Gute Aussichten für Sindelfingen rockt

Veranstalter und Stadtverwaltung rechnen mit Neuauflage im Sommer 2019 - Knackpunkt könnte erweiterter Lärmschutz sein

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    Freudestrahlende Gesichter auf und abseits der Bühne: Die Chancen für die Fortsetzung von "Sindelfingen rockt" stehen offenbar gut Foto: Dannecker

Ende August schallten bei "Sindelfingen rockt" die letzten Stromgitarren-Akkorde über den Marktplatz. Danach stand die Gratis-Konzert-Reihe wegen der Beschwerden einiger genervter Anwohner auf der Kippe. In der Zwischenzeit ist im Hintergrund einiges passiert. Für eine Fortsetzung stehen die Chancen gut.

Artikel vom 30. Oktober 2018 - 13:24

Von Eddie Langner

SINDELFINGEN. "Im Oktober müssen wir eine Entscheidung haben, dann fangen die Planungen für 2019 an." Das sagte Johannes Leichtle Ende August auf Nachfrage der Kreiszeitung. Es war der 30. August, ein Tag nach dem letzten Konzert im Rahmen von "Sindelfingen rockt". Seit mittlerweile vier Jahren verwandelt die von Leichtles Leonberger Agentur Bankett Plus organisierte Live-Musikreihe den Sindelfinger Marktplatz an fünf Abenden während der Sommerferien in eine Open-Air-Arena.

Während auch in diesem Jahr Woche für Woche rund 5000 Leute zur Musik von Coverbands eine friedliche Rock-Party feierten, wurde der Protest einiger weniger Anwohner immer lauter. Die Stadt Sindelfingen versuchte sich in dem Spagat, einerseits die deutlich überwiegende musikbegeisterte Mehrheit nicht zu vergraulen und andererseits die Anliegen der lärmgeplagten Anwohner nicht zu vernachlässigen. Das führte dazu, dass Leichtle längere Zeit im Ungewissen hängen blieb. Wie sollte es mit seiner Veranstaltung weitergehen, wenn weiterhin Ordnungsamtsmitarbeiter mit Lärmmessgeräten neben der Bühne stehen und darauf drängen, die Lautstärke herunterzufahren, sobald ein vermeintlich zu hoher Pegel überschritten war?

"Ich brauche einfach möglichst bald Klarheit. Ich muss spätestens im November anfangen, zu planen", hatte Leichtle in einem weiteren Gespräch Anfang September auf eine Entscheidung gedrängt. Diese scheint sich nun abzuzeichnen - und zwar ganz im Sinne einer Fortsetzung.

Zwei Monate nachdem die Coverband The Vipers auf dem Marktplatz den Queen-Coversong "Breakthru" schmetterte, sieht es auch bei den Verhandlungen zwischen Veranstalter und Verwaltung nach einem Durchbruch aus. "Ich habe Signale bekommen, dass es weitergeht", sagte Johannes Leichtle auf KRZ-Nachfrage. Er stehe in jedem Fall für eine Fortsetzung bereit. Schriftlich fixiert sei zwar noch nichts, "aber das war in den Vorjahren auch nicht der Fall", so der Leonberger.

Was mögliche rechtliche Auseinandersetzungen mit Anwohnern angeht, verweist Leichtle wie auch schon in früheren Gesprächen darauf, dass die Bands immer jeweils bereits um (und manchmal sogar vor) 22 Uhr von der Bühne gehen. Damit bewege man sich innerhalb geltender Immissionsschutzgesetze, wie sie beispielsweise in der Freizeitlärm-Richtlinie der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz (LAI) formuliert sind.

Ein Knackpunkt könnten allerdings noch eventuell erforderliche zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen sein. Das Sindelfinger Rathaus hatte Ende August eine "innovative technische Beschallungstechnik" ins Spiel gebracht, mit der Leichtle für noch besseren Lärmschutz sorgen könnte. "Da habe ich gleich zur Stadt gesagt: Die Mehrkosten dafür trage ich nicht", stellt Leichtle klar. Er verwende auf dem Marktplatz bereits entsprechende Technik, die den Lärm möglichst in eine Richtung lenkt. Weitere Maßnahmen müsste dann jemand anders bezahlen, betont er - lässt aber eine kleine Hintertüre offen. "Wenn es sich um ein paar Hundert Euro dreht, wäre das egal. Aber sobald es in die Tausende geht, rechnet sich das für mich nicht mehr."

Entscheidung fällt Mitte November

Und was sagt die Stadtverwaltung zu einer Fortsetzung von "Sindelfingen rockt" im Jahr 2019? Mit ihrer Presseanfrage ist die KRZ-Redaktion offenbar ein wenig zu früh dran gewesen. Die Antworten von Pressesprecherin Nadine Izquierdo fielen jedenfalls eher knapp aus: Stadt und Veranstalter hätten das gemeinsame Ziel, "Sindelfingen rockt" auch 2019 durchzuführen, heißt es da. "Hierzu ist die Stadt in regelmäßigem Kontakt mit Herrn Leichtle, gemeinsam werden die Planungen vorangebracht", so die Pressesprecherin weiter. Was mögliche erweiterte Lärmschutzauflagen und dafür anfallende Kosten angeht, seien derzeit noch die Details in der Klärung.

Was die letztlich entscheidende Frage nach einer Einigung mit den Anwohnern angeht, bittet die Stadt noch um Geduld. "Die Klärung der Rahmenbedingungen ist rechtlich und faktisch aufwendig. Die Stadt hat daher eine fachlich versierte Rechtsberatung hinzugezogen", teilt Izquierdo mit und verweist auf Nachfrage auf einen noch nicht näher festgelegten Termin Mitte November. "Bis dahin werden wir eine Entscheidung haben", so die Pressesprecherin.

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