 96 Bewohner ist das persönliche Gespräch mit Familie und Freunden vor allem in dieser unbekannten und beängstigenden Situation sehr wichtig. Sich sehen zu können, miteinander sprechen zu können, ist eine Wohltat für die Seele", so die Vorstandsvorsitzende Susanne Scheck. "Bereits seit dem Muttertagswochenende wird unser Besucherraum gut genutzt. Es freut mich sehr, dass wir mit diesem neuen Konzept unseren Bewohnern ein Stück Lebensqualität zurückgeben können", ergänzt Heimleiterin Sylvia Schadt und fährt fort: "Wir sind die erste Einrichtung hier in der Region, die diese Idee umgesetzt hat."

Auch bei der Heimaufsicht des Landkreises Böblingen kam das neuartige Besucherzimmer gut an. Sie begrüßte die Einrichtung des Raums. Der Besucherraum erfüllt alle Hygienevorschriften, um die Bewohner der Einrichtung weiterhin vor einer Covid-19-Erkrankung zu schützen. Nach einem Besuch, der nur mit Termin möglich ist, werden beide Seiten gründlich desinfiziert. Zwei externe Besucher können zeitgleich einen Bewohner treffen, müssen jedoch beim Betreten des Raums einen Mundschutz tragen und sich die Hände desinfizieren. "Zu keinem Zeitpunkt ist ein direkter Körperkontakt möglich", versichert die Heimleitung.

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