Renninger Pfarrer Pitzal: Reise in den Irak

Franz Pitzal ist Weltreisender in Sachen Menschlichkeit. Diesmal zog es den Renninger Pfarrer ins Bürgerkriegsland Irak. Dort besuchte er Flüchtlingslager und kirchliche Würdenträger. Die Menschen berichteten oft über die Schrecken, die die IS-Kämpfer in Gefangenschaft und auf der Flucht verbreiten.

Artikel vom 15. Juni 2017 - 07:43

RENNINGEN (red). "Millionen Menschen in der Ninive-Ebene und in den übervollen Lagern wissen nicht, wie es weitergeht", schilderte der aus dem Nordosten des Irak wieder heil zurückgekehrte Pitzal am Mittwoch im Bonifatiushaus. In Sulaymaniya, einer Stadt mit einer Million Einwohner, die durch die Flüchtlinge auf zwei Millionen angewachsen ist, kam Pitzal im Kloster der chaldäischen Mönche mit Pater Jens und Pater Jacques sowie der deutschen Schwester Frederike zusammen. In diesen Tagen wurde für die muslimischen und christlichen Einwohner sowie für die Flüchtlinge nach wochenlanger Arbeit ein Theaterstück mit einem Berliner Regisseur eingeübt. Ziel war es, sowohl im Klosterhof wie auch in den Lagern den Menschen Freude zu bereiten und auch etwas Mut zu machen.

Außerhalb der Stadt sind die Flüchtlingslager. "Die Lagerstraßen scheinen kein Ende zu haben, endlose Trostlosigkeit. Die Lager sind umgeben mit Stacheldraht, fast niemand darf das Lager verlassen. Essen und Wasser wird ins Lager gebracht", berichtet Pitzal. Die Menschen leben in "Caravans", wie sie die Container-Häuser nennen, die gut eingerichtet sind und wo etwa acht bis zehn Personen einen Raum bewohnen. Die Regierung hat bereits gemauerte Toiletten errichtet, um die die Lagerbewohner ein eigenes Haus bauen können.

Der Renninger Pfarrer deutet dies, dass eine Rückkehr in die nicht allzu weit entfernte Heimat demnächst wohl nicht möglich sein wird. Im Lager gibt es bereits eine Schule, eine medizinische Einrichtung, einen Sportplatz und auch eine Kirche. Es gibt mehrere Lager dieser Art. Nur mit kundiger Führung sind sie mit einem Auto zu erreichen.

In Kirkuk begegnete Pfarrer Pitzal Bischof Yousif Thomas Mirkis. Er hat ein umfangreiches Programm für die Flüchtlinge und Bewohner des Landes zusammengestellt. So entsteht in diesen Tagen ein großes Zentrum, in dem hunderte von Menschen zusammenkommen können. Rund um die Kathedrale hat er Einrichtungen für zahnmedizinische Behandlungen und medizinische Grundversorgung eingerichtet. Seinen besonderen Schwerpunkt legt er auf derzeit zehn Häuser, die er in der Millionenstadt Kirkuk angemietet hat. In jedem Haus wohnen etwa 25 junge Studenten, die die verschiedensten Fächer wie Jura, Medizin, Pharmazie, Literatur, Landwirtschaft oder Naturwissenschaft studieren. Bei der Begegnung munterte Pitzal sie auf: "Ihr seid die Hoffnungsträger für dieses Land. Bleibt im Land, beendet euer Studium und baut eine neue Welt in eurem Land auf." Das sei besser als im fernen Europa zu leben. Für jeden der 120 Studenten benötige der Bischof täglich etwa sieben Euro, "die er zusammenbetteln muss in Europa".

Im nahe gelegenen Erbil, es ist die Hauptstadt Kurdistans, besuchte Pfarrer Pitzal Bischof Bashra Warda. Die Stadt ist ebenfalls umgeben von vielen Flüchtlingslagern. Obwohl es in der Diözese nur wenig Priester gibt, hat der Bischof zwei Geistliche für die Betreuung der Lager abgestellt. Im Lager Ankawa in der Nähe des Priesterseminares leben nur die Christen, die Karakosch fluchtartig verlassen mussten. Die IS zündete dort 2000 Häuser an, 7000 weitere wurden zerstört, 3000 seien noch halbwegs in Ordnung. Die Stadt wurde vom IS geräumt und viele Menschen hoffen, dass sie die etwa 70 Kilometer von ihrem Lager entfernte Heimat wieder aufsuchen können. Für das Lager gibt es keine Hilfe aus Deutschland, wie man Pfarrer Pitzal versicherte. In die Heimatstadt der Flüchtlinge zu fahren, war dann aber doch noch zu gefährlich für Pfarrer Pitzal, denn im nahegelegenen Mossul wird immer noch gekämpft und man hofft, dass die Stadt bald befreit werden kann. Mit Familien im Flüchtlingslager kam es zu einem herzlichen Kontakt.

Besonders schwer betroffen sind laut Pitzal die Jesiden, "eine kleine Religionsgemeinschaft, die von Schiiten und Sunniten gemieden wird". Nach wie vor hätten die Menschen "vor allem in Syrien, unter den Bombenangriffen der Russen und der Amerikaner zu leiden", weiß Pitzal und mahnt: "Wenn die Waffen ausgingen und nicht mehr von Europa, auch von Deutschland, geliefert würden, wäre wohl ein Frieden schneller in Aussicht gestellt - wenngleich sich im Moment niemand vorstellen kann, wie dieser Krieg mit den Millionen von Flüchtlingen beendet werden kann und menschenwürdige Verhältnisse wieder hergestellt werden."

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