Naturschutzbund-Vortrag über die Feldlerche

Naturschutzbund-Experte Norwin Hilker sprach im Vogelschutzinfozentrum über die gefährdete Feldlerche

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    Ihr Gesang betört, ihr Bestand ist gefährdet: die Feldlerche, Nabu-Vogel des Jahres 2019 Foto: red

Artikel vom 21. Februar 2019 - 18:24

SINDELFINGEN (red). War es die Nachtigall? Oder war es die Lerche? Romeo und Julia hatten da gewisse Zweifel. Im Sindelfinger Vogelschutz-Informationszentrum war es ganz klar. Dort ging es dieser Tage nur um die Lerche. Die Nachtigall gibt es im Kreis Böblingen seit vielen Jahren nicht mehr.

Der Saal im Vogelschutz-Informationszentrum war voll besetzt mit Naturfreunden, um von Norwin Hilker vom Naturschutzbund (Nabu) Cleebronn mit Bildern und Video-Sequenzen aktuelles Wissen über die Feldlerche zu hören, die vom Nabu nach 1998 nun zum zweiten Mal zum Vogel des Jahres gewählt wurde.

Etwa 18 Zentimeter beträgt die Körperlänge und das Gewicht erreicht dabei etwa 40 Gramm. Die Aufgaben sind bei den Feldlerchen klar geordnet: Das Männchen begeistert die Menschen mit seinem Gesang in 50 bis 200 Meter Höhe über dem Boden. Das Weibchen legt die Eier und ist mit dem Brüten in dem auf dem Erdboden befindlichen Nest beschäftigt.

Nach elf Bruttagen schlüpfen die Jungen und werden dann elf Tage lang von beiden Elternteilen im Nest versorgt und dann noch 30 Tage im Gelände bis zur Trennung der Lerchenfamilie.

"Einstmals waren die Lerchen wegen ihres herrlichen Gesangs der Stolz des Adels und sie prangten auf vielen Adelswappen in Europa. Feldlerchen lieben die offene Landschaft, suchen am Boden nach Insekten jeder Art und bauen dort auch ihr Nest, das durchaus von 20 Zentimeter hohem Gras umgeben sein darf", heißt es in einer Pressemitteilung. Die moderne Landwirtschaft mit Mais- und Rapsfeldern und schnell wachsendem Getreide gebe den Lerchen aber kaum eine Chance: "Hier ging die Bitte an die Landwirte, doch in den Feldern während der Aussaat Lerchenfenster mit mindestens 20 Quadratmetern Größe ohne Bewuchs anzulegen, wo die Feldlerchen ihre Nester anlegen können. Im Herbst ziehen die Feldlerchen in kurzen Etappen am Tage nach Süden, meistens bis in das Mittelmeergebiet, niemals über die Sahara hinaus.

Die veränderte Landwirtschaft, Jauchedüngung, Pestizide und somit fehlende Insekten als Nahrungsgrundlage machten der Lerche das Leben schwer, sorgt sich der Nabu. Auch die natürlichen Feinde wie alle Greifvögel und die Jagd in südlichen Ländern ließen den Bestand in Deutschland immer weiter zurückgehen. Der Nabu denkt über die Frage nach: Stirbt auch die Lerche bald aus im Kreis Böblingen wie schon die Nachtigall vor etlichen Jahren?

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