Giftköder in Magstadt? Die Polizei ermittelt

Drei Fälle von Vergiftungserscheinungen mit Hunden

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    Wenn Hunde draußen was fressen, ist Vorsicht angebracht Foto: James Barker

Hat ein "Hundehasser" über Pfingsten Giftköder in Magstadt ausgelegt oder haben die gemeldeten Vergiftungsfälle andere Ursachen? Die Polizei warnt vor vorschnellen Schlüssen - wundert sich aber zugleich über eine ungewöhnliche Häufung toter Tiere, Hunde wie Füchse.

Artikel vom 15. Juni 2019

Von Siegfried Dannecker

MAGSTADT. Die einem Polizeibericht zugrundeliegende Mitteilung in der KRZ vom 11. Juni ("Zeugen gesucht zu ausgelegten Giftködern") hat recht viele Menschen in Magstadt zum Telefonhörer greifen lassen. "Es gab einige Zeugenhinweise ans Polizeirevier Sindelfingen", sagt Polizeipressesprecher Peter Widenhorn. Darunter seien aber auch einfach sehr viele besorgte Leute gewesen, die "Verbindungen und Zusammenhänge" herstellten beispielsweise zu tot aufgefundenen Katzen in der Vergangenheit. So schössen Spekulationen und Gerüchte ins Kraut - aber über eine mögliche Täterschaft sei damit nichts ausgesagt.

"Wir können, Stand jetzt, nicht sagen, was da ausgebracht worden ist und ob absichtlich oder fahrlässig", so Widenhorn über die kleinen Gegenstände, "die wohl keine Fleischköder sind, sondern aussehen wie gepresstes Kraut". Derzeit würden die mutmaßlichen Giftköder - "Teile von Fleischbällchen mit grünen Anhaftungen" - vom Chemisch-veterinärischen Untersuchungsamt in Fellbach untersucht. Mit Ergebnissen könne man erst bis in einigen Tagen rechnen.

Die nur 13 Monate alte Hündin einer 58-Jährigen, die nach Vergiftungsrescheinungen vom Tierarzt nicht mehr hatte gerettet werden können, soll vom Veterinäramt obduziert werden. Widenhorn: "Zumindest streben wir das an. Dann wissen wir, ob die Todesursache wirklich eine Vergiftung ist und mit was genau."

Die 58-Jährige, die von dem Unglück traumatisiert ist, war am Samstagnachmittag vor Pfingsten im Bereich der Waldstraße und dem parallel dazu verlaufenden Feldweg Gassi gegangen. Genau diesen Bereich und die Gewanne Seele und Lohle schaut sich die Polizei gezielt an. Von drei Hunden, die übers Pfingstwochenende Vergiftungserscheinungen zeigten, sind zwei nicht zu retten gewesen. Außerdem sind drei tote Füchse aufgefunden worden. Eine ungewöhnliche Summierung, wie Peter Widenhorn sagt. Er verstehe, dass Tierfreunde in großer Sorge sind. Die Vierbeiner seien ja oft regelrechte Familienmitglieder. Dennoch warnt er vor "Panikmache ohne vernünftige Argumente". Die Spaziergänger mögen "wachsam sein und ihre Lieblinge zurzeit besser nicht frei laufen lassen". Oder ihnen im Zweifel einen Maulkorb verpassen, damit sie draußen wirklich nichts fressen können.

Ganz allgemein gesprochen bekäme die Polizei öfter Giftköder-Verdachtsfälle gemeldet, mitunter - vermeintliche - Fleischreste, die auch vom Grillen übrig geblieben sein könnten. Wirkliche Fälle von absichtlich deponierten Giftködern seien Gott sei Dank selten, heißt es im Polizeipräsidium. Das Archiv der Kreiszeitung gibt diesbezüglich auch eher wenig her. Drastisch war ein Fall im August 2006, als ein Schlittenhund im Kirchtal zwischen Aidlingen und Lehenweiler Giftköder mit dem Pflanzenschutzmittel E 605 aufgenommen hatte. Ein Streuobstwiesenbesitzer hatte damals das hoch toxische Gift in Schwarzwurst getan, um den Vögeln seine Äpfel zu verleiden. Der Fall kostete eine damals zwei Jahre und zwei Monate alte Samojede-Hündin qualvoll das Leben und ließ ein fassungsloses Ehepaar zurück. Vermutlich an einer größeren Menge Rattengift ist im Mai 2013 in Dettenhausen ein Schäferhund gestorben.

Rattengift war es auch, vor dem im April 2017 die Steinenbronner Gemeindeverwaltung warnte, nachdem ein Hund daran gestorben war. Im September 2014 waren in Gärtringen "Giftköder" gefunden worden, die sich nach einer Untersuchung als harmlos herausstellten. Größere Schlagzeilen machten zuletzt in Magstadt 2012 zwei tote Hunde im Bereich der Wiesen am Himmelreichweg. Einer der Vierbeiner war jedoch an akutem Herzversagen verstorben; im zweiten Fall stand der Tierkörper für eine Untersuchung nicht mehr zur Verfügung. Anhaltspunkte für gezielt ausgelegte Giftköder fanden sich laut Polizei damals allerdings nicht, gab sie Entwarnung.

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