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Herrenberger streiken am Freitag fürs Klima

Die "Fridays for Future"-Ortsgruppe in Herrenberg ist beim globalen Klimastreik am Freitag, 25. September, mit von der Partie. Was die Jugendlichen auf lokaler Ebene für die Umwelt erreichen wollen, haben sie der Kreiszeitung erzählt.

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    Wenzel Ormos, Jannis Ahlert und Moritz Schuker (v.l.) organisieren gemeinsam den Klimastreik in Herrenberg an diesem Freitag auf dem Marktplatz Foto: Eibner/ Roger Bürke

Artikel vom 22. September 2020 - 16:52

HERRENBERG. Wälder brennen, Stürme verwüsten ganze Landschaften, Bäume trocknen ab. Der Klimawandel hat zwar globale Folgen, doch Antworten darauf lassen sich nicht nur auf Bundes- oder EU-Ebene finden. Auch die Kommunen spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen ansteigende Temperaturen. Genau dort wollen Wenzel Ormos, Moritz Schuker und Jannis Ahlert, die den aktiven Kern der Herrenberger "Fridays for Future"-Ortsgruppe bilden, ansetzen. Zusammen organisieren sie den Klimastreik an diesem Freitag, 25. September, auf dem Herrenberger Marktplatz. Wichtig ist den Dreien vor allem, dass die Stadt Herrenberg eine aktive Rolle im Klimaschutz einnimmt. In diesem Sinne fasste der Herrenberger Gemeinderat im Februar diesen Jahres erste Beschlüsse, um den Klimaschutz vor Ort voranzutreiben. Damals beschlossen die Gemeinderäte einen Klimafahrplan zu erarbeiten, mit dem die Klimaneutralität der Stadt bis 2050 erreicht werden soll. Bis Mitte 2021 soll der Entwurf fertig sein. "Wir wollen auf diese Aktionen aufmerksam machen, damit sich vor allem Jugendliche an diesem Prozess beteiligen", sagt Wenzel Ormos.

In dieser Woche soll sich laut Stadtverwaltung der Klimabeirat zum ersten Mal treffen. Teil des Gremiums sind Mitglieder aus der Verwaltung und des Gemeinderates, aber auch Vertreter von gesellschaftlichen Initiativen wie dem NABU. In den kommenden Monaten soll es außerdem Workshops geben, bei denen sich die Bürgerschaft an der Ausarbeitung des Konzepts beteiligen kann. So sind spezielle Fachworkshops geplant, zu denen sowohl Experten als auch die Bürgerschaft eingeladen sind. Für Jugendliche soll es ebenfalls einen Workshop geben.

Beim Streik gibt es auch Infos zum Herrenberger Klimafahrplan

Noch vor rund einem Jahr waren Wenzel, Jannis und Moritz selbst bloße Teilnehmer an Demonstrationen. Als die Bewegung dann an Dynamik gewann, entschlossen sich die Drei selbst in die Organisation der Aktionen einzusteigen. "Man hat gemerkt, dass man etwas bewegen kann", erzählt Wenzel Ormos über seine Motivation. Doch im Vorfeld eines Klimastreiks gibt es viel zu erledigen: Werbung, Social Media und die Erarbeitung eines Hygienekonzepts stehen da zum Beispiel auf der Liste. Doch auch inhaltlich will ein Programm auf die Beine gestellt werden. "Wir haben den Wissenschaftler Guido Mennicken eingeladen", erzählt Moritz Schuker. Außerdem werden sie ein Interview über Nachhaltigkeit mit den Inhabern des Herrenbeger Pop-Up-Stores Fit und Fröhlich führen. Und auch Informationen über den Klimafahrplan soll es auf der Veranstaltung geben.

"Einen Demozug gibt es dieses Mal nicht", sagt Moritz Schuker. Die Veranstaltung findet ausschließlich auf dem Marktplatz statt, auf dem die Abstandsregeln ohne Probleme eingehalten werden können. Um 13.15 Uhr soll die Veranstaltung beginnen. "Das ist direkt nach der letzten Schulstunde, sodass diejenigen, die den Unterricht nicht verpassen wollen, auch kommen können", erklärt Jannis Ahlert. Zum Schluss haben die Jugendlichen noch eine Kreideaktion geplant: Mit Kreidestiften können die Demonstranten dann ihre Statements und Wünsche auf dem Marktplatzboden festhalten.

Das Engagement der drei Herrenberger ist groß, doch was das Umweltbewusstsein ihrer Altersgenossen angeht, sehen sie Klimaaktivisten noch Potenzial nach oben. "Die meisten Leute haben es zwar auf dem Schirm, aber bei vielen fehlt die Umsetzung", sagt Wenzel Ormos. "Für die meisten ist es einfach zu unbequem", fügt Jannis Ahlert hinzu. Wenn es zu Veränderungen des eigenen Lebensstils komme, spiele Einfachheit und Zugänglichkeit eine große Rolle. Sobald die nachhaltige Alternative zu aufwendig wird, greifen die Menschen doch wieder zur schädlicheren Variante.

"Es geht zu weit, anderen zu sagen, wie sie ihr Leben zu führen haben", sagt Jannis Ahlert. Diejenigen, denen die Umwelt wichtig sei, würden auch einen Weg finden, nachhaltiger zu leben. Das können ganz einfache Dinge sein, meint Wenzel Ormos. "Wir haben zu Hause jetzt beispielsweise angefangen statt Zahnpasta in der Tube Zahnpasta in Tablettenform zu benutzen", erzählt er.

Mit dem Klimastreik willen das Trio zudem seine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass die Coronakrise auch ökologisch gut überwunden wird und nicht die bereits erreichten Ziele wieder rückgängig gemacht werden. "Wir wollen nicht, dass aufgrund der Krise der Rotstift an den Klimazielen angesetzt wird", sagt Jannis Ahlert.