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Immer wieder nachts: Ein Unbekannter kackt vor Böblinger Merhfamilienhaus

Seit vier Monaten erleichtert sich ein Unbekannter in der Böblinger Galgenbergstraße einmal die Woche. "Ekelhaft", sagen die Anwohner. Was tun, wenn man den Täter nicht in flagranti erwischt?

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    16 Häufen waren des Übels noch nicht genug. Zwei Mal hat ein Unbekannter auch noch diesen in der Galgenbergstraße geparkten Firmenwagen mit Kot beschmiert - sogar den Türgriff Foto: privat

Artikel vom 27. Oktober 2020 - 17:03

BÖBLINGEN. Im polizeilichen Alltag kommen mitunter die kuriosesten Fälle vor. "Aber so was, in dieser Penetranz - das hab' ich jetzt auch noch nie gehört", sagt Polizei-Pressesprecher Peter Widenhorn. Das sei ja schon echt eine Sauerei.

"So was" - das ist es, was Anwohner in der Galgenbergstraße 52 plagt. In bester Böblinger Wohnlage. Und schon seit vier Monaten. Exakt einmal die Woche. Ein Unbekannter hinterlässt in dieser Regelmäßigkeit ein Häuflein Exkremente im Bereich des Grundstücks vor einem Mehrfamilienhaus. Dort, wo ein Lattenzaun ist, mehrere Autostellplätze, Mülltonnen stehen.

Klopapier beweist: Der Kot ist nicht tierischen Ursprungs

Das Klopapier schließe aus, dass es sich um ein Tier handle, sagt eine 69-Jährige, die unter diesen Attacken leidet - und spricht von "Jenseitshäufen", die alle ekelten. Und die ja jemand wegmachen muss. "Das macht meine Nachbarin. Ich könnt' das gar nicht", so die 69-Jährige, die inständig auf ein Ende dieser - buchstäblich - anrüchigen Serie hofft. Deren Höhepunkt: Ein recht neues, weißes Auto am Straßenrand hat der Täter (sofern er männlichen Geschlechts ist) zweifach mit Kot beschmiert: Fahrertür inklusive Türgriff (!), Motorhaube, Windschutzscheibe. Die Spuren hat die Waschanlage beseitigt. Aber schon das Einsteigen ins Auto sei seinem Besitzer schwer gefallen, sagt die Frau aus der Galgenbergstraße, die bei der Polizei Anzeige erstattet hat.

Doch was soll die tun, außer öfter mal eine Streife über den nächtlichen Galgenberg fahren zu lassen? Man müsste den Unhold ja in flagranti erwischen, gewissermaßen in der Hocke. "Da es immer an der gleichen geschützten Stelle war, habe ich eine Wildkamera gekauft und in mein Auto montiert. Das darf ich ja auf privatem Grund", so die Böblingerin: "Nur die Kamera - es ist eine billige - zieht die Batterien so schnell leer. Und da haben wir den Kacker nicht erwischt", schreibt sie in einer Mail. Man habe unter den Hausbewohnern "sogar überlegt, ob wir nicht im Wechsel im jeweils eigenen Pkw übernachten hätten sollen, um den Kerl endlich zu erwischen". Aber den Gedanken habe man bisher verworfen. Und im gegenüberliegenden Galgenberg-Wäldchen dürfe man, da ja öffentlicher Grund, keine Wildkamera aufstellen.

Was die Hausgemeinschaft aber laut Polizei-Pressesprecher Peter Widenhorn dürfte, wäre, eine permanente Videokamera zu installieren. Versehen mit einem Schild "dieser Bereich wird videoüberwacht". Eventuell, so Widenhorn, reiche auch "ein Placebo, eine Attrappe", deren Leuchtdiode ein Signal abgibt.

Eine Ordnungswidrigkeit ist es, womöglich sogar Körperverletzung

Rein rechtlich gesehen sind die bisher 16 Häufen des Unbekannten, den man auf dem Galgenberg eher als einen "Durchgeknallten" tituliert, nur eine Ordnungswidrigkeit und keine Sachbeschädigung. Angesichts des Ekels, der die gepeinigten Anwohner überkommt, würde Peter Widenhorn aber auch "den Vorwurf einer Körperverletzung nicht ausschließen".

Der Straftatbestand der Verletzung der persönlichen Integrität könnte durchaus erfüllt sein, sagt er. Fälle beschmutzter Autos - aber eher mit Farbe oder Teer - kenne er nur aus einem Motiv: Streit, Rache, eine Fehde. Doch dass es jemanden in ihrer Nachbarschaft gebe, der sich für etwas rächt, schließen die Bewohner des Mehrfamilienhauses "definitiv" aus. Seit immerhin eineinhalb Wochen, erzählen sie, seien sie verschont geblieben. Nun fürchten sie, dass die unappetitliche Serie weitergeht. Trösten wird es sie vermutlich nicht. Aber es gibt ein schwäbisch-derbes Sprichwort, das in diesem Fall vielleicht wie die Faust aufs Auge passt: "Den soll dr Blitz beim Sch. . . treffen."