Junge Bühne Sindelfingen: In den Startlöchern für die Premiere

Mit der Inszenierung von Small Town Boy lotet die Junge Bühne Sindelfingen die Grenzen des Spielbaren aus - Premiere am Samstag im Theaterkeller

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    Das junge Ensemble lotet bei dieser Inszenierung die Grenzen des Spielbaren aus: Nils Weber (links) und Daniel Fix bei der Probenarbeit im Sindelfinger Theaterkeller Fotos: Stefanie Schlecht

Artikel vom 14. Januar 2020 - 14:00

Von Simone Mücke

SINDELFINGEN. Licht-Check, Musik-Check, Nebelmaschinen-Check - hier ein bisschen lauter über die Hintergrundmusik reden, da etwas weiter zum Publikum drehen. Die Schauspieler der Jungen Bühne zeigen sich am Sonntag bei der Probe für das Stück "Small Town Boy" textsicher und motiviert für die Premiere am kommenden Samstag.

"Small Town Boy" leuchtet in neon-pinker Schrift über dem dunklen Bühnenbild. Manchmal leuchtet nur "Town Boy" auf, dann nur "Small", während die Dialoge und Monologe auf der Bühne vorgetragen werden. Die Junge Bühne Sindelfingen ist in den letzten Zügen der Vorbereitung für die Inszenierung "Small Town Boy". Vergangenen Samstag und Sonntag traf sich das Ensemble im Theaterkeller in der Vaihinger Straße, um den kompletten Durchlauf zu üben und letzte Kleinigkeiten zu korrigieren.

Zuerst werden mit flinken Handgriffen die weißen Quader auf der Bühne für jeden Szenenumbau an den richtigen Platz gestellt. Regisseur Ingo Sika prüft, ob die Darsteller auch im richtigen Licht stehen. Auch der Auf- und Abgang zur Bühne muss sitzen. Licht und Musik werden in Einklang mit den Bewegungen der Darsteller gebracht. Als würde man auf die Vorspultaste eines Videorekorders drücken, eilen die Ensemblemitglieder von einer Position zur nächsten.

Nachdem der Ablauf des Aufbaus im Gedächtnis der Schauspieler sitzt, folgt der Komplettdurchlauf. Ohne Zwischenrufe und Korrektur. Nur in einer Szene hätte sich fast einer der Tänzer im Kabel verfangen und Choreograf Pascal Sangl notiert sich, dass man das Teil irgendwie noch aus dem Weg räumen muss.

Die erste Hälfte der Probe verläuft reibungslos. Sangl ist froh, dass die Truppe noch drei Proben mit komplettem Durchlauf vor sich hat. "Heute ist wirklich jeder gefordert. Davor war zwischen den Proben immer fünf Tage nichts, dann ging es etwas schleppend voran," erklärt der Profi-Tänzer, der seit rund einem Jahr in Maichingen wohnt. Bis zur Premiere hat das vor zwei Jahren gegründete Ensemble noch Zeit, der Inszenierung den letzten Schliff zu verleihen.

Auch Regisseur Ingo Sika lobt seine Schützlinge für den guten Ablauf. Die Darsteller sprechen sich auch gegenseitig viel Bewunderung zu. "Es ist Wahnsinn, wie so viele sich von Oktober bis jetzt entwickelt haben," sagt Franziska Lambert, die im Stück zusammen mit Katharina Pfaffenrot leidenschaftliche und intensive Choreografien auf der Bühne vortanzt. Berührungsängste sind da fehl am Platz: "Keine Barriere, keine Hemmungen, wir haben gelernt, das alles abzulegen. Wir sind echt zu einem Team geworden," erzählt Lambert.

Im Oktober 2019 waren sich beim ersten Kennenlernen noch alle Darsteller relativ fremd. Mit ersten Tanzübungen und Kennenlernspielen haben Sika und Sangl potenzielle Kandidaten gesichtet und in Zusammenarbeit mit den jungen Schauspielern die Vorlage von Falk Richter umgesetzt. Das 2014 in Berlin uraufgeführte Stück hatte damals für Entsetzen und Empörung gesorgt.

Warnhinweis auf dem Flyer: "Für Kinder nicht geeignet!"

Die Geschichte handelt "vom Aufwachsen in der Kleinstadt und der Angst vor dem Outing - vom Einsamsein und von frei gelebter Sexualität - von der Suche nach echter, tiefer Bindung - von Klischees und Kulturkampf und von der Scham, sich auf der Straße preiszugeben", wie es der Flyer zu der Inszenierung zusammenfasst. Darunter steht noch ein deutlicher Warnhinweis: "Das Stück ist für Kinder nicht geeignet!" Schon beim Casting im vergangenen Sommer hatte Sika auf die "sehr explizite" Handlung hingewiesen. In Abstimmung mit den Darstellern lotete er aus, welche Szenen in Frage kommen und in wie weit sich jeder traut, das Skript auf der Bühne umzusetzen.

Wie die Probeneindrücke zeigen, haben alle den Sprung ins Unbekannte gewagt und trauen sich jetzt eine Menge auf der Bühne zu. Die Angst, dass mancher Zuschauer doch den Saal verlassen könnte, besteht allerdings: "Einige werden vielleicht schon lachen, weil es ihnen unangenehm oder peinlich ist," sagt Katharina Pfaffenrot. Sie hofft aber, "dass das Publikum sich auf das Stück einlässt und wir das Thema näherbringen können".

 

  Premiere ist am Samstag, 18. Januar, um 20 Uhr im Theaterkeller Sindelfingen. Weitere Aufführungen sind am 19., 22., 24., 25., 26., 29. und 31. Januar sowie am 1. Februar. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Karten gibt es unter (0 70 31) 62 00 29 bei der Kreiszeitung.
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