Abenteuer Chinesisch

Gymnasium Unterrieden Sindelfingen startet Schulversuch

Artikel vom 16. Mai 2019 - 18:18

Von Werner Held

SINDELFINGEN. Das Gymnasium Unterrieden Sindelfingen (GUS) startet im September mit dem Schulversuch Chinesisch. Statt Französisch, dessen Beliebtheit stark gesunken ist, können Schüler im sprachlichen Profil dann ab der achten Klasse Mandarin lernen. Sprachpraxis können die Eleven beim Austausch mit der Yong Ping High School in Taipei erwerben: Mit dieser Schule unterhält das GUS seit über 20 Jahren eine Partnerschaft.

Neben einem naturwissenschaftlichen und einem Sportprofil hat das "Unterrieden" ein sprachliches Profil. Darin geht es in Klasse 5 mit Englisch los. Ab Klasse 6 können die Schüler Latein oder Französisch wählen. Wer sich für Latein entschieden hat, kann ab Klassenstufe 8 noch "Franz" dazunehmen. Doch die Attraktivität von Französisch als dritte Fremdsprache schwindet, sagte Schulleiterin Martina Fuchs, als sie das Vorhaben im Ausschuss für Bildung und Betreuung vorstellte. Dieser Trend sei nicht nur am GUS zu beobachten.

Die Verantwortlichen sahen sich nach einer Alternative um. Spanisch schied aus, weil diese Sprache schon schon (zu) viele andere Gymnasien in der Nähe anbieten. Einen Antrag auf Italienisch hat das GUS schon einmal gestellt - und sich beim Regierungspräsidium eine Abfuhr eingehandelt. Schließlich kam die Schulgemeinde auf Chinesisch. Das liegt insofern nahe, als das "Unterrieden" seit 1997 mit der Yong Ping High School in Taipei auf Taiwan verbandelt ist. Zudem ist China ein boomender Wirtschaftsraum, in dem auch immer mehr Deutsche zumindest zeitweilig unterwegs sind.

"Es ist ein Abenteuer", sagt die Schulleiterin. Bislang würden nur vier Gymnasien in Baden-Württemberg Chinesisch als reguläres Unterrichtsfach anbieten. Die Zahl der Schulen, die Chinesisch-AGs haben, ist weit höher, doch dieses Angebot ist für die Schüler weit weniger verbindlich. Chinesisch-Unterricht wird in den Klassenstufen 8, 9 und 10 erteilt. Nach den großen Ferien starten die Achter. Da sich Chinesisch erheblich von den europäischen Sprachen unterscheidet, setzt man am GUS darauf, dass sich Schüler damit leichter tun, die mit anderen Sprachen nicht so gut zurechtkommen.

Die Ausschussmitglieder stimmten dem Antrag einmütig zu. Am Profil der Schule ändert sich nichts; selbst Französisch bleibt als Wahlmöglichkeit in Klasse 8 erhalten. Am GUS rechnet man nach einer Umfrage unter Sechstklässlern mit rund 20 Chinesisch-Anfängern nach den Sommerferien. "Nach acht bis zehn Jahren", sagt die Schulleiterin, "sieht man, wie's läuft."

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