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Kultur im Freien startet mit Soul-Show auf dem Glaspalast-Parkplatz

Die Revue-Show Sweet Soul Music hatte für Herbst eigentlich eine Skandinavien-Tour geplant. Stattdessen eröffnet die hochkarätig besetzte Formation mit ihrer Hommage an Aretha Franklin die Open-Air-Reihe "Kultur im Freien" vor dem Glaspalast in Sindelfingen.

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    Selbst schuld, wer das verpasst hat: Darnita Rogers (M.) und Band huldigen in einer grandiosen Show der Musik von Aretha Franklin Foto: Eibner/Biniasch

Artikel vom 21. September 2020 - 15:13

SINDELFINGEN. Endspurt für "Kultur im Freien": Am Freitagabend startete die Herrenberger Veranstaltungstechnik-Firma Event Media Tec (EMT) mit der Aretha-Franklin Tribute-Show ihr Programm für eine letzte Reihe von Konzert- und Kleinkunstveranstaltungen unter freiem Himmel. Bis zu 499 Menschen wären nach den aktuellen Pandemie-Vorgaben auf dem Glaspalast-Parkplatz erlaubt. Gekommen sind am Ende rund 150 Zuschauer. Diese erlebten eine hochprofessionelle Musikrevue mit herausragenden Musikern und Gesangskunst auf höchstem Niveau. Und für die Stammgäste im Böblinger Kulturnetzwerk Blaues Haus gab es zudem ein erfreuliches Wiedersehen.

 

Königin der Soul Music: Aretha Franklin ist eine Ikone der Musikgeschichte. Die vor zwei Jahren verstorbene "Queen of Soul" hat mit ihrem stark vom Gospel-Gesang geprägten Stil die Popmusik nachhaltig geprägt. Hits wie "Think", "Chain of Fools", oder "Natural Woman" sind zeitlose Klassiker. Aretha Franklin war aber noch viel mehr: Die Pastorentochter setzte sich für die Gleichbehandlung der schwarzen Bevölkerung ebenso ein wie für Frauenrechte. Ihr Song "Respect" wurde zum Slogan für die Bürgerrechtsbewegung und den Feminismus.

 

Bitte weitersagen: Vor Beginn der Show betrat Andreas Kienzle für eine kurze Ansage die Bühne. Der Herrenberger ist einer der drei EMT-Geschäftsführer und zudem selbst als Musiker aktiv. Dass die Tribute-Show an diesem Abend in Sindelfingen spielt, geht auf ihn zurück. Keyboarder Markus Schölch (Künstlername Marquis de Shoelch) spielt mit Kienzle zusammen in der Coverband Fired. Als Veranstaltungstechniker und Musiker ist er von den Auswirkungen der Pandemie doppelt betroffen. "Durch Corona wurde uns die Arbeitsgrundlage entzogen", beschrieb der 38-Jährige die Situation. Umso mehr bedankte er sich beim Publikum für die Unterstützung und bat darum, die Veranstaltungsreihe weiterzuempfehlen. Sein Dank galt auch der IG Kultur und dem Glaspalast-Verein, die in Sindelfingen als Kooperationspartner an Bord sind und dabei helfen, zum Abschluss von "Kultur im Freien" nochmal ein paar echte Highlights zu präsentieren.

 

R-E-S-P-E-C-T: So buchstabiert es Aretha Franklin in ihrem Hit, der dieser Show ihren Namen gibt. Größten Respekt haben auch die Mitglieder von Sweet Soul Music verdient. Was diese Band am Freitagabend für eine Energie auf die Bühne brachte, war wirklich beeindruckend. Der Auftritt ist als eine Art Musik-Revue konzipiert, bei der eine Moderatorin (Menoosha Susungi) die einzelnen Titel ansagt und dazu biografische Hintergründe erzählt. Dazwischen durfte jede der sechs Sängerinnen mal die Aretha geben. Dadurch ergab sich eine reizvolle Dynamik, weil jede ihre ganz persönliche Note einbrachte. Damit hebt Sweet Soul Music sich angenehm ab von anderen Cover-Bands, die wie Klone des Originals daherkommen wollen. Die genialen Instrumentalisten trugen ihren Teil dazu bei, diesen Abend zu einem denkwürdigen Musikerlebnis zu machen.

 

Naturgewalt: Die meiste Bühnenzeit von allen Sängerinnen erhielt Darnita Rogers. Aus gutem Grund: Die Stimme dieser Frau ist eine echte Naturgewalt. Sie überzeugte mit Up-Tempo-Nummern wie "Think", "Chain of Fools" und dem titelgebenden "Respect" ebenso wie mit gefühlvollen Balladen wie "Natural Woman" oder dem Simon-&-Garfunkel-Cover "Bridge over troubled Water" bei der Zugabe. Mit ihrer Ausdrucksstärke, ihrer Leidenschaft und ihrem beeindrucken Stimmvolumen versetzte sie das Publikum mal in Tanzlaune, mal erzeugte sie wohlige Gänsehaut, die nichts mit der aufkommenden Nachtkälte zu tun hatte.

 

Freudiges Wiedersehen: Sechs Monate sind eine lange Zeit. Besonders für eine Formation wie Sweet Soul Music. Sechs Monate - so lange hatte die von dem Heidelberger Klaus Gassmann produzierte Showband schon keinen Auftritt mehr. Entsprechend emotional geriet am Freitagabend das Wiedersehen. Sängerin April "Journi" Cook feierte in der Pause zudem Wiedersehen mit einem besonders treuen Fan aus dem Böblinger Blauen Haus. Dort gastiert Journi seit drei Jahren regelmäßig mit der Playground-Band. Wann die US-Sängerin wieder in Böblingen auftreten wird, steht allerdings in den Sternen.

 

Düstere Aussichten: "Für uns war das der letzte Auftritt in diesem Jahr", sagte Klaus Gassmann, der in der Band auch das Bariton-Saxofon spielt. Die für Herbst geplante Schweden- und Dänemark-Tournee fällt aus, dasselbe gilt für sämtliche weitere Auftritte, die für dieses Jahr gebucht waren. "Alles ist auf nächstes Jahr verschoben", so Gassmann - wobei auch die für Januar 2021 angedachten Nachholtermine nicht einzuhalten seien. Ob sein Projekt Sweet Soul Music die Corona-Krise überleben kann? Eine Antwort darauf kann und will er nicht geben.

 

  Nach weiteren Veranstaltungen am Samstag und Sonntag geht es bei der Open-Air-Reihe am heutigen Montag, 21. September, um 20 Uhr mit Patrick Bopps Mitsing-Konzert weiter. Infos und Karten unter http://www.kulturimfreien.de im Netz.