In Renningen müssen sich Schauspieler sich warm anziehen

Im Naturtheater Renningen laufen die Proben für "Das kalte Herz - man zerstört, was man liebt" und "Die Schöne und das Biest"

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    Die Schöne (Maike Engst, links) und das Biest (Samuel Schradi) bei Tisch. Regie-Assistentin Céline Pulina und Regisseurin Janne Wagler (2.v.r.) arbeiten mit ihnen an der Szene Fotos: Kruse

Seit Januar wird beim Naturtheater Renningen geprobt - bei den frühlingshaften Temperaturen bereits auf der Bühne. Auf dem Spielplan stehen das Abendstück "Das kalte Herz - man zerstört, was man liebt" und das Familienstück "Die Schöne und das Biest - nur mit dem Herzen sieht man gut".

Artikel vom 10. März 2019

RENNINGEN (red). Der Tanzbodenkönig und Ezechiel sind heute mit der schönen Lisbeth bei den Proben dran. Man ist schon recht neugierig auf die beiden Figuren, die sich der Kohlenmunk-Peter zum Vorbild genommen hat. Und sie erweisen sich tatsächlich als echte Rüpel, die um die Lisbeth herumscharwenzeln.

"Du zerrst sie herum, als würdest du versuchen, ein Rind in den Stall zu ziehen", meint Ezechiel. Der Tanzbodenkönig gibt kräftig kontra, greift sich die Lisbeth und wirbelt sie herum. Aber Lisbeth ist eine starke, selbstbewusste junge Frau, die sich von beiden nichts gefallen lässt.

Regisseur Jürgen von Bülow korrigiert Position, Haltung, Betonung mit den effektvollen Pausen, das Innehalten, die Gänge. In den zunächst trockenen Rollentext bringt er Leben hinein, Emotionen, zeigt er das Beziehungsgeflecht der Darsteller auf. Alle Beteiligten wiederholen geduldig die Szene, immer wieder, bis von Bülow zufrieden ist: "So, das bleibt jetzt so!" Und Regie-Assis-tentin Angela Brock notiert die Anweisungen in ihrem Textbuch, das jetzt schon vollgekritzelt ist.

Fürs Theater am Abend inszeniert Regisseur Jürgen von Bülow "Das kalte Herz - man zerstört, was man liebt". Er hat auch das Stück geschrieben, passend für das Ensemble und frei nach Wilhelm Hauff. Von Bülow hat einige Charaktere zusätzlich herausgearbeitet, denn "kein Mensch ist nur gut oder nur böse!" Auch der Holländer-Michel bekommt eine zusätzliche Charakterebene, damit man sein Handeln nachvollziehen kann, die Rolle der Lisbeth und des Glasmännleins werden aufgewertet. Der Kohlenmunk-Peter bleibt die Hauptfigur, ein liebenswerter, gutgläubiger Mensch, der davon überzeugt ist: "Geld würde mich glücklich machen!".

Regisseurin Janne Wagler hat sich bei Theater für die Familie "Die Schöne und das Biest - nur mit dem Herzen sieht man gut" vorgenommen. Es wird ihre vierte Inszenierung auf dem Längenbühl sein. Sie hat auch die Rollentexte wieder selbst geschrieben. Bei der Entwicklung der Geschichte stand die Beziehung zwischen der Schönen und dem Biest im Vordergrund. Wagler erläutert: "Diese Beziehung musste ich glaubhaft und nachvollziehbar machen, denn es ist keine Liebe auf den ersten Blick." Auch sie hat die anderen Rollen, die Stiefschwestern oder die des von Belle abgewiesenen Gaston, vielschichtig angelegt.

Zwei eifrige Sekretärinnen des Schifffahrtsamtes klappern bei den Proben auf einer alten mechanischen Schreibmaschine und kritzeln in einer Kladde. Sie bearbeiten ihren Chef: "Monsieur le Directeur, könnten Sie das bitte unterschreiben?", "Hier der Kaffee, Achtung heiß!" Die beiden jungen Sekretärinnen schnuppern vermutlich zum ersten Mal Büroluft, von Montag bis Freitag drücken sie noch die Schulbank.

Das Naturtheater sucht für die Inszenierung von "Das kalte Herz" noch Statisten als Wirtshausbesucher und Dorfbewohner. Weitere Informationen unter statisterie@ naturtheater-renningen.de.

 

  Premiere "Die Schöne und das Biest": Sonntag 23. Juni, 15 Uhr, Premiere "Das kalte Herz": Samstag 29. Juni, 20 Uhr. Weitere Informationen unter www.natur theater-renningen.de. Karten-Reservierung online: www.naturtheater-rennin gen.de.
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