"Paradiesische Zustände" für Briefmarkensammler

Johannes Feifel, Chef des Württembergischen Philatelistenvereins, erläutert vor Kollegen in Sindelfingen seine Erfolgsstrategie

Artikel vom 26. September 2019 - 15:54

SINDELFINGEN (red). Briefmarken werden schon fast so lange gesammelt, wie es Briefmarken gibt - seit bald 180 Jahren. Der Meinung, das Hobby Philatelie habe seine besten Zeiten hinter sich, mag sich Dr. Johannes Feifel, seit 13 Jahren Vorsitzender des Württembergischen Philatelistenvereins Stuttgart 1882, nicht anschließen.

Kürzlich hielt Vereins-Chef Feifel, der seit frühester Jugend sammelt, im Ernst-Schäfer-Haus in Sindelfingen bei den Kollegen der örtlichen Sammlergruppe einen Vortrag über das Thema "Werthaltig sammeln". Dieser Begriff steht so nicht im Duden, erklärt sich aber selbst. Feifel räumt ein, dass die Gemeinschaft der Briefmarkensammler gegenwärtig kleiner werde. Doch gerade darum, meint er, würden für aktive Philatelisten zurzeit paradiesische Zustände herrschen. Während vor Jahren der Markt für gesuchte Sammlermarken leergefegt gewesen sei, schwimme man heute in gutem Material, das für akzeptable Preise zu erwerben sei. Bessere Werte aus den Nachlässen früherer Sammlergenerationen seien wieder in ausreichender Anzahl verfügbar, um die eigene Kollektion zu komplettieren.

Jenseits der Massenware habe mittel- und höherpreisiges Material kaum an Wert verloren, hob der Referent hervor. Liebhaber seien bereit, für seltene Stücke in einwandfreiem Zustand tief in die Tasche zu greifen. Führende Auktionshäuser im In- und Ausland meldeten - unabhängig von jeder Konjunktur - meist gute bis sehr gute Umsätze.

Unerlässlich für werthaltiges Sammeln sind für Feifel mehrere Faktoren, ohne die ernsthaftes Sammeln in einer Sackgasse enden könne. Die wichtigste Entscheidung in einem Sammlerleben sei es, sich möglichst bald auf ein einziges Sammelgebiet oder Thema zu konzentrieren. Die Phase des Universalsammlers, der alles anhäuft, was er bekommen kann, solle nur kurz sein. Als Ziel solle man sich setzen, Spezialsammler zu werden, der in seine Sammlung nur aufnimmt, was hinein gehört.

Der zweite Erfolgsfaktor sei, nur Spitzenqualität sammeln. Eine nicht ganz makellose Marke, was Zähnung, Zentrierung, Gummi, Farbe, Papier und Stempel betreffe, könne zu erheblicher Wertminderung führen. Sein letzter (und nicht unwichtigster) Rat an die Sammlergemeinde lautet, stets am Ball zu bleiben. Das bedeute, möglichst viel über seinen kleinen Bereich zu wissen, anstatt von vielen Themen jeweils wenig. Dazu müsse man die Literatur lesen, die über das Wunschgebiet existiere. Und es zahle sich aus, auf Experten zuzugehen und mit ihnen im Gespräch zu bleiben. Wahre Koryphäen kämen nicht darum herum, in Vereinen und Arbeitsgemeinschaften im direkten Kontakt mit "Gleichgesinnten" zu fachsimpeln und dadurch über jeweils aktuelles Wissen zu verfügen.

Aus all diesen Gründen versteht Sammler-Chef Feifel nicht, dass es in Deutschland zwar Millionen von Sammlern gibt, aber nur eine im unteren einstelligen Prozentbereich liegende Menge davon Mitglied in einem Philatelistenverein sind. Kontakt zur Sammlergruppe Sindelfingen des Württembergischen Philateslistenvereins kann man per E-Mail sindelfingen@wphv.de oder Telefon (0 70 31) 80 12 88 aufnehmen.

Verwandte Artikel