Benimm-Regeln und Dresscode öffnen Türen

Knigge-Kurs für Siebtklässler der Realschule am Goldberg in Sindelfingen

Artikel vom 26. November 2019 - 19:24

SINDELFINGEN (red). Unruhig rutschen die Siebtklässler der Realschule am Goldberg Sindelfingen (RSG) auf ihren Stühlen herum. Heute haben sie die Jogginghose im Kleiderschrank gelassen und stattdessen Hemd und Bluse gewählt. Gleich wird ihr gutes Benehmen genauer unter die Lupe genommen. Die Zuspätkommer erhalten sofort ihre erste Lektion von Knigge-Trainerin Gudrun Weichselgartner-Nopper. "Wann erscheine ich denn, wenn auf 14 Uhr eingeladen wurde?", fragt die Trainerin in die Runde. Pünktlichkeit ist den Schülern durchaus ein Begriff, das kennen sie aus dem Unterricht. Pauline schlägt vor, sogar etwas eher zu kommen. Doch auch das kann unhöflich sein, wie Nopper erklärt.

Neben der Pünktlichkeit werden Aspekte eines erfolgreichen Auftretens diskutiert. "Wie auf den ersten Blick", beschreibt Mehmed die Zeitspanne, die es braucht, um sich einen Eindruck vom Gegenüber zu verschaffen. Und tatsächlich hat ein Mensch wie in der Liebe auch im Beruf oder im Alltag nur wenige Sekunden, um einen möglichst guten Eindruck zu machen. Türöffner kann zum Beispiel ein Lächeln sein. Wichtig sind aber auch Blickkontakt und Körperhaltung. "Denkt einmal an Cristiano Ronaldo", schlägt Gudrun Nopper vor. "Niemand käme auf die Idee, ihn für einen Loser zu halten." Dabei imitiert sie seine Art dazustehen. Anschließend üben die Schüler bei einer Vorstellungsrunde, wie man sich selbstbewusst, aber nicht zu selbstbewusst, freundlich, aber nicht übertrieben mit anderen bekannt machen kann.

Wer gibt wem die Hand, wie duzt oder siezt man sich?

Angemessene Kleidung kann auch entscheidenden Einfluss darauf nehmen, ob man zum Beispiel einen Job bekommt oder nicht. Als "Täuschen und Tarnen" umschreibt es die Knigge-Trainerin, denn heutzutage verrät die Kleidung nicht mehr wie im Mittelalter, welchen Status jemand besitzt. "Innere Werte kann man nach vier Sekunden auch nicht sehen", ergänzt Alexa Sofia die Diskussion. Über den Dresscode in der Schule reden die Schüler nur ungern. Viel zu wichtig sind ihnen mittlerweile Jogginghose und Gürteltasche.

Nachdem man sich gegenseitig vorgestellt und geklärt hat, wer eigentlich wem die Hand gibt, wen man duzt oder siezt, geht es für die Siebtklässler ans Eingemachte. Drei Stunden lang haben die AES-Schüler von Frau Wollmann und Frau Simon gekocht und eine Tafel vorbereitet, an der die Klasse nun Platz nehmen darf. Bevor jedoch Flädlessuppe und Crêpes verspeist werden dürfen, wird gemeinsam der Tisch gedeckt. Wo kommt eigentlich das Besteck hin? Wann benutze ich welche Gabel? Wo stelle ich das Glas ab? Alles keine Selbstverständlichkeiten für die Zwölf- und 13-Jährigen.

Auch die Suppe erweist sich als Herausforderung. Auf die Ellenbogen achten, die unbenutzte Hand auf dem Tisch ablegen, den Löffel nicht mit der kompletten Breitseite in den Mund stecken, aufrecht sitzen und den Löffel zum Mund, nicht den Mund zum Löffel führen, sind weitere Tipps der Knigge-Trainerin. Was mache ich jedoch, wenn ich gar keine Suppe mag, und dem Gastgeber nicht zu nahe treten will? Auch dafür findet Gudrun Weichselgartner-Nopper gemeinsam mit Schülerin Pauline eine diplomatische Antwort: "Vielen Dank, die Suppe hat sehr gut geschmeckt, aber ich bin nicht so der Suppenfan."

Am Ende des dreistündigen Benimm-Kurses erhalten alle Schüler der RSG ein Zertifikat für ihre Bewerbungsmappe.

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