Hochhaus-Prozess: Verteidigung hat eine Erklärung für DNA-Übertragung

Erklärung für DNA-Übertragung?

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Artikel vom 27. Februar 2019 - 18:00

Von bernd S- Wickler

SINDELFINGEN. Im Sindelfinger Hochhausprozess um die Tötung einer 81-Jährigen versuchen die Richter der Stuttgarter Schwurgerichtskammer auch am dritten Verhandlungstag gegen die mutmaßliche 67-jährige Täterin festzustellen, ob die Beschuldigte die Tötung begangen hat, oder nicht. Die 67-Jährige bestreitet den Vorwurf energisch. Könnten ihre DNA-Spuren unkontrolliert am Opfer gelandet sein?

Das 81-jährige Opfer war laut den Ermittlungen der Kriminalbeamten am Mittag des 29. Juni letzten Jahres in ihrer Wohnung des Sindelfinger Hochhauses durch elf Stichverletzungen am ganzen Körper und dem Hals im Bereich des Kehlkopfs zu Tode gekommen. Ihre Nachbarin soll die Tat begangen haben, weil sie sich angeblich wegen des Lärms des Klavierspielens geärgert habe, so jedenfalls die Anklage.

Wegen des DNA-Abgleichs steht für die Ermittler fest, dass die Angeklagte, und sonst niemand, die Täterin ist. Man habe an ihrer Kleidung deutliche Spuren festgestellt. Die Tat wird jedoch von der Verteidigung bestritten und eine andere Erklärung für die DNA-Übertragung ins Feld geführt, da nach dem Auffinden der Verstorbenen Helfer der Feuerwehr, des Roten Kreuzes und eines Notarztes versucht hatten, das Opfer zu reanimieren - allerdings vergeblich. Anschließend versuchten die Helfer und auch der Notarzt selbst, die Angeklagte zu behandeln, weil sie in dem Augenblick, als man die Leiche wieder zu beleben versuchte, einen Schwächeanfall vor Ort erlitt. Ein Polizeibeamter sagte aus, die Frau sei plötzlich umgefallen. Der Notarzt berichtet im Zeugenstand der Stuttgarter Schwurgerichtskammer, er habe zwar Handschuhe bei der Sichtung der Toten getragen, aber er habe auch die Angeklagte angefasst, als er sie beruhigte.

Können so molekularbiologische Spuren von einem Mensch auf den anderen Mensch übertragen werden? Das ist die Frage, die das Gericht in diesem Mordfall beschäftigt. Die Angeklagte lässt ihre Unschuldsbehauptung durch ihre beiden Verteidiger vortragen. Selbst macht sie zum Vorwurf des vollendeten Totschlags keinerlei Aussagen. Sie lässt auch gegen den von der Staatsanwaltschaft beauftragten psychiatrischen Sachverständigen einen Befangenheitsantrag vortragen, weil dieser ein Gutachten über sie gegen ihren Willen angefertigt habe. Der Befangenheitsantrag wurde aber als unbegründet abgewiesen. Weitere Zeugen sollen im weiteren Verlauf des Prozesses klären, ob die Angeklagte tablettensüchtig ist. Angeblich soll sie im Übermaß Medikamente eingenommen haben. Als sie am Tatort selbst den Schwächeanfall erlitt, soll sie wie ein Epileptiker gezappelt haben.

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