Höfinger Bastler: Das Bernsteinzimmer ist sein Meisterwerk

Serie "Ausgefallene Hobbys" (4): Der Höfinger Uwe Habermann stellte die Nachbildung im Naturkundemuseum in Stuttgart aus

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    Der Leonberger Uwe Habermann hat zehn Jahre, viereinhalb Kilo Natur-Bernstein und viel Fingerspitzengefühl in den Nachbau des legendären Bernsteinzimmers im Maßstab von 1:12 investiert Fotos: Stefanie Schlecht
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    Der Turm der Astronomen ist auch von Uwe Habermann (von oben): Galileo Galilei, Johann Kepler, Tycho Brahe, und Nikolaus Kopernikus
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    Für das Deckengemälde im Miniatur-Bernsteinzimmer hat sich der Autodidakt Habermann selbst das Malen beigebracht

Wenn Uwe Habermann eine besonders ruhige Hand hat, macht sich der Höfinger an die Auswechslung der Glühfäden. Schließlich müssen alle defekten Lämpchen wieder leuchten in seinem Miniatur-Bernsteinzimmer - nach ihrem fast neunmonatigen Einsatz in Stuttgart im Naturkundemuseum am Löwentor.

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Serie "Ausgefallene Hobbys" - Teil 4
Uwe Habermann baut Puppenstuben bis ins kleinste Detail. Sein Meisterstück ein detailgetreuer Nachbau des Bernsteinzimmers im Maßstab 1:12.
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Artikel vom 19. August 2019

Von Matthias Weigert

LEONBERG. In dem staatlichen Museum konnten die Besucher das ganz besondere Puppenhaus bestaunen und die handwerkliche Meisterleistung aus einer Hand. Zusammen mit der großen Ausstellung "Leben im Bernsteinwald" war das "Höfinger" Bernsteinzimmer ein Publikumsmagnet.

Nach einem Besuch in St. Petersburg im Jahr 1993 war es um Uwe Habermann geschehen, als er nur ein leeres Zimmer im ehemaligen Zarenschloss gewahrte, das den Touristen als Bernsteinzimmer vorgeführt wurde. Wie sah es aus? Welche Materialien wurden verwandt? Welche Techniken beherrschten die Kunsthandwerker damals? Schnell vergrub sich der Höfinger in alle Werke und Quellen, die sich dem verschollenen Bernsteinzimmer widmeten. Immerhin war es über 200 Jahre die gute Stube der Zarenfamilie, bevor es wohl ein Raub der Flammen wurde. "Das auf Holzpaneelen aufgezogene Bernstein wurde von deutschen Truppen geraubt und wohl im Königsberger Schloss ausgestellt", glaubt Habermann.

Er wollte alles nachbauen, konnte aber nur scheibchenweise zu immer neuen Erkenntnissen gelangen, erinnert sich der gelernte Zimmermann. Aber das sei auch gut gewesen so. Wenn Habermann gewusst hätte, dass er am Ende Stuckarbeiten auch noch vergolden muss und auch das Ölgemälde an der Decke ein Habermann wird, hätte er den Anfang erst gar nicht gewagt.

Doch Durchhaltevermögen und die liebe zum Detail bringt der Bernsteinmeister allemal mit. Erfahrung mit Miniaturen hatte Habermann bereits beim Puppenhaus-Bau gesammelt. Er fertigt schon seit Jahrzehnten im Maßstab 1:12 Puppenhäuser, die dann auch bei Ausstellungen Jung wie Alt erfreuen.

Das Schmuckstück aus Bernstein, Blattgold und Mooreiche ist in detailversessener Kleinstarbeit mit Stirnlupe und Pinzette, Schleifpapier und Zahnarztbohrer zwischen den Jahren 1993 und 2003 aus den Händen von Uwe Habermann entstanden: "Rund viereinhalb Kilo fossiles Harz habe ich verbaut", erinnert sich Habermann. Und auch daran, dass er damals glücklicherweise einen Bernsteinhändler in Stuttgart-Vaihingen fand, der ihm das wertvolle Baumaterial zum Einkaufspreis in sechs Millimeter dünne Scheiben gesägt hat, damit Habermann diese Scheiben zersplittern und wie eine Intarsienarbeit wieder zusammenfügen konnte. Als Gegenleistung durfte der Händler nach Fertigstellung das Bernsteinzimmer auf Ausstellungen mitnehmen, falls es denn fertig würde.

Und es wurde sogar einen Monat früher fertig als der große Bruder, die 1:1 Nachbildung in St. Petersburg, an der 50 Kunsthandwerker der unterschiedlichsten Disziplinen für den russischen Staat den verschollen Kunstschatz nach alten Fotografien aufwendigst rekonstruierten.

Seither war das 75 Zentimeter lange, 35 Zentimeter breite und 45 Zentimeter tiefe Unikat viel auf Reisen und unter anderem zu bewundern im Puppenstuben-Museum in Basel, auf der weltgrößten Bernsteinmesse in Danzig oder auf der Miniaturenmesse in Birmingham. Deshalb freut es den gelernten Zimmermann besonders, dass endlich auch im Schwabenland der Nachbau viele Sympathien gefunden hat. Schließlich hat sich der Wahlschwabe aus dem hohen Norden längst eingelebt und viele Freundschaften geknüpft.

Davon kündet auch der "Turm der Astronomen", der seinen Ehrenplatz im Wohnzimmer des meisterlichen Kunsthandwerkers hat. Die "Rakete" mit den vier berühmten Astronomen hat der 54-Jährige für seine Freunde in der Höfinger Sternwarte erschaffen, um eine Ausstellung zu bereichern. Natürlich hat er sich auch in die Lebensläufe der Protagonisten vergraben. Schließlich haben laut Habermann alle Miniaturen eines gemeinsam: "Sie sind für den Betrachter das Fenster in andere Welten."

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