Parkierungskonzept für Magstadt stößt auf Kritik

Magstadter Gemeinderat tut sich mit einigen Details des Verkehrs- und Parkierungskonzepts für den Südteil des Orts schwer

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    Durch die Bahnhofstraße fährt der Linienbus. Einige Gemeinderäte fürchten, dass er zu sehr aufgehalten wird, wenn künftig im unteren Teil wechselseitig geparkt werden soll Fotos: Thomas Bischof

Magstadt schickt sich an, den Verkehr auch im südlichen Teil der Gemeinde zu zügeln. Doch die Anwohner der betroffenen Straßen und auch einige Gemeinderäte sind nicht mit allem zufrieden, was das Büro BS Ingenieure vorschlägt. Jetzt ist in einigen Punkten Nachsitzen angesagt.

Artikel vom 04. März 2019 - 10:00

Von Werner Held

MAGSTADT. Ein Verkehrs- und Parkierungskonzept hat der Gemeinderat bereits 2012 beschlossen. Der erste Teil davon wurde im vergangenen Jahr in die Tat umgesetzt. Seitdem gilt in den Straßen im unmittelbaren Ortskern ein Zonenhaltverbot. Das heißt: Autos dürfen nur auf markierten Plätzen abgestellt werden. Zudem ist die Parkzeit tagsüber auf zwei Stunden begrenzt. Wer das nicht einhält, riskiert ein Knöllchen. In der Maichinger Straße gilt zudem von der Mühlstraße bis zum Rathaus Tempo 30.

Jetzt soll das Verkehrs- und Parkierungskonzept auf den südlichen Teil der Ortsstraßen ausgedehnt werden. Er umfasst vor allem den Rest der Maichinger Straße und das Quartier rund um Hindenburg-, Bahnhof-, Hohberger und Gottlieb-Daimler-Straße. Ziel sei es, sagt Heike Merkle von BS Ingenieure im Gemeinderat, dem Durchgangs-, Ziel- und Quellverkehr klar zu machen, dass es besser ist, über die Ortsumfahrung zu fahren als im Ort herumzuschleichen. Auch in diesen Straßen wird ein Zonenhaltverbot eingerichtet - aber ohne Parkzeitbegrenzung. Und es soll wie in den anderen bereits regulierten Straßen Tempo 30 gelten. Die Zonenregelung hat den Vorteil, dass viele Verkehrsschilder abgebaut werden können, da nur an den Eingängen in die Zone auf die Verkehrsregeln hingewiesen werden muss.

Durch Durchfahrtsverbote und Richtungsfahrgebote auf die Südtangente gelenkt werden soll der Lkw-Verkehr. Derzeit drücken sich immer wieder Lastwagen auf der Ortsdurchfahrt herum, die ihr Ziel eigentlich auf anderem Weg ansteuern sollen. Allerdings wies FWV-Gemeinderätin Brigitte Armbruster darauf hin, dass sich die Gemeinde schwer tue mit der Durchsetzung eines innerörtlichen Lkw-Fahrverbots, solange die Osttangente als letztes Glied des Umgehungsstraßen-Halbrings nicht gebaut ist.

Soll generelle Regelung wegen Baustelle ausgesetzt werden?

Mit einer Tempo-30-Zone ist eigentlich eine Rechts-vor-links-Regelung an Kreuzungen und Einmündungen verbunden. Die Bahnhofstraße soll allerdings Vorfahrtstraße bleiben, weil durch sie der Linienbus von der S-Bahn-Station zurück in den Ort fährt. Bernd Nass (Freie Liste) schlug vor, in der Hohberger Straße durch Haltelinien auf der Fahrbahn den Autofahrern deutlich zu machen, dass sie von rechts kommenden Fahrzeugen Vorfahrt gewähren müssen. Das aber lässt die Polizei laut Martina Schmidt vom Ordnungsamt der Gemeinde nicht zu, weil das in einer Tempo-30-Zone eine Selbstverständlichkeit sei.

Dass mal auf der rechten, mal auf der linken Straßenseite Parkplätze ausgewiesen werden, soll das Tempo der Autos zusätzlich zügeln. Einige Gemeinderäte zogen in Zweifel, ob das in der westlichen Bahnhofstraße gut ist, weil ja dort der Bus durchrollen können soll, ohne allzu oft anhalten zu müssen. Da an der Ecke Maichinger/Bahnhofstraße demnächst ein größeres Bauvorhaben angepackt werden soll, schlug Sabine Schmidt (FWV) vor, beide Straßen aus den Neuregelungen auszunehmen, bis die Bauerei vorbei ist. Eigentlich, entgegnete Bürgermeister Florian Glock Sabine Schmidt, gehe es nicht, eine Haltverbotszone zu unterbrechen.

Der Gemeinderat stellte die Entscheidung über diese Frage aber bis zur nächsten Sitzung zurück. Dagegen soll die westliche Bahnhofstraße künftig unechte Einbahnstraße werden. Das heißt: Alle Autofahrer, auch die Anlieger, die jetzt noch von der Maichinger Straße her rein dürfen, dürfen dann nur noch von der Hohberger Straße her einfahren. Wer allerdings im Gebiet drin ist und beispielsweise aus einem Grundstück herausfährt, kann das in beide Richtungen tun. Diese Anordnung, so die Hoffnung, ist leichter und konsequenter zu überwachen, als die "Anlieger Frei"-Regelung jetzt.

In die Gottlieb-Daimler-Straße kommt unmittelbar westlich der Zeppelinstraße ein Fußgängerüberweg. Das ist ein Resultat der Verkehrsschau. Kurz vor diesem Überweg, dort, wo der mit Autos zugeparkte Gehweg endet, beginnt künftig die Tempo-30-Zone. Den Vorschlag von Hans-Ulrich Protzer (CDU), auf der gesamten Länge der Gottlieb-Daimler-Straße Tempo 30 anzuordnen, hält Heike Merkle für illusorisch, da die Straße ab der Zeppelinstraße ausschließlich durch Gewerbegebiet führe und dort üblicherweise 50 gefahren werden dürfe.

Wenn der Gemeinderat das vollends entschieden hat, was er jetzt zurückgestellt hat, kann die Gemeinde die neue Beschilderung ausschreiben. Heike Merkle rechnet mit einer Lieferzeit von acht bis zehn Wochen nach Auftragsvergabe. Bürgermeister Glock geht davon aus, dass die Beschilderung noch in diesem Jahr aufgestellt werden kann. "Eins ist klar: Bürgermeister und Gemeinderäte werden Prügel beziehen, egal wie wir da entscheiden", unkte Hans-Ulrich Protzer. Erfahrungen haben die Volksvertreter damit bereits nach der Umsetzung des ersten Schritts des Verkehrs- und Parkierungskonzepts im vergangenen Jahr gemacht.

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