Erinnerung an eine Zeit voller Grauen

Donauschwaben gedenken der Auflösung der Internierungslager in Jugoslawien vor 70 Jahren

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    Gedachten mit rund 100 anderen Gästen in Sindelfingen des Schicksals der Donauschwaben vor 70 Jahren (von links): Paul Nemeth, Dr. Robert Zollitsch, Hans Supritz und Jakob Stehle Foto: red

Artikel vom 04. Mai 2018 - 17:00

SINDELFINGEN (red). Im April vor 70 Jahren endete die knapp vierjährige Leidenszeit der Donauschwaben in den Internierungs- und Vernichtungslagern des späteren Jugoslawien unter der Herrschaft der Tito-Partisanen. Aus diesem Anlass lud die Landsmannschaft der Donauschwaben zu einer Gedenkfeier ins Haus der Donauschwaben nach Sindelfingen ein.

Neben dem emeritierten Erzbischof Dr. Robert Zollitsch nahm daran auch der Böblinger Landtagsabgeordnete Paul Nemeth teil. "Wer ein zukünftiges Europa in Frieden und Freiheit haben möchte, der muss die Vergangenheit kennen. Dazu gehören auch die Gräueltaten, die man den Donauschwaben in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg angetan hat", sagte Nemeth, dessen Vater selbst Donauschwabe ist, bei der Feier.

Rund 100 Leute waren der Einladung der Landsmannschaft zur Gedenkfeier gefolgt. Hauptredner des Festakts war der ehemalige Erzbischof und gebürtige Donauschwabe Dr. Robert Zollitsch. "Im Alter von vier Jahren wurde ich am Ostersonntag 1945 gemeinsam mit meiner Großmutter und meinen drei gleichaltrigen Cousinen ins Arbeitslager Gakowa in der Batschka verschleppt. Der Ostersonntag ist für mich daher bis heute nicht nur der Tag der Auferstehung, sondern vor allem ein Tag des Erinnerns und des Bewahrens der Vergangenheit. Die Wunden von damals heilen nie", sagte der ehemalige Freiburger Erzbischof. Der 79-Jährige, dessen Bruder in jener Zeit von einem der mobilen Mordkommandos der Tito-Partisanen umgebracht wurde, erinnerte daran, dass damals alle deutschsprachigen Bürger Jugoslawiens in den Arbeits- und Vernichtungslagern im heutigen Kroatien, Serbien und Slowenien interniert waren. "Es wird von manchen Seiten aus immer wieder versucht zu leugnen, dass es diese Vernichtungslager gegeben hat. Aber diese Lager hat es gegeben. Und das einzige Ziel dort bestand darin, Menschen zu töten", so Zollitsch.

Intensiven Nachforschungen des Historikers Karl Weber zur Folge wurden von den kommunistischen Partisanen ab Oktober 1944 bis zur Schließung der Lager im April 1948 knapp 170 000 Donauschwaben interniert. Fast 50 000 davon sind nach dieser Quelle in den Lagern ermordet worden, verhungerten oder erlagen einer Krankheit. Für all jene gab es bei dem rund zweistündigen Festakt im Sindelfinger Haus der Donauschwaben im Ehrenhof des Gebäudes ein gesondertes Gedenken, bei dem an jedes der damaligen Lager symbolisch mit einem Holzkreuz gedacht wurde. "Wir erinnern heute an das Ende von vier Jahren Martyrium, das eindeutige Züge eines Völkermordes hatte", sagte der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Donauschwaben, Hans Supritz.

Der Schließung der Lager folgten drei Jahre Zwangsarbeit

Zollitsch erinnerte in seinem Blick zurück daran, dass das Leben der Donauschwaben mit der Schließung der Lager im April 1948 nur langsam besser wurde. "Man wurde drei Jahre lang zur Zwangsarbeit eingeteilt, erst danach konnte man sich Arbeit und Ort frei aussuchen. Diese Möglichkeit nutzten viele, um nach Deutschland überzusiedeln. In das Land, in dem viele ihre familiären Wurzeln hatten", sagte Robert Zollitsch, der bereits 1946 mit seiner Familie über Ungarn nach Tauberbischofsheim fliehen konnte.

Auch für den Landtagsabgeordneten Paul Nemeth war der Festakt eine Reise in die Vergangenheit. "Man Vater war Donauschwabe und drei Jahre lang in einem dieser Lager. Das prägt einen Menschen", sagte Nemeth. "Bei unseren politischen Reisen mit den Delegationen nach Kroatien oder Serbien erinnern wir daher auch immer wieder an das einstige Schicksal der Donauschwaben und hoffen, dass auch dort die Leute die mittlerweile errichteten Gedenkstätten ehren. Denn nur so kann die Erinnerung an das Vergangene auch weiterhin bewahrt werden", so Paul Nemeth.

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