Schüler streiken fürs Klima auf Sindelfinger Marktplatz

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    Schüler treten auf dem Sindelfinger Marktplatz für einen "echten" Klimaschutz ein Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 01. Februar 2019 - 16:42

SINDELFINGEN. "What do we want?", ruft Özgür Celik ins Mikrofon. "Climate Justice!, schallt es ihm aus vielen Dutzend Mündern entgegen. Der Schülersprecher des Gymnasiums in der Pfarrwiesen Sindelfingen (GiPS) organisiert gemeinsam mit seiner Kollegin Leonie Thaler (15) und Emma Bako-Krutsch (18), der Schülersprecherin des Gymnasiums Unterrieden, nach internationalem Vorbild den "Friday for Future" in Sindelfingen. Özgür Celik hat Berichte über den "Schulstreik fürs Klima" gelesen und gesehen, mit dem Greta Thunberg seit Sommer 2018 mindestens einmal in der Woche vor dem Reichstag in Stockholm den Politikern Dampf machen will. Die 16-jährige Schwedin ist mittlerweile berühmt; sie hat bei der UN-Klimakonferenz 2018 in Kattowitz und auch kürzlich beim Weltwirtschaftsforum in Davos gesprochen. Und sie hat in vielen Ländern Europas Mitstreiter gefunden.

Am GiPS wird (Erziehung zur) Demokratie großgeschrieben. "Wir sollen Demokratie leben und Verantwortung in unserer Gesellschaft übernehmen", sagt Özgür Celik. Er hat deshalb die Aktion für eine "echte" Klimaschutzpolitik initiiert. Zum Auftakt am Freitag vor einer Woche versammelten sich rund 150 Schülerinnen und Schüler auf dem Marktplatz. Bei der zweiten Auflage waren es nicht ganz so viele, was die Organisatoren dem Regenwetter zuschrieben. "Es ist toll, dass so viele mitziehen", sagt Özgür Celik.

Mit ihrem Schulstreik wollen die Schüler ein Zeichen setzen - auch wenn sie die Unterrichtsstunden, die sie für ihre Aktion ausfallen lassen, nachholen müssen. "Was nützt uns die ganze Bildung", argumentiert Celik, "wenn in 20, 30 Jahren unser Klima im Arsch ist." "Wir wollen gehört werden", ergänzt Leonie Thaler.

Die, die im Halbkreis um den Freundschaftsbrunnen stehen, recken Plakate in die Höhe. Sie tragen Aufschriften wie "For my and our future: Jetzt oder nie", "Heute 18 - Kann ich auf dieser Welt noch mit 80 leben? Act now!", "Save the planet" oder "Klimaschutz statt Kohleschmutz". Und sie stellen klar: "Schwänzen? Nein! Wir kämpfen für unsere Zukunft". Immer wieder schallen Parolen durch die Innenstadt. "Streik in der Schule, Streik im Betrieb. Das ist unsere Antwort auf eure Politik!", halten die Schüler den Politikern entgegen. Und sie setzen hinzu: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!"

Nach dem ersten "Schulstreik fürs Klima" hätten die Initiatoren ein durchweg positives Feedback bekommen, berichtet Emma Bako-Krutsch. Auch Lehrkräfte hätten sie dazu ermuntert, sich weiter für ihre Interessen einzusetzen und sich in die Politik einzumischen. Das ändert aber nichts daran, dass die Streikenden den ausgefallenen Unterricht nachholen müssen. Das soll für alle am Mittwochnachmittag im GiPS geschehen. Diese Gelegenheit wollen sie nutzen, um über ihr Anliegen zu diskutieren. Und im Anschluss ans Nachsitzen, sagt Emma Bako-Krutsch, soll auch die weitere Strategie festgelegt werden. Ein Termin steht schon fest: Beim bundesweiten Aktionstag am 15. März wollen die Schüler aus Sindelfingen und Böblingen auf jeden Fall dabei sein. Möglicherweise fahren sie dann nach Stuttgart, um sich mit Gleichgesinnten aus dem ganzen Land zu einer großen Demonstration zusammenzuschließen.

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