Go digital: Chance und Risiko zugleich

Kommentar

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    Sag's Wien - der digitale Mängelmelder per App

Artikel vom 06. Oktober 2019 - 09:12

Von Siegfried Dannecker

Die erste Exkursion des Digitalisierung-Ausschusses des Sindelfinger Gemeinderats in (Selbstanspruch) Europas digitale Kapitale Wien - sie bot den zehn Reisenden ein pralles Infoprogramm. Gut so. Man muss bei diesem Thema das Rad nicht neu erfinden, kann aber lernen, wie es andere machen; und von deren Fehlern profitieren.

Man darf also gespannt sein, wie der "Sindelfinger Weg" zur Digitalisierung der Stadt aussehen wird. Chancen bieten sich zuhauf. Vom digitalen Mängelmelder in Echtzeit bis zur Partizipation der Bürger-Stadtgesellschaft an ihrer eigenen Lebenswirklichkeit in ganz neuen Formen und auf neuen Kanälen. Dieses Pfund nicht zu nutzen - es wäre töricht. Wer Bürgerinnen und Bürger beteiligt an den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen, der erhöht - jedenfalls vom Grundsatz her - Zufriedenheit und Lebensqualität.

Aber auch die ethischen Dimensionen solcher Innovationen und den Datenschutz muss man beim neugeschaffenen Amt für Digitales, im Rathaus und im Gemeinderat im Blick behalten. Dass etwa durch die Schnelligkeit im Netz nicht Ansprüche ins Unermessliche steigen, Teilnehmende wegen fehlenden Feedbacks frustriert werden und das Personal im Haus durch Ideen- und Re-klamations-Wellen von außen hamsterradmäßig ans Limit gerät. Wer binnen Sekunden Mängel oder geistigen Input meldet, erwartet rasche Reaktionen. Das muss erstmal auch zu schultern, abzuarbeiten sein. Wer eine Neuerung wie die Smart City antreibt, muss aufpassen, durch Ungeduld nicht selber zum Getrieben zu werden.

Jede Medaille hat nun mal zwei Seiten. Schafft eine Stadtverwaltung Transparenz und versorgt Nutzer via Apps oder Homepage mit Informationen, ist das nützlich. Schüfe sie aber über amtliche Mitteilungen und Verwaltungsvorgänge hinaus einen eigenen, steuergeldfinanzierten Medienkanal, würde sie auch das Kerngeschäft lokaler Tageszeitungen mit ihrem zunehmend schwieriger werdenden Marktumfeld torpedieren. Dann säßen womöglich irgendwann keine Berichterstatter mehr in den Gremien, um dessen Themen zu gewichten, einzuordnen und zu kommentieren. Dann wäre die Digitalisierung ein Schaden für die lokale Demokratie. Auch in einer digitalen Welt ticken Menschen bei Reaktionsgeschwindigkeiten immer noch weitgehend analog. Beim Unternehmen "Sifi goes Digital" gilt es vieles zu bedenken.

 

 

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