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"Naturschutz ist kein Selbstläufer"

Nachgefragt

Viele Mitglieder zwar, aber zu viel Arbeit, die sich auf zu wenigen Schultern verteilt. Karlheinz Schaible (68), Holzgerlinger Nabu-Vorsitzender der Ortsgruppe Sindelfingen-Böblingen, wäre um weitere Mitstreitende froh.

Artikel vom 20. Oktober 2018 - 15:06

Von Siegfried Dannecker

Herr Schaible, der Nabu-Ortsverband Sindelfingen-Böblingen ist mit 1370 Mitgliedern ein starker. Aber die Zahl der Aktiven, so heißt es, sei bloß ein kleines Häuflein.

Ja, stimmt. Wir haben Nachwuchssorgen. Gott sei Dank kommen zurzeit aus Ehningen Impulse. Dort ist eine jüngere Frau für uns sehr aktiv.

 

Naturschutz ist also kein Selbstläufer?

Nein, ganz und gar nicht. Es braucht stetige Aktivierungsenergie.

 

Wie wäre es, der Nabu würbe in Schulklassen für seine Anliegen?

Prinzipiell eine gute Idee. Ich selber fühle mich dafür allerdings nicht kompetent genug.

 

Das heißt, Sie könnten dringend zum Beispiel eine Biologin oder einen Biologen brauchen, der so was übernimmt?

Ja, gerne. Der- oder diejenige würde da bei mir offene Türen einrennen.

 

Das Thema Artensterben ist derzeit in aller Munde. Hilft das, Aufmerksamkeit zu erzeugen und neue Mitstreiter zu finden?

Ich kann nur hoffen, dass uns das nützt. Die Schlagzeilen in den Medien machen den einen oder anderen vielleicht sensibel. Dazu gehört auch, dass die als Art gefährdete Feldlerche Vogel des Jahres 2019 geworden ist - ein Artenschwund in der Feldflur.

 

Wie könnte oder sollte diesem Problem begegnet werden?

Es wäre in unserem dicht besiedelten Landkreis wichtig, das eine oder andere Gebiet zu bekommen, das durch Extensivierung aufgewertet werden könnte. Das verlangt natürlich den Kooperationswillen aller Beteiligten - der Kommunen, der Landwirtschaft, des Naturschutzes, des Landratsamts.

 

Sie selbst sind Holzgerlinger. Was ist denn aus dem Kiebitzprojekt geworden, das es seit fünf Jahren im Maurener Tal gibt?

Das Gebiet müsste im Frühjahr größer eingezäunt werden, damit Bodenbrüter eine Chance hätten. Durch Spaziergänger und Hundeführer, die direkt an den bisherigen Abzäunungen vorbeigingen, war die Fluchtdistanz für die Vögel zu klein. Holzgerlingen hat 2013 einen Biodiversitäts-Check machen lassen. Aus meiner Sicht wäre mehr zu machen, aber es verlangt größere Beteiligung von Altdorf und Hildrizhausen. Gott sei Dank wird zurzeit der Maurener See saniert. Der war am Umkippen.

 

Mit Stefan Belz hat Böblingen einen neuen grünen OB. Könnte das den Nabu-Aktivitäten Auftrieb verleihen?

(Lacht) Bestimmt. Der ist offen und sensibel für Themen des Umwelt- und Naturschutzes. Vielleicht sollten wir ihn bald besuchen.