Sindelfinger Hochhausmord: Angeklagte beteuert Unschuld

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    Symbolbild: Archiv

Artikel vom 12. März 2019 - 17:30

SINDELFINGEN/STUTTGART (wic). Sie will nach wie vor unschuldig auf der Anklagebank sitzen: Die 64-jährige Frau, die vor dem Stuttgarter Landgericht angeklagt ist, in einem Hochhaus in der Friedrich-Ebert-Straße in Sindelfingen ihre 81-jährige Nachbarin durch Schläge und Messerstiche getötet zu haben, bleibt dabei, dass sie nicht die Täterin sei.

Auch an diesem fünften Prozesstag versuchten die Richter, zum einen die Hintergründe des Tötungsdelikts zu ermitteln, zum anderen aber auch festzustellen, warum deutliche DNA-Rückstände der Angeklagten am Opfer anhafteten. Dazu hat das Gericht über 30 Zeugen geladen. Dass molekularbiologische Spuren der Angeklagten über Dritte unabsichtlich und zufällig ans Opfer gelangten, ist durch Aussagen der Ermittler offensichtlich ausgeschlossen. Man habe bei der Arbeit am Tatort immer die vorgeschriebenen Plastikhandschuhe getragen, so deren Aussagen.

Sonderbar ist allerdings das Verhalten der Angeklagten damals auf dem Flur der sechs Wohnungen im fünften Obergeschoss des Hochhauses. Mehrere Zeugen, darunter ein Arzt und zwei Polizeibeamte, wollen mitbekommen haben, wie die Angeklagte kurz aus ihrer Wohnung kam, als man den Leichnam der 81-Jährigen gerade abgelegt hatte. Dann habe die Angeklagte plötzlich einen Schwächeanfall erlitten und sei zu Boden gefallen, wobei sie Atemnot hatte. Sanitäter und der Notarzt bemühten sich um die Frau, richteten sie wieder auf, wobei einer der Polizisten sie in ihre Wohnung zurückbrachte und beruhigte.

War dies alles nur eine Show? Ein Beamter berichtete dem Gericht, dass die Angeklagte tatsächlich mit einem Aufschrei zu Boden geglitten und nicht hingefallen sei. Hat sie dabei ins Kalkül gezogen, dass die Helfer ihre DNA später auf das Opfer übertragen würden? Fakt ist, dass der "Schwächeanfall" der Angeklagten am Tatort die Ermittler und Sanitäter irritierte.

Mit der Frage wird sich das Gericht noch einige Zeit beschäftigen. Es fällt bei den Zeugenbefragungen auf, dass die Richter den Schwerpunkt auf "Handschuhe" und Behandlung der Angeklagten am Tatort legen. Bisher beteuern alle am Tatort Anwesenden, dass sie stets Handschuhe getragen hätten. Ein psychiatrischer Sachverständiger wird zu dem "Schwächeanfall" der Angeklagten an einem der nächsten Prozesstage seine fachliche Einschätzung abgeben.

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