Schaubühne Sindelfingen spielt Terror im Theaterkeller

Ensemble präsentiert Ferdinand von Schirachs Gerichtsdrama - Premiere am 22. März

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    Darf man ein Flugzeug voller Menschen abschießen, um tausende Menschen in einem Fußballstadion zu retten? Am Ende entscheiden die Zuschauer Fotos: Langner

Artikel vom 14. März 2019 - 17:30

Von Eddie Langner

SINDELFINGEN. Fliegender Wechsel im Sindelfinger Theaterkeller: Am Sonntag geht dort letztmals Karsten Spitzers Szene03-Inszenierung von "Gut gegen Nordwind" über die Bühne, danach verwandelt sich der Zuschauerraum in einen Gerichtssaal. Verhandelt wird ein brisanter Fall über einen Luftwaffenpiloten, der ein Passagierflugzeug abgeschossen hat, um zu verhindern, dass ein Terrorist den Jet in die vollbesetzte Münchner Allianz Arena abstürzen lässt.

"Terror" heißt das Justizdrama aus der Feder von Ferdinand von Schirach, das im Oktober 2015 uraufgeführt wurde und ein Jahr später als großes TV-Ereignis zeitgleich in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgestrahlt wurde. Entsprechend zur Bühnenversion durften damals die TV-Zuschauer per Anruf abstimmen, ob der Kampfpilot für den Abschuss des Passagierjets verurteilt oder freigesprochen werden sollte.

Vor eben diese Entscheidung stellt das Ensemble der Schaubühne Sindelfingen ab Freitag, 22. März, auch die Zuschauer im Theaterkeller. "Ich habe das Stück vor gut zwei Jahren im Alten Schauspielhaus in Stuttgart gesehen", erklärt Axel Finkelnburg beim Besuch der Kreiszeitung in der Volkshochschule im Stiftsgymnasium. Dort probt das Ensemble derzeit, weil der Theaterkeller noch wegen der "Gut gegen Nordwind"-Produktion belegt ist. Der interaktive Charakter des Stücks faszinierte Finkelnburg, also sicherte er sich die Aufführungsrechte für "Terror".

Die Inszenierung ist nach "Venedig im Schnee" die zweite Regiearbeit des Schauspiel-Routiniers. "Vieles ist diesmal anders", findet er - unter anderem natürlich, weil er hier keine Komödie einstudiert. Zudem wirkt Finkelnburg, der am 25. März seinen 63. Geburtstag feiert, zwei Jahre nach seinem Regiedebüt gelassener und - trotz der ernsten Thematik - auch ziemlich heiter.

"Die Haare gehen ja gar nicht", legt er Mathias Baier frotzelnd einen Friseurbesuch nahe. Schließlich spielt der den angeklagten Luftwaffenmajor. Da würde sich doch ein Kurzhaarschnitt wie bei Finkelnburg anbieten, oder? "Och neee!", stöhnt Baier und fasst sich wehmütig an seine blonden Haare, die bis zu den Schulterklappen seiner Fliegeruniform reichen.

Eine Herausforderung ist das vergleichsweise starre Korsett, das sich durch die Handlung im Gerichtssaal ergibt. Das zwingt Regie und Schauspieler dazu, den Fokus auf kleine Nuancen zu legen. Genau das tut die Darstellerriege um Mathias Baier, der den angeklagten Kampfpiloten trotz "Kriegsdienstverweigerer-Haarschnitt" mit der richtigen Mischung aus reuigem Selbstzweifel und soldatisch-strammer Integrität spielt. Katrin Finkelnburg geht das sperrige Juristendeutsch in ihrer Rolle als Staatsanwältin schon recht authentisch über die Lippen und auch Bernd Schmalenbach kommt als Richter so glaubhaft rüber, dass man als Zuschauer unwillkürlich den Impuls verspürt, bei Verhandlungsbeginn respektvoll aufzustehen.

Axel Finkelnburg, selbst Schöffe am Stuttgarter Landgericht, ist ebenso wie seine Darsteller gespannt darauf, welches Urteil die Zuschauer im Theaterkeller fällen werden. "Schließlich sind wir uns selbst noch nicht einig darüber, ob der Pilot nun richtig gehandelt hat, oder nicht", berichtet Katrin Finkelnburg von intensiven Debatten bei den Proben. Das verspricht spannende Gespräche im Foyer des Theaterkellers.

  Die Schaubühne Sindelfingen spielt "Terror" von Ferdinand von Schirach. Premiere ist am Freitag, 22. März, im Theaterkeller. Weitere Vorstellungen sind am 23., 24., 30. und 31. März sowie am 5., 6., 12. und 13. April. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, sonntags bereits um 18 Uhr. Es spielen: Bernd Schmalenbach, Katrin Finkelnburg, Marc Lobmeyer, Mathias Baier, Achim Fuchs und Sandra Jornitz. Regieassistentin: Gudrun Steinle; Regie: Axel Finkelnburg; Technik: Fabian Krause.

 

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