Lümali auf Daimler-Versammlung: "Keiner darf auf der Strecke bleiben"

Rund 15 000 Beschäftigte bei der letzten Betriebsversammlung in Sindelfingen - Kronprinz Ola Källenius stand Rede und Antwort

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    Ola Källenius, Vorstand für Konzernforschung und Entwicklung (links), und der Betriebsratsvorsitzende am Mercedes-Benz-Standort Sindelfingen, Ergun Lümali, während der Fragerunde bei der letzten Betriebsversammlung des Jahres Foto: red

Rund 15 000 Beschäftigte kamen zur letzten Betriebsversammlung des Jahres am Mercedes-Benz-Standort Sindelfingen. Besonderheit am 3. Dezember war ein Gastvortrag von Vorstandsmitglied Ola Källenius, der für Konzernforschung und Entwicklung verantwortlich ist und, sofern die Hauptversammlung 2019 zustimmt, neuer Konzernlenker wird.

Artikel vom 09. Dezember 2018 - 17:18

SINDELFINGEN (red). Källenius informierte die Beschäftigten zu den Themen Diesel, Elektrifizierung und Case und stand anschließend bei allen - durchaus auch kritischen - Fragen der Belegschaft Rede und Antwort. "Der offene Austausch kam durchweg positiv an", heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Betriebsrat des Werkes Sindelfingen.

Nach einer kurzen Einleitung hieß der Betriebsratsvorsitzende Ergun Lümali Källenius willkommen. In seinem Vortrag machte der deutlich, wie die Elektrifizierung und weitere Case-Themen in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden, gleichzeitig aber klassische Mercedes-Stärken wie zum Beispiel Fahrwerkskomfort oder Sicherheit mindestens so gut beherrscht werden müssten wie heute. Beim Thema Diesel sprach er über die enorme Bedeutung des Vertrauens der Kunden in die Marke Mercedes-Benz. "Das Vertrauen unserer Kunden in den Mercedes-Stern ist eines unserer wichtigsten Güter. Es liegt an jedem von uns, sich dieses Vertrauen Tag für Tag aufs Neue zu verdienen, so Ola Källenius.

In seiner Einleitung machte Ergun Lümali deutlich: "In den Diesel hat die deutsche Autoindustrie Dutzende Milliarden Euro investiert. Sie ist bei der Technik weltweit führend. Unsere neuen Diesel-Motoren entsprechen den heutigen Anforderungen und deshalb wünsche ich mir, dass der Daimler-Vorstand hier deutlicher in der Öffentlichkeit auftritt." In puncto Elektrifizierung wies der Betriebsratsvorsitzende darauf hin: "Auch wenn der Trend deutlich in Richtung batterieelektrische Fahrzeuge geht, sollte aus unserer Sicht die Brennstoffzelle, bei der wir als Unternehmen auch sehr fortschrittlich unterwegs sind, nicht aus dem Fokus gelassen werden."

Zudem kam Lümali auf die Sorgen der Belegschaft zu sprechen, die mit Digitalisierung und Industrie 4.0 oft einhergehen: "Die Ankündigungen, welche Auswirkungen der Wandel in der Automobilbranche auf die Arbeitsplätze haben könnte, löst bei den Beschäftigten verständlicherweise Sorge um den eigenen Arbeitsplatz und damit auch um die eigene Zukunft aus. Ich nehme diese Sorgen sehr ernst. Deswegen setzen wir Betriebsräte alles daran, die Menschen in diesem großen Transformationsprozess mitzunehmen. Es darf keiner auf der Strecke bleiben. Das gelingt aber nur, wenn das Unternehmen im Geist von Daimler und Benz die Mobilität der Zukunft vorantreibt und wir die Beschäftigten und die Beschäftigung mit zukunftsfähigen Betriebsvereinbarungen absichern."

Tariferhöhung in Form von zusätzlichen Urlaubstagen?

Im Bericht des Betriebsrats ging Ergun Lümali auf eine Reihe aktueller Themen ein. Darunter die Inhalte der Betriebsvereinbarung "Zukunftsbild Sindelfingen 2025+ (Next Level)". Darin wurde die Übernahme von Zeitarbeitskräften vereinbart. Aktuell läuft hierzu der Auswahlprozess.

"Weiteres wichtiges Thema war die Tarifrunde 2018 beziehungsweise wie die Ergebnisse nun im Betrieb umgesetzt werden. Hintergrund sind die vielen Anträge von Sindelfinger Beschäftigten zur Wandlung des tariflichen Zusatzgeldes in acht zusätzliche freie Tage", so die Pressemitteilung weiter. Ergun Lümali: "Die hohe Anzahl an Anträgen bereitet dem Unternehmen Kopfzerbrechen. Unser Ziel ist es auf jeden Fall, dass alle anspruchsberechtigten Kolleginnen und Kollegen mit der gleichen Verlässlichkeit wie bisher gewohnt mit ihrem Jahresurlaub jetzt auch ihre acht T-ZUG-Tage planen können."

Case - diese Buchstaben prägen die Zukunft von Mercedes. Sie stehen für die strategischen Zukunftsfelder Vernetzung (Connected), autonomes Fahren (Autonomous), flexible Nutzung (Shared) und elektrische Antriebe (Electric), die das Unternehmen intelligent miteinander verbinden will. Schon heute nehme Mercedes-Benz in allen vier Bereichen eine führende Rolle ein, heißt es.

Im Zentrum für alle Aktivitäten steht im Bereich Vernetzung die digitale Marke "Mercedes me", die den Kunden per App, Website oder direkt im Auto Zugang zu einem umfassenden und personalisierten Dienstleistungsangebot gibt. Auf dem Weg zum autonomen Fahren treibe Mercedes-Benz seit Jahren die Entwicklung intensiv voran und setze dabei immer wieder Maßstäbe. Dafür nutzten die Mercedes-Ingenieure die sogenannte Sensor-Fusion, schreibt Kerstin Siegel, Betriebsratssprecherin. Die Daten unterschiedlicher Sensoren wie Kameras, Ultraschall und Radar würden intelligent verknüpft und ausgewertet. Auch beim Thema Sharing sei der Erfinder des Automobils mit "car2go" Vorreiter. Mit rund zwei Millionen Nutzern sei das Unternehmen größter Anbieter weltweit beim free-floating Carsharing.

Bei der Elektrifizierung des Antriebsstrangs folge Mercedes-Benz einem ganzheitlichen Ansatz und entwickle neben der Marke EQ mit einer Fahrzeugfamilie auch ein ganzheitliches Ökosystem, das neben dem reinen Fahrzeug ein umfassendes Angebot rund um die Elektromobilität enthalte. Dieses reiche von intelligenten Services über Energiespeicher für private und gewerbliche Kunden sowie Ladetechnologien wie dem induktiven Laden bis hin zum nachhaltigen Recycling.

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