"Unmoralisch, Halle leer stehen zu lassen"

Eschenried-Sporthalle vorrübergehend wieder genutzt: Harsche Kritik an Stadtverwaltung wegen langer Prüfungsdauer

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    Ein Bild aus der Zeit, als die Sporthalle Eschenried noch wettkampftauglich war. Weil die Tribüne kaputt ist, taugt sie jetzt allenfalls noch fürs Training Foto: Archiv

Der Gemeinderat wird am Dienstag noch nicht darüber entscheiden, ob die Turnhalle im Eschenried wieder für den Sport genutzt wird, bis sie abgerissen wird und Wohnhäu- sern weichen muss. Die Stadtverwaltung will die Interimsnutzung nicht. Das aber sehen viele Stadträte anders. Ein Vor-Ort-Termin soll nun Klarheit bringen.

Artikel vom 12. Oktober 2018 - 18:00

Von Werner Held

SINDELFINGEN. Die Eschenried-Sporthalle steht leer, seit die Flüchtlinge, die zuletzt dort gewohnt haben, in die Schule umgezogen sind. Deshalb beantragte die SPD-Fraktion im Gemeinderat im Mai 2017, die Verwaltung möge prüfen, was zu tun wäre und was es kosten würde, wenn die Stadt die Halle solange wieder für sportliches Treiben flott machen würde, bis sie in ein paar Jahren im Rahmen der Neubebauung des Eschenried-Areals der Spitzhacke zum Opfer fällt.

Fast anderthalb Jahre lang hat das Amt für Gebäudewirtschaft geprüft. Das Ergebnis legte es Ende September dem Sportausschuss vor: Die Sporthalle soll nicht interimsweise reaktiviert werden, weil die Kosten dafür zu hoch seien und nur eine Laufgruppe ihr Interesse an einer Nutzung bekundet habe. Das Sportamt hält die Eschenried-Halle für "grundsätzlich verzichtbar". Sie könne allenfalls für den Trainingsbetrieb wiederhergerichtet werden. Für den aber habe die Stadt mit den Drei-Feld-Hallen der Gemeinschaftsschulen im Eichholz und auf dem Goldberg Ersatz geschaffen. Die Repräsentanten des Sports und auch ein Teil der Stadträte wollen das nicht so einfach hinnehmen. "Die Abteilungen des VfL würden mehr Angebote machen, wenn mehr Hallenkapazität vorhanden wäre", sagte etwa VfL-Vizepräsident Andreas Bonhage. Das brachte auch jene Stadträte zum Nachdenken, die zunächst bereit gewesen waren, dem Verwaltungsvorschlag zuzustimmen.

Der Sportausschuss fasste keinen Empfehlungsbeschluss an den Gemeinderat. Er verständigte sich mit der Verwaltung darauf, dass in der Sitzung des Technik- und Umweltausschusses (TUA), der sich des Themas auch annehmen muss, weitere Informationen gegeben werden sollen. Außerdem drangen die Ausschussmitglieder darauf, die Halle zu besichtigen, um sich selbst ein Bild von den Mängeln machen zu können.

Die TUA-Sitzung fand am Mittwoch statt. Gleich zu Beginn erklärte Baubürgermeisterin Corinna Clemens, dass der Lauf der Beschlussvorlage durch die Gremien danach vorerst unterbrochen werde. Ursprünglich war geplant, dass der Gemeinderat am kommenden Dienstag einen Knopf an die Sache macht. Michael Paak vom Bürgeramt Stadtentwicklung und Bauen lieferte einen Teil der Zusatzinformationen, die sich die Stadträte im Sportausschuss erbeten hatten. Seine für eine mögliche Interimsnutzung der Sporthalle wichtige Botschaft war: Der Start für die Bebauung des 2,2 Hektar großen Areals der ehemaligen Realschule Eschenried mit 80 bis 100 Wohneinheiten ist für die Jahre 2021/22 geplant.

Forderung der Räte: Mit einfachen Mitteln wiederherrichten

Die Baudezernentin sicherte zu, dass sie jetzt einen Ortstermin für die Mitglieder des Sportausschusses und des TUA organisieren werde. Zudem werde geprüft, inwiefern ein Vorschlag des VfL umgesetzt werden kann, die Halle drei Jahre lang zu nutzen. Sie deutete an, dass sie sich vorstellen könne, die Halle "mit einfachen Mitteln" so weit herzurichten, dass dort wieder Sport getrieben werden kann.

SPD-Stadtrat Manfred Stock, dessen Fraktion die Debatte mit ihrem Antrag vom Zaun gebrochen hat, zeigte sich empört darüber, dass man im Rathaus für die Antwort so lange gebraucht hat. "Wenn so gearbeitet wird, ist es um die Verwaltung sehr schlecht bestellt", polterte er. Und er fügte hinzu: "Dann hätte sie gleich sagen sollen: Wir wollen die Nutzung nicht!" Er forderte, sich anzuhören, was die Vereine zur interimsweise Nutzung der Halle zu sagen haben, und sie dann mit wenig Aufwand wieder bespielbar zu machen. Die Kostenschätzung des Amts für Gebäudewirtschaft liegt bei 184 000 Euro, wenn in der Halle lediglich trainiert werden soll. Stock bezeichnete das als "Sindelfinger Standard hoch drei".

"Wenn der VfL Bedarf hat, soll er eine Aufstellung einreichen. Dann kann das Amt die Kosten ermitteln und wir können entscheiden. Alles andere ist Kaffeesatzleserei", sagte Walter Arnold (CDU). Helmut Hoffmann (Grüne) hat bereits einen Blick in die Halle geworfen. Seine Erkenntnis: "Ich war überrascht, in welch gutem Zustand sie ist." Er ist der Auffassung, das "es fast schon unmoralisch ist, die Halle leer stehen zu lassen". Und Wolfgang Döttling (Freie Wähler) plädierte dafür, die Halle "in kleinem Kostenrahmen" herzurichten und das Projekt nicht auf die lange Bank zu schieben.

Corinna Clemens verwahrte sich gegen eine Reaktivierung mit zu einfachen Mitteln: "Das ist eine städtische Halle, für die Stadt auch die Verantwortung trägt." Sie ließ aber durchblicken, dass die Lüftung in der Halle, einer der großen Brocken in der ersten Kostenkalkulation, entgegen den Befürchtungen der Fachleute noch zu funktionieren scheint. Bei dem zugesagten Ortstermin soll auch über den Standard der Maßnahmen gesprochen werden.

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