Musik und Comedy mit Flimmerkiste

Chorvereinigung Weil der Stadt zappt in der Stadthalle durch das Fernsehprogramm

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    Putzfrau Emely (Heike Wolf) und Douglas (Martin Grausam) werben für den Wunderwischmopp Foto: red

Artikel vom 13. November 2018 - 18:12

WEIL DER STADT (red). Die Chorvereinigung Weil der Stadt präsentierte in der Stadthalle nicht nur Lieder, sondern auch eine gespielte Rahmenhandlung. Mit "TV-Nonstop!" ging es ins Wohnzimmer von Jutta (Ursula Miksch und Ulrike Hartmann) und Gregor (Elmar Freitag). Mit großer Leidenschaft sitzt Jutta vor dem Fernseher. Gregor, ihr heimwerkelnder Ehemann, hat allerdings andere Ideen und Pläne hinsichtlich eines gelingenden Ehelebens. Er ist damit beschäftigt, das neue Ehebett aufzubauen. Während der Gatte hämmert, zappt sich Jutta lieber durch das TV-Programm, das auf der Bühne gespielt, hinzukommt. Sie schaut sich alles an, was das TV-Programm zu bieten hat: Soaps, Krimis, Musikshows, Actionfilme, Kuppelshows, Werbespots.

Die Bühnendarsteller sind allesamt Sängerinnen und Sänger der Chorvereinigung, die ganz neue Facetten von sich zeigen. Was nicht verwundert, denn mit der Sängerin Sigrid Vaas, die Inszenierung und Regie übernommen hatte, hat die Chorvereinigung eine versierte Theaterpädagogin und Amateurschauspielerin in ihren Reihen.

Schon der Auftakt ins Bühnengeschehen mit der Eurovisionshymne stimmt auf die Fernsehzeit ein, als noch eine charmante Fernsehansagerin (Heike Wolf) den Zuschauern erklärte, was sie erwartet. Mit zwei schönen Ohrwürmern "Movie Star" von Harpo und "Ohne dich" von der Münchner Freiheit springt der Funke zum Publikum über.

Auch musikalisch ist unter der bewährten Leitung von Chorleiter Kai Müller eine enorme Bandbreite zu hören. Eine ziemliche Herausforderung ist der aktuelle Charts-Hit "Uptown Funk" von Bruno Mars - Chorvereinigung goes Funk - was vom Publikum begeistert aufgenommen wird. Dann schaltet Jutta auf Teleshopping um, was der Vorsitzenden Heike Wolf die Gelegenheit gibt, ihr komisches Talent zu zeigen. Als Putzfrau Emely in einer amerikanischen Dauerwerbesendung erntet sie mit ihrem nicht weniger hinreißenden Mitspieler Martin Grausam alias Douglas reichlich Zwischenapplaus für die werbewirksame Präsentation des Doubleflash, eines Wunderwischmopps.

Weiter geht es im (TV-)Programm mit Crime zur Primetime: Der Titelsong "Skyfall" aus dem James-Bond-Film stimmgewaltig vorgetragen, gefolgt vom unverwüstlichen Evergreen "Kriminal-Tango" von Hazy Osterwald.

Chorleiter Kai Müller spielt mit

Auch Chorleiter Kai Müller ist Darsteller und liefert sich mit dem Actionheld Gary MacDry (Werner Beck), dessen etwas dämlicher Puppe (Sarah Majeric) und seinem Boss (Martin Baur) einen Schlagabtausch beim Stadt-Land-Fluss-Spiel.

Selbstverständlich hat in Juttas TV-Programm König Fußball einen Stammplatz - die schwungvolle "Fußball-Samba" von Lorenz Maierhofer ist die perfekte Einstimmung auf den "sozialen Fußball", ein Spiel der Sozialarbeiterinnen Renningens gegen die Weil der Stadts. Susanne Ehm, Svenja Dziuballe, Kim Schauwecker und Carmen Schippert treiben den Schiedsrichter (Thilo Beck) wortreich in den Wahnsinn.

Für einen Bruch im Bühnengeschehen sorgt die von Markus Frey, Martin Grausam und Carlo Weller vorgetragene "Ballade vom ertrunkenen Mädchen" von Kurt Weill und Bertolt Brecht, die die Herren hinter dem Seziertisch einer ziemlich skurrilen Pathologin (Ursula Schmitt) zu Gehör bringen. In "Ein Fall für Dr. Megadeath" muss die arme Mrs. Widownow (Heike Carbon) ihren verblichenen Gatten identifizieren - hochnotpeinlich befragt von Inspector Findout (Silke Dingler), einer Mischung aus Mrs. Marple und Sherlock Holmes. Am Ende wird der Fall in Wer-wird-Millionär-Manier mittels Telefonjoker gelöst.

Auch die Kultur kommt nicht zu kurz bei Jutta: Die heitere Opernpersiflage "Insalata Italiana" von Richard Genée wird vom Chor mit großem Spaß und Einsatz dargeboten - aufs Trefflichste unterstützt von den "Spontansolisten" Markus Frey, Stephanie Kirchner und Josef Baur.

Beschwingt geht es nach der Pause weiter: Mit "Nette Begegnung" treffen sich Sänger und Sängerinnen im Zuschauerraum und vereinigen sich auf der Bühne zum gesungenen Zwiegespräch. Im Sketch "Wahnsinnswerbung" (Svenja Dziuballe, Markus Frey, Stephanie Kirchner, Sahra Majeric, Kim Schauwecker) kann sich der Protagonist (Martin Baur) nur mit einem Sprung aus dem Fenster vor den allgegenwärtigen Werbesprüchen retten. Mit "You'll never walk alone" wird zur nächsten TV-Szene übergeleitet, der "Ich-suche-dich-Show" mit der bedauernswerten Lisa (Carmen Schippert), die von ihren Eltern (Maria Hildenbrand und Martin Grausam als absonderliches Paar) gleich nach der Geburt weggegeben worden war und die sich stattdessen einen Wellensittich angeschafft hatten. Moderiert von der zynischen Moderatorin (Heike Wolf) entwickelt sich ein wahrhaft irrwitziges Gespräch.

Die Bühne ist in blaues Licht getaucht bei der äußerst gefühlvollen Interpretation des Chorstücks "The Blue Bird" von Charles Villiers Stanford, mit den reinen und klaren Sopranstimmen der Solistinnen Silvia Himmelseher und Ursula Miksch. Vor dem inneren Auge entsteht ein impressionistisches Bild eines Sees, in dem sich der blaue Himmel und die darüber hinweg ziehenden Vögel spiegeln. Dies passt zur Anfangsstimmung des Sketches "Wie es euch gefällt" frei nach William Shakespeare. Allerdings kommt es im Verlauf zum unerwarteten Zusammentreffen aller im Wohnzimmer von Jutta und Gregor, die die Möglichkeiten des interaktiven Fernsehens entdecken und die Akteure Amöne (Stephanie Kirchner) und Claudius (Markus Frey) durch beinahe alle TV-Genres jagen: Western, Tragödie, Oper, Daily Soap sorgten für Riesenlacher.

"Warum singe ich eigentlich im Chor?" - die gegen Ende gestellte musikalische Frage hatte sich der Chor an diesem Abend schon lange selbst beantwortet. Mit "Auf uns" von Andreas Bourani feiert sich der Chor dann ein bisschen selbst, um schließlich mit "Happy" von Pharell Williams ein alle begeisterndes Finale abzuliefern.

Nur bei Jutta und Gregor ist das Ende nicht ganz so happy, Bett und Fernseher hatten den Abend nicht unbeschädigt überstanden. Alle anderen jedoch waren von dem witzigen Programm und der flotten Inszenierung hingerissen. Und wie man hört, hatten die 50 Sängerinnen und Sänger schon bei den Proben jede Menge Spaß. Zum Sendeschluss war das sehr geneigte Publikum ebenso vergnügt wie die Akteure und spendete reichlich Beifall.

Abwechslungsreich geht es bei der Chorvereinigung Weil der Stadt weiter - nämlich mit Beethovens 9. Symphonie. Projektstart ist am Dienstag, 15. Januar, um 20 Uhr im Alten Kloster in Weil der Stadt. Die nächste Gelegenheit zum Wiederhören besteht am 2. Advent um 15 Uhr bei "Sang & Klang im Klösterle" in Weil der Stadt. Weitere Informationen auf http://www.komm-singen.de. Tagesaktuelle Informationen immer unter www.kai-muel ler-choere.de
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