Gerichtsprozess: Überfall auf behinderte Frau und Gewalt gegen Polizistinnen

52-Jähriger mit psychischer Erkrankung steht wegen Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Bedrohung vor dem Landgericht

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    Symbolbild: Archiv

Artikel vom 03. Juli 2018 - 14:42

Von Bernd S. Winckler

SINDELFINGEN/STUTTGART. Ein 52-jähriger Mann soll Ende Februar in die Wohnung einer körperbehinderten Frau in Sindelfingen eingedrungen sein und sie durch Schläge schwer verletzt, sexuell missbraucht und danach stundenlang eingesperrt haben. Jetzt sitzt der Beschuldigte wegen der Sexualtat und Freiheitsberaubung sowie Bedrohung und Widerstand auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts.

Den frühen Morgen des 27. Februar wird die 40-jährige Frau, der erst kurz zuvor nach einem Unfall ein Bein amputiert werden musste, nicht so schnell vergessen. Gegen 5 Uhr soll der Angeklagte sie in ihrer Wohnung regelrecht überfallen, am Hals gewürgt, sie zu Boden geworfen und ihr mehrere wuchtige Fausthiebe in das Gesicht verpasst und sie dabei erheblich verletzt haben, um sie gefügig zu machen. Schließlich sei das Opfer wegen schwerer Gesichtsprellungen und anderer Verletzungen am ganzen Körper nicht mehr in der Lage gewesen, sich gegen die Zudringlichkeiten des 52-Jährigen zur Wehr zu setzen. Bei der Vergewaltigung soll er Praktiken angewendet haben, die für die Frau besonders erniedrigend waren. Das Opfer konnte erst Stunden nach dieser Attacke von Nachbarn befreit werden.

Doch nicht nur diesen Vorwurf macht die Staatsanwältin jetzt vor der 19. Strafkammer gegen den Mann geltend. Er soll nach seiner Festnahme in der Nacht zum 1. März auf dem Sindelfinger Polizeirevier die Beamten in schwerster Weise beleidigt und körperlich angegangen und dabei erheblich verletzt haben. Vor allem bei den Polizistinnen habe der Mann kein Blatt vor den Mund genommen, sie in sexistischer Weise unflätig und tief unter der Gürtellinie in ihrer Ehre gekränkt. Dazu soll der Mann auch mit Umbringen der Polizisten gedroht haben, indem er andeutete, ihnen die Hälse durchzuschneiden. Insgesamt vier Ordnungshüter mussten sich hinterher in ärztliche Behandlung begeben. Zudem soll der Beschuldige auch noch schwere Verwüstungen in der polizeilichen Haftzelle angerichtet haben - unter anderem habe er in seiner Wut die fest installierte Toiletteneinheit aus der Wand gerissen und zerstört, was einen Sachschaden in Höhe von 2000 Euro verursachte.

Der Mann soll nach vorläufiger Begutachtung durch eine psychiatrische Sachverständige an einer schweren Psychose erkrankt und daher für die angeklagten Vorgänge vom Februar und März strafrechtlich nicht verantwortlich sein. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Antragsschrift davon aus, dass der Beschuldigte in seinem krankhaften Zustand eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Es sei damit zu rechnen, dass er künftig weitere Übergriffe gegen Frauen verübe. Daher müsse er in eine gesicherte psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden.

Der gelernte Karosseriebauer musste wegen der psychischen Erkrankung, die er im Jahre 1992 selbst feststellte, den Beruf aufgeben und ist jetzt Frührentner. Mehrfach wurde er entsprechend behandelt, jeweils erfolglos. Zur Tatzeit selbst lebte er, wie er sagt, in einer Wohngemeinschaft in Sindelfingen.

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