Silvesternacht am Leo-Center endet blutig

Gericht verhandelt vierfachen versuchten Totschlag

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Artikel vom 29. August 2019 - 11:00

LEONBERG/STUTTGART (wic). Wegen vierfachen versuchten Totschlags muss sich seit gestern ein 28-jähriger Einzelhandelskaufmann aus Leonberg vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts verantworten. Der Mann soll in der vergangenen Silvesternacht am Leo-Center in Leonberg Streit mit vier Nachtschwärmer bekommen und dabei mit seinem Klappmesser um sich gestochen haben - mit erheblichen Folgen.

Es soll kurz nach Mitternacht gewesen sein. Die Silvesterraketen waren bereits verglüht, als es nach den Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen 0.45 Uhr zwischen dem 28-Jährigen und einem anderen Mann am Leo-Center zu einem verbalen Streit kam. Dabei eskalierte die Situation, wobei der Angeklagte sein Klappmesser mit einer zehn Zentimeter langen Klinge aufgeklappt und damit in Richtung Hals des Opfers eingestochen habe. Nur durch eine blitzschnelle und geschickte Drehung habe das Opfer diesem Stich ausweichen können.

Helfer werden verletzt

Ein Freund des Angegriffenen sei zu Hilfe geeilt und habe versuchen wollen, die beiden Streithähne auseinanderzubringen Aber auch auf diesen Streitschlichter soll der Beschuldigte mit seinem geöffneten Messer losgegangen sein und in Richtung der Hüfte und schließlich sogar den Kopf des Mannes eingestochen haben. Auch dieses Opfer habe ihn rechtzeitig wegschubsen können, sodass es unverletzt blieb. Weniger Glück hingegen sollen zwei weitere Helfer gehabt haben, die den Angeklagten ebenfalls davon abhalten wollten, das Messer weiter einzusetzen. Den ersten habe der Angeklagte mit dem Messer am Unterarm getroffen und dabei erheblich verletzt. Ein weiterer Messerstich soll das nächste Opfer durch einen "gezielten Einsatz", heißt es in der Anklageschrift, am Bauch getroffen haben, wobei das Jackett schlimmere gesundheitliche Folgen verhindert habe.

Muskel durchtrennt

Die Ärzte des Leonberger Klinikums stellten bis zu zwei Zentimeter tiefe Stiche am Arm eines der Betroffenen fest sowie einen Schnitt, der sogar den Muskel durchtrennt hatte, bei einem zweiten. Viermal habe der 28-jährige Angeklagte laut Staatsanwalt durch den Messereinsatz den Tatbestand des versuchten Totschlags erfüllt.

Ob bei der folgenschweren Auseinandersetzung Alkohol- oder Drogenkonsum im Spiel war wurde am ersten Prozesstag vor dem Stuttgarter Landgericht noch nicht erörtert. Aus Zeitgründen wurde nur die Anklageschrift verlesen sowie aus dem Munde des Angeklagten dessen bisherigen Lebenslauf.

Der 28-jährige Angeklagte hat demnach libanesische Wurzeln. Nach dem Schulabschluss in Leonberg folgten mehreren Jobs hatte. Die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann habe ihm keinen Spaß gemacht. Deshalb war er bis zu seiner Festnahme Ende Februar als Getriebemechaniker bei einem Stuttgarter Automobilhersteller tätig. Eigentlich habe er sich bei der Bahn zum Lokführer ausbilden lassen wollen. Doch da sei zuvor der Haftbefehl dazwischen gekommen. Zu dem Vorwurf selbst will sich der 28-Jährige am nächsten Verhandlungstag äußern.