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Einstieg bei RegioRad mit vier Stationen

Stadt Sindelfingen schließt sich dem Fahrrad- und Pedelec-Verleihsystem der Region Stuttgart an

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    Die RegioRad-Station am Böblinger Bahnhof Foto: Thomas Bischof

Sindelfingen steigt in das Fahrrad- und Pedelec-Verleihsystem RegioRad Stuttgart ein. Im ersten Schritt sollen die drei S-Bahn- Stationen auf Sindelfinger Markung und der Halt Goldberg entsprechend ausgestattet werden. Doch das soll nur der Einstieg in diesen Baustein des "multimodalen Verkehrs" sein.

Artikel vom 16. Oktober 2018 - 23:00

Von Werner Held

SINDELFINGEN. In Stuttgart gab es mehr als zehn Jahre lang das Radverleihsystem Call-a-bike. Als der Vertrag mit dem Betreiber im Auslaufen begriffen war und die Landeshauptstadt das Projekt neu ausschreiben musste, ging sie auf die anderen Kommunen im Umland zu mit dem Ziel, ein einheitliches Fahrrad- und Pedelec-Verleihsystem für die gesamte Region zu schaffen. In einigen Städten hatten bereits andere Systeme Fuß gefasst. 80 Städte und Gemeinden sagten zu. Neun von ihnen waren beim Start am 1. Mai 2018 dabei. Die meisten ließen sich eine Option auf einen späteren Einstieg einräumen. Diese Option möchte Sindelfingen jetzt ziehen. Ziel ist es, sagt Gunnar-Steffen Kimmel vom Bürgeramt Stadtentwicklung und Bauen, dass die Räder im März 2019 rollen. Betreiber von RegioRad Stuttgart ist die Bahn-Tochter DB Connect GmbH, die auch schon Call-a-bike angeboten hatte. "Aus roten Fahrrädern wurden blaue", erklärte Kimmel, als er dem Technik- und Umweltausschuss des Gemeinderats das Projekt vorstellte.

Da Bahnkunden am ehesten geneigt sind, nach dem Ausstieg aus dem Schienenfahrzeug ihr endgültiges Ziel mit einem Zweirad anzusteuern, steigt Sindelfingen mit den S-Bahn-Stationen bei RegioRad ein. Mit Halterungen für Räder und Pedelecs (diese werden dann auch gleich geladen) und Terminals für die vom Smartphone unabhängige Ausleihe werden nicht nur die drei S-60-Halte Sindelfingen, Maichingen und Maichingen-Nord ausgestattet, sondern auch die S-1-Station Goldberg, die zwar auf Böblinger Markung liegt, aber von vielen Menschen genutzt wird, die in Sindelfingen zu tun haben. Am Bahnhof Sindelfingen werden sechs Fahrräder und zwei Pedelecs stationiert, an den drei anderen Standorten jeweils vier Fahrräder und ein Pedelec.

90 000 Euro muss Sindelfingen in die technische Vorbereitung der vier Standorte investieren. Dazu kommen 28 000 Euro Dienstleistungskosten im Jahr. Der Betreiber ist dafür verantwortlich, dass Terminals, Anschließ- und Ladehalterungen funktionieren, und er muss dafür sorgen, dass an allen Stationen immer genügend Räder bereitstehen. Der Gemeinderat stimmte dem Einstiegskonzept und den Ausgaben zu.

Um auch Menschen für RegioRad zu begeistern, die nicht von S-Bahn-Station zu S-Bahn-Station radeln oder das Zweirad auf ihre Kosten stundenlang rumstehen lassen wollen, wenn sie irgendwo in der Stadt etwas erledigen, wären mehr Ausleih- und Rückgabepunkte wünschenswert. Da sich die Stadt am Anfang nicht noch mehr in Unkosten stürzen will, macht sie sich auf die Suche nach Partnern, die bereit wären, eine abgespeckte RegioRad-Station - ohne Halte- und Ladevorrichtung für die Fahrzeuge - mitzufinanzieren. Im Baudezernat denkt man da beispielsweise an Standorte in Gewerbegebieten, wo die Mitarbeiter der "Sponsoren" die Zweiräder nutzen könnten, oder an Einkaufszentren, wo auch die Kundschaft mit S-Bahn und Rad anreisen könnte. Auch für diese Suche gab der Gemeinderat grünes Licht.

Auch wenn sie dem Einstieg in einen Baustein des "multimodalen Verkehrs" zustimmten, warfen die Stadträte Fragen auf. "Wer ein Rad ausleiht, muss es auch irgendwo wieder abgeben können", plädierte der passionierte Radler Helmut Hoffmann (Grüne) dafür, von Anfang RegioRad-Stationen an möglichen Zielpunkten der Nutzer zu schaffen. In dieselbe Kerbe hieb Andreas Knapp (FDP): "Wir sollten ein bisschen mehr Geld ausgeben, um mehr Erfolgsfälle zu generieren."

Gunnar-Steffen Kimmel betonte, dass es sich bei dem Angebot um ein Experiment handle. "Die Änderung des Verkehrsverhaltens ist ein Prozess, der sich über zehn Jahre hinzieht", argumentierte er. "Wir sollten die Erwartungen jetzt nicht überhöhen, sondern erst mal Erfahrungen sammeln." Wenn sich niemand finde, der der Stadt weitere Stationen finanzieren helfe, "spielt das System für den Berufsverkehr keine Rolle", räumte Kimmel ein. Er sieht dieses Einstiegsangebot als Möglichkeit, sich mit RegioRad vertraut zu machen - beispielsweise bei Ausflügen in die Stadt (wo man zum Ausgangspunkt zurückradeln kann) oder in die Nachbarkommunen (die ebenfalls mitmachen). Kimmel ist überzeugt, dass das Netz der Ausleih- und Rückgabestationen in den kommenden Jahren enger wird. Baudezernentin Corinna Clemens verwies auf Stuttgart, wo manche Leute bereits lieber ein RegioRad ausleihen als ihren eigenen Drahtesel aus dem Keller zu tragen und aufzupumpen. Im Übrigen habe sie am Rathaus schon eins der blauen Regio-Räder stehen sehen. Die Vermutung liegt nahe, dass der Radler aus Böblingen kam und in Sindelfingen vergeblich eine Abgabestation gesucht hat. Doch das soll sich ja jetzt ändern.

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