Bald städtische Klinik mit Stuttgarter Partner?

Leonberg

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    Das Leonberger Krankenhaus könnte laut Oberbürgermeister Schuler auch als städtische Klinik weitergeführt werden - mit einem strategischen Partner wie das Robert-Bosch-Krankenhaus Foto: red

Besser ein städtisches Krankenhaus mit neuem Partner als eine Kreisklinik, die ihren Namen nicht mehr verdient. Mit diesem Vorstoß stößt der Leonberger Oberbürgermeister Bernhard Schuler eine neue Tür in der Klinikdiskussion auf. Ein möglicher Partner: das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus.

Artikel vom 16. April 2014 - 18:27

LEONBERG/BÖBLINGEN (red/wei). Der dem Kreistag vorgelegte Bericht zum Medizinkonzept ist aus Sicht des Leonberger Oberbürgermeisters Bernhard Schuler völlig unzureichend. Allein könne die Stadt das Kreiskrankenhaus nicht übernehmen. Sie brauche einen kompetenten Partner. Die Geschäftsführung des Robert-Bosch-Krankenhauses sei gesprächsbereit.

"Es ist an der Zeit, Alternativen auszuloten, um eine zukunftssichere Fortentwicklung des Krankenhauses Leonberg mit einem kompetenten Partner voranzutreiben", so Schuler. Das vorgelegte Papier würde keine wesentlichen neuen Erkenntnisse im Vergleich zum Teamplan-Gutachten mit sich bringen. Deshalb will der Oberbürgermeister den Landrat beim Wort nehmen. Dieser hatte erklärt, dass die Stadt, sofern sie wolle, das Krankenhaus übernehmen könne. Darin sieht Schuler die beste Zukunftsoption für Leonbergs Krankenhaus und zugleich eine Chance für den Kreis, dauerhaft Defizite zu vermeiden.

"Die Menschen orientieren sich nicht an Kreisgrenzen, sondern an ihren Lebensräumen", so Leonbergs Oberbürgermeister. Verantwortliche Politik müsse der Lebenswirklichkeit der Menschen gerecht werden. Mit einem Spitzenpartner wie dem Robert-Bosch-Krankenhaus könnte eine Aufbruchstimmung am Leonberger Krankenhaus erzeugt werden. Davon ist Leonbergs Oberbürgermeister überzeugt. Diese Zukunftschance für die Menschen dieser Raumschaft schaffe zugleich mittel- bis langfristig den Kreisfinanzen Erleichterung. "Die ernsthafte Gesprächsbereitschaft der Geschäftsführung des Robert-Bosch-Krankenhauses zeigt, dass es für das Kreiskrankenhaus Leonberg durchaus noch Optionen auch außerhalb der bislang vorgeschlagenen Konzeptionen gibt."

Landrat Roland Bernhard, der Aufsichtsratsvorsitzende der Klinikverbund Südwest GmbH, zeigte sich in einer ersten Reaktion überrascht.

"Die Überlegungen sind weder dem Aufsichtsrat noch der Geschäftsführung zur Kenntnis gegeben worden. Insoweit ist die gewählte Vorgehensweise merkwürdig. Ich bin daher gespannt, welchen Vorschlag die Stadt Leonberg zur Übernahme und Weiterführung des Leonberger Krankenhauses ausgearbeitet hat", erklärt der Landrat. Er erwartet, dass der Oberbürgermeister auf ihn zukommt und dies erläutert.

Die Träger des Klinikverbundes Südwest tragen die Verantwortung für die sechs Häuser im Landkreis Böblingen und Calw. "Wir befinden uns derzeit in einem Prozess, um Rahmenbedingungen aufzustellen, wie wir alle Häuser des Klinikverbundes Südwest in unserem Zuständigkeitsbereich zukunftsorientiert aufstellen und langfristig stärken können", erklärt der Landrat. "Wir sind für jede wirtschaftliche Hilfestellung und Mitverantwortung dankbar, die wir angesichts der sehr angespannten finanziellen Situation im Klinikverbund von Dritter Seite erhalten." Das Signal aus Leonberg, aktiv finanzielle Mitverantwortung übernehmen zu wollen, sei daher grundsätzlich positiv zu bewerten.

Überraschter Landratsieht viele Interessenten

Der Gesundheitsmarkt ist laut Roland Bernhard im Landkreis Böblingen ein attraktives Feld. Daher sei es nicht verwunderlich, wenn Private die Fühler ausstrecken. Das Robert-Bosch-Krankenhaus sei dabei nicht der einzige Interessent, denn weitere Anfragen liegen vor. Derzeit drängen viele Private auf den Markt.

Allerdings sei bislang einhellige Meinung im Kreistag gewesen, die Häuser in kommunaler Trägerschaft zu lassen. Wie eine repräsentative Bevölkerungsumfrage ergeben hat, ist dies auch der Wunsch von dreiviertel der Menschen im Landkreis. Der Kreistag des Landkreises Böblingen beabsichtigt am 5. Mai, einen politischen Stufenbeschluss für ein Medizinkonzept für die Krankenhäuser im Kreis zu fassen.

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