Sindelfingen: Gestiefelter Kater als lehrreiches Musical

Kleine Besucher werden beim Märchen-Musical in der Sindelfinger Stadthalle vor diese Frage gestellt

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    Lehrreiches Märchen-Musical: "Der gestiefelte Kater" Foto: Eibner/Thomas Dinges

Artikel vom 08. November 2019 - 18:48

Von Charis Kloppstech

SINDELFINGEN. Es ist noch ganz dunkel im Saal, nur das aufgeregte Stimmengewirr der Kinder ist zu hören. Als die Scheinwerfer angehen, ist es mucksmäuschenstill. Ein eher seltenes Erlebnis, wo sich doch knapp 500 Kinder ab fünf Jahren beim Märchen-Musical "Der gestiefelte Kater" in der Sindelfinger Stadthalle befinden.

Es handelt von Heiner; dieser erbt als jüngster der drei Söhne nach dem Tod seines Vaters den schlauen, aber auch eingebildeten Kater, der ihm - nicht ganz uneigennützig - zu großem Reichtum und Ansehen verhelfen will. Mit List und auf nicht ganz rechten Wegen erschleicht sich der Kater die Gunst des etwas dümmlich wirkenden Königs und seiner hübschen Tochter. Der Kater schwindelt munter weiter. So kommt es, dass der arme Müllerssohn in den Besitz von teuren Kleidern, riesigen Ländereien und einem Schloss kommt. Doch Heiner erkennt, dass sein ganzes zukünftiges Leben auf Lügen aufgebaut sein wird. Also entschließt er sich - trotz der Gefahr, dass er alles verlieren könnte -, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Und es lohnt sich, denn die Königstochter findet, dass jeder eine zweite Chance verdient hat.

Die kleinen Zuschauer sind so sehr von der Geschichte gepackt, dass sie lauthals das Geschehen auf der Bühne kommentieren. So ruft ein kleines Mädchen dem Kater zu: "Du sollst nicht lügen!", als dieser mal wieder den König beschwindelt. Und als die Hauptdarsteller sich küssen, schreien die Kinder vor Ekel auf. Ein paar Mütter raunen sich mit einem Schmunzeln auf den Lippen zu: "In ein paar Jahren werden sie eine ganz andere Meinung dazu haben!"

"Dass Kinder mitspielen dürfen, ist das Markenzeichen der Musikbühne Mannheim", meint Laura Alvarez, die den gestiefelten Kater verkörpert. So wuseln neben den großen Rollen weitere sieben kleine Kätzchen herum. Sie stehen dem gestiefelten Kater mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum geht, neue Pläne zu schmieden.

Die Kätzchen werden nicht wie üblich von erfahrene Schauspielern gespielt; die meisten von ihnen stehen das erste Mal auf der Bühne. Denn wie jedes Jahr loste die Kreissparkasse aus den zahlreichen Bewerbern sieben Kinder aus, die sich im Vorhinein für eine kleine Rolle bewerben konnten. Einige von ihnen würden gerne das nächste Mal wieder mitspielen. Wie die achtjährige Merle. "Ich wäre am liebsten der Kater, weil der so viele unterschiedliche Dinge spielen darf." Ihr Vater James ist begeistert. Er findet es toll, dass die Kinder auf der Bühne so gut integriert werden.

"Märchen, wenn sie gut sind, helfen Kindern bei ihrem schwierigen Weg, erwachsen zu werden", so Prof. Eberhard Streul, der es geschafft hat, das Original der Gebrüder Grimm zu einem lehrreichen Stück umzuschreiben. Was Kinder aus diesem Musical lernen können: Lügen ist verhängnisvoll. Es lohnt sich immer, die Wahrheit zu sagen. Gerade in dem Alter, in dem sich die zuschauenden Kinder befinden, sprechen diese immer öfter von sich aus das Thema an, meint Nadine Steppke, Erzieherin in der Kita Bahnhofstraße, die zum neunten Mal in Folge die Veranstaltung mit ihrer Kindergartengruppe besucht hat.

Seit nun zehn Jahren veranstalten das Kongresszentrum (CCBS) und die Kulturämter Böblingen/Sindelfingen die märchenhaften Musicals. Ebenso im nächsten Jahr, denn dann wird "Rotkäppchen" in der Stadthalle zu sehen sein.

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