Fake News enttarnen: Reporter reden mit GDS-Schülern

SWR-Journalistin Sabrina Fritz im Rahmen von "Korrespondenten machen Schule" an der Sindelfinger Gottlieb-Daimler-Schule 1

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    SWR-Redakteurin Sabrina Fritz (links) und Filiz Tokat, medienpädagogische Referentin des Landesmedienzentrums, beobachten TG-Schüler bei der Recherche Foto: Thomas Bischof

Wie arbeiten Journalisten? Wie kann der Leser, Hörer, User Fake News in den Medien entlarven? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Reihe "Korrespondenten machen Schule" des Landesmedienzentrums. Mit Schülern des Technischen Gymnasiums der Gottlieb-Daimler-Schule 1 diskutierte Sabrina Fritz, Leiterin der SWR-Wirtschaftsredaktion.

Artikel vom 19. Februar 2019 - 15:12

Von Werner Held

SINDELFINGEN. Bevor Sabrina Fritz die Leitung der Wirtschaftsredaktion des SWR übernahm, war sie sechs Jahre lang Korrespondentin für ihren Sender in den USA. Sie bezeichnet diese Zeit, in der sie vor allem für den Hörfunk arbeitete, das Highlight ihres Journalistenlebens. Zur Einstimmung in den Workshop erzählt Sabrina Fritz den TG-Schülern des Profilfachs Technik und Management ein bisschen aus dieser Zeit - etwa von der Pressekonferenz beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, oder von einer Reportage an der amerikanisch-mexikanischen Grenze oder von der abweisenden Haltung des Lidl-Konzerns, der die Rundfunk-Crew nicht in einen seiner US-Märkte lassen wollte.

Ein Eckpfeiler ihrer Arbeit, sagt Sabrina Fritz, sei die eigene Anschauung. Doch alles kann ein Korrespondent nicht mit eigenen Augen ergründen. Aber bei der Wahl der Quellen, aus der er Informationen saugt, gelte es vorsichtig und misstrauisch zu sein. "Die Verführung, im Netz zu suchen, ist auch für Journalisten groß", räumt Fritz ein. Doch das gute, alte Telefon ist für sie immer noch der Rechercheweg, auf dem sie am schnellsten und zuverlässigsten an glaubwürdige Informationen kommt, die das, was sie selbst gesehen hat, ergänzen. Und auch der Weg, auf dem sich manche Meldung als das entlarven lässt, was sie ist: als Blödsinn.

"Welche Informationskanäle nutzen Sie?", fragt Filiz Tokat, medienpädagogische Referentin des Landesmedienzentrums, die Schüler. Die meisten Hände gehen bei Smartphone und Tablet hoch. Die Apps, die die Schüler nutzen, führen auf die Seiten durchaus seriös klingender Anbieter wie "Tagesschau" oder "Spiegel". Fernsehen und Radio folgen mit großem Abstand. Die Zeitung blättern sie durch, wenn sie zu Hause herumliegt, weil die Eltern ein Abo haben.

An fünf Stationen versucht Filiz Tokat, die Medienkompetenz der Schüler zu schulen. Sie sollen beispielsweise eine Meldung auf unterschiedlichen Websites suchen und herausarbeiten, was die Darstellungen unterscheidet. An einer anderen Station bekommen die jungen Leute einen Stapel Zeitungen und Zeitschriften. Welche sprechen sie von der Aufmachung, vom Layout, von den gesamten Anmutung her am meisten an? Bei einer Mädchengruppe stehen die "Zeit", der "Spiegel" und "Focus" hoch im Kurs. Offenbar sehen die jungen Frauen die "langen Artikel" als willkommenen Gegenentwurf zu den Informationshäppchen im Internet.

An fünf Stationen wird die Medienkompetenz geschult

"Ihr müsst misstrauisch sein und selbst nachdenken: Kann der dargestellte Sachverhalt plausibel sein?", fordert Sabrina Fritz die Schüler auf, als sie am Ende über die Ergebnisse der einzelnen Gruppen zu diskutieren beginnen. Einige Schüler sind der Meldung auf den Grund gegangen, wonach ein Rentner in Neckartailfingen die 150-Quadratmeter-Wohnung, die ihm die Gemeinde vermietet hat, räumen muss, weil dort Flüchtlinge einquartiert werden sollen. Sie stellten fest, dass die Sache an sich zwar stimmt. Doch sie bringen auch heraus, dass der Vorgang nicht mehr ganz so dramatisch erscheint, wenn man überhöhte oder schlicht falsche Einzelheiten ins rechte Licht rückt.

Kann es sein, dass in Neuseeland durch eine einzelne Fruchtfliege Alarm ausgelöst worden ist? "Die Meldung ist wahr", erklärt ein Schüler das Rechercheergebnis seiner Gruppe, die Einheimischen fürchten, dass sie zu einer größeren Population gehört, die in den Obstanbaugebieten Schaden anrichten könnte. Dagegen ist die Meldung, dass in Böblingen und Sindelfingen demnächst ein Diesel-Fahrverbot verhängt werden soll, erfunden. "Warum werden Fake News in die Welt gesetzt?", fragt Sabrina Fritz. Manche sind nur schlechte Scherze, andere als Satire gedacht. Doch die allermeisten, sagt die Journalistin, seien "interessengeleitete Desinformation". Die Schüler kommen auf Donald Trump und das, was er für Fake News hält. "Der möchte sich seine eigene Welt aufbauen, in der nur gilt, was ihm gefällt", analysiert einer den US-Präsidenten.

"Die jungen Leute schauen sich in den Medien um und sind gut informiert", sagt Filiz Tokat. "Aber oft fehlt ihnen das Rüstzeug, um sich bei der Vielfalt von Informationen orientieren zu können." Die TG-Schüler machen durchaus den Eindruck, dass ihnen der Workshop ein bisschen von diesem Rüstzeug vermittelt hat. Dann müssen sie sich wieder Mathe und Englisch zuwenden.

Fake News enttarnen
Es gibt eine ganze Reihe von Websites, die helfen, Fake News von seriösen Nachrichten zu unterscheiden:
fakefilter.de ist ein Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung
faktenfinder.tagesschau.de
swr.de/fakefinder
images.google.de ist ein Bilderrückwärtssuch-Angebot, das hilft, den Echtheitsgehalt von Fotos zu überprüfen
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