Zentrum für das "stumme" Organ

Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen als nephrologische Schwerpunktklinik zertifiziert

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    Das Führungsteam der Nephrologie (von links): Oberarzt Dr. Engin-Halil Ufuk, Vera Schilling (Teamleitung), Chefarzt Dr. Dirk Löhr, Giovanna Paci-Weißenbühler (stellvertretende Stationsleitung/Dialyse), Oberärztin Dr. Angelika Köhler Foto: red

Artikel vom 02. Juli 2018 - 16:54

SINDELFINGEN (red). Die einzige Akutklinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen in den Landkreisen Böblingen und Calw ist seit Kurzem auch von der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) als nephrologische Schwerpunktklinik zertifiziert. Die Klinik von Chefarzt Dr. Dirk Löhr in Sindelfingen bildet mit 27 stationären Betten und aktuell 17 Dialyseplätzen das Zentrum für Nieren- und Hochdruckkrankheiten im Klinikverbund Südwest. Wie wichtig gerade ein hochspezialisierter Zentralversorger auf diesem Gebiet ist, verdeutlicht ein Blick auf die Zahlen. "Allein die Zahl der Dialysepatienten steigt bei uns Jahr für Jahr zwischen drei und fünf Prozent an. Insgesamt versorgen wir mittlerweile jährlich über 800 Patienten mit Nierenleiden", so Dr. Löhr.

"Wenn die Niere in ihrer Funktion eingeschränkt ist, dann bemerkt man das häufig nicht", erklärt der Nephrologe. "Sie ist ein sogenanntes stummes Organ und verursacht erst Symptome, wenn die Nierenleistung unter 30 Prozent gefallen ist." Umso wichtiger sei es, so der Chefarzt, ab einem Alter von 60 Jahren regelmäßig den Urin untersuchen zu lassen und die Nierenwerte per Bluttest zu überprüfen - insbesondere dann, wenn Diabetes mellitus oder ein langjähriger Bluthochdruck vorliegen, die häufigsten Ursachen einer chronischen Nierenerkrankung.

Um dem "stummen Organ" eine Stimme zu verleihen und die Versorgung nephrologisch erkrankter Patienten in allen Phasen und für alle Bereiche ihrer Erkrankung zu verbessern, hat die DGfN ein Zertifizierungsverfahren geschaffen, mit dem sich spezialisierte nephrologische Abteilungen einer strengen, unabhängigen Qualitätsprüfung

Medikamentöse Einstellung

unterziehen können. Mit dem Nachweis des breiten Versorgungsspektrums am Klinikum Sindelfingen-Böblingen ist die Klinik von Dr. Löhr jetzt seit Kurzem die neunte von der DGfN anerkannte Schwerpunktklinik in Baden-Württemberg. Mit der Zertifizierung hat der Patient Gewissheit, auf sämtliche Therapiemöglichkeiten bei akutem und chronischem Nierenversagen zählen zu können. Neben aller Hämodialyseverfahren (Blutwäsche) und Peritonealdialyseverfahren (Bauchfelldialyse), die spätestens bei einer Nierenleistung unter zehn Prozent unausweichlich werden, bietet die Klinik auch für Notfallpatienten rund um die Uhr eine Dialyse auf der Intensivstation bei akutem Nierenversagen an.

In der Shunt-Versorgung arbeiten die Nephrologen dafür interdisziplinär mit den Kollegen der Gefäßchirurgie zusammen. Neben der engen Kooperation mit den Krankenhausstandorten innerhalb des Verbundes arbeiten die Sindelfinger Nephrologen zudem mit den niedergelassenen Praxen sowie bei einer anstehenden Nierentransplantation Hand in Hand mit den Transplantationszentren des Katharinenhospitals Stuttgart und der Universitätsklinik Tübingen zusammen. "Gerade die Kontinuität und Qualität in der Vor- und Nachsorge ist mit entscheidend für den Erfolg einer Transplantation", weiß Löhr. Die durchschnittliche Wartezeit auf ein Spenderorgan liegt aktuell bundesweit bei rund sieben Jahren. Und das, obwohl im Gegensatz zu anderen Organen, die zusätzliche Chance auf eine Lebendspende besteht - bereits rund ein Fünftel sind hier mittlerweile Lebendspenden. "Es ist schade, dass offenbar viele Menschen erst über einen Organspendeausweis nachdenken, wenn sie im persönlichen Umfeld das jahrelange, emotionale Auf und Ab eines nahen Angehörigen, der dialysepflichtig wurde, unmittelbar miterlebt haben", so Löhr.

Ein weiterer Schwerpunkt der Sindelfinger Spezialisten besteht in der medikamentösen Einstellung des schwer einstellbaren Bluthochdrucks mithilfe einer Kombination von Medikamenten. "Fast jede Nierenerkrankung führt früher oder später zu hohem Blutdruck, und ein hoher Blutdruck, der meist nicht durch die Niere ausgelöst ist, kann umgekehrt zur Einschränkung der Nierenfunktion führen", erklärt der Nephrologe. Bei Diabetikern kümmert sich Dr. Löhr zudem darum, den Blutzucker optimal einzustellen, denn der Diabetes ist heutzutage die häufigste Ursache einer Nierenerkrankung, die zur Dialyse führt. Schließlich gehören Diagnostik und Therapie von sogenannten Autoimmunerkrankungen, die häufig mit einer Nierenbeteiligung einhergehen, zum erweiterten Spektrum der Abteilung. Hier findet in der Behandlung oftmals die sogenannte Plasmapherese statt, ein aufwändiges Verfahren, bei dem Blutkörperchen und Plasma getrennt werden und das Plasma durch eine Substitutionslösung ersetzt wird zur effektiven Entfernung unerwünschter Antikörper.

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