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Kleiner Magen, neues Leben

Edward Yankonis hat sich vor drei Jahren einer Magenverkleinerung unterzogen. In diesem Sommer folgte am selben Organ ein Bypass. In den Digitalen Medien berichtet der 27-Jährige über die Tücken dieser Abnehm-Methode und gibt Tipps für den Alltag.

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    Früher zurückgezogen und stark übergewichtig, heute passen die Hemden wieder. Edward Yankonis steht wieder mitten im Leben. Seine Freundin ist ihm dabei eine große Hilfe Fotos: Stefanie Schlecht

Artikel vom 15. September 2020 - 13:55

BÖBLINGEN. Ein halbes Dutzend Tabletten täglich, manche von ihnen so groß, dass Edward Yankonis sie nur zerkleinert zu sich nehmen kann. Die ersten Wochen und Monate nur Suppe oder Brei, kein Alkohol, keine Getränke mit Kohlensäure. Wenn nach einem halben Jahr feste Nahrung in Frage kommt, sind die täglichen Essensportionen Yankonis' kaum der Rede wert. Obendrein muss er ständig auf seinen Blutzuckerspiegel achten.

Die Regeln, an die sich Yankonis über einen langen Zeitraum halten muss, ähneln denen eines Schwerkranken. Eigentlich ist Edward Yankonis aber gar nicht krank. Er hat sich vor drei Jahren einer Magenverkleinerung unterzogen. Mittlerweile verfügt der IT-Sachbearbeiter aus Böblingen auch über einen Magen-Bypass. Nach dem ersten Eingriff im Jahr 2017 hat sich das Leben des 27-Jährigen komplett geändert.

"Ich wog damals 180 Kilogramm. Jede Bewegung war schmerzhaft. Ständig hatte ich Knochenbrüche in den Füßen und das schon bei kurzen Spaziergängen", wirft Yankonis einen Blick zurück. Bis der gebürtige Magstädter 2017 entschied, der Gewichtszunahme ein Ende zu setzen, vergingen Jahre der Selbstzerstörung und der Isolation. "Es fing mit 16 Jahren an, dass ich kaum noch nach draußen ging, mich schlecht ernährte und viel mit Computerspielen beschäftigt war", erinnert er sich.

Der Edward von heute erzählt, wie sein jugendliches Ich immer mehr Süßes aß und trank und sich von Aktivitäten, wie mit Freunden ins Schwimmbad oder Fußballtraining zu gehen, fernhielt. Der noch mit 14 Jahren real scheinende Traum vom Profifußball erfüllte sich nicht. Damals hatte Yankonis sogar ein Probetraining beim VfB Stuttgart absolviert. Es kam anders: Der Teenager zog sich zurück, sein Gewicht ging weiter nach oben. Als 16-Jähriger wog er 100, mit 20 Jahren 140 und mit 23 Jahren, seinem persönlichen "Tiefpunkt", 180 Kilogramm.

Erst Jahre später sucht er sich Hilfe. Der Stein des Anstoßes war die Magenverkleinerungs-OP seines Bruders. Auch er litt an starkem Übergewicht und kam erst durch den chirurgischen Eingriff wieder in Tritt. "Ich konnte beobachten, wie er sichtbar abnahm und die Lebensfreude wiederfand." Und nachdem der Bruder ihm zu einem solchen Schritt riet, reifte auch bei Edward der Gedanke, den selben Weg zu gehen.

Bis sich aber die Chirurgen des gewichtigen Problems annehmen konnten, musste der Böblinger Patient ein halbes Jahr lang eine Ernährungsberatung besuchen. Zuerst hat er ein Ernährungstagebuch führen und Theoretisches zu gesundem Essen und Sport lernen müssen. Erst danach und nach zahlreichen Besprechungen mit Ärzten und Krankenkassen bekam der 1,93-Meter-Mann grünes Licht. Denn nur bei entsprechenden medizinischen Voraussetzungen übernimmt die Krankenkasse die Kosten des Eingriffs.

Im Juli 2017 war es soweit. Das Volumen des stark vergrößerten Magens wurde um 95 Prozent reduziert. Sechs Monate nach der OP stand Yankonis bei 120 Kilogramm - ein Minus von 60 Kilo. Dass eine Magenverkleinerung nicht der vermeintlich leichte Weg für übergewichtige Menschen ist, wird klar, wenn Yankonis die Zeit nach Juli beschreibt: "In den ersten Wochen kann man nur Flüssiges zu sich nehmen, danach nur Brei. Und die Tabletteneinnahme verlangt eine lebenslange, sehr strenge Disziplin." Die meisten Präparate liefern wichtige Vitamine und Proteine, die durch den kleinen Magen kaum aufgenommen werden können.

Nicht selten reagierte Yankonis' Körper überfordert mit den Folgen des Eingriffs. "Ich musste mich immer wieder übergeben oder litt unter Unterzuckerung. Mitunter fiel ich dadurch ohnmächtig zu Boden." Nach gut einem Jahr kam dann noch schmerzhaftes Sodbrennen hinzu, sodass die Ärzte des Bad Cannstatter Krankenhauses zu einem Magen-Bypass rieten. Dieser wurde im Juli diesen Jahres gelegt, gerade einmal vor acht Wochen. "Nun fühle ich mich deutlich besser", so Yankonis.

Das liege nicht nur am zweiten Eingriff, sondern auch an der Unterstützung seiner Lebensgefährtin Eileen Veser. Wie schwierig das ist, wird deutlich, wenn die Beiden über ihren Alltag sprechen. "Es ist schwer, wenn ein Partner alles, der andere aber nichts davon essen darf. Damit fällt oft auch das gemeinsame Essen weg", erzählt Veser. Sie habe anfangs versucht, sich an Edwards Essensplan anzupassen. Das sei aber auf Dauer nicht zu machen gewesen. Für ihren Freund sei es heute zm Beispiel undenkbar, eine ganze Pizza zu essen. "Nach einem Viertel bin ich total satt", erklärt der 27-Jährige, der derzeit bei 120 Kilo steht und als Ziel die 100-Kilo-Marke anstrebt.

Was es genau bedeutet, eine Magenverkleinerung durchführen zu lassen und wie man den Alltag meistert, schildert er seit einigen Jahren in den Digitalen Medien. Auf YouTube, Instagram und Facebook ist er regelmäßig online, um einem breiten Publikum Rede und Antwort zu stehen, Koch-Rezepte vorzustellen und Sporteinheiten zu absolvieren. Er räumt dort auch mit dem Mythos auf, eine Magenverkleinerung sei eine mühelose Abkürzung, um abzunehmen. "Das ist ein Irrtum. Ich möchte den Menschen näherbringen, was der Eingriff wirklich mit sich bringt."

Körperliche Beschwerden führen zum Magen-Bypass

Das funktioniert offensichtlich gut. Auf YouTube folgen mehr als 1700, auf Instagram fast 1000 Menschen dem IT-ler, der sich auf den Plattformen"Eddywersonst" nennt. Mittlerweile werde er sogar in der Öffentlichkeit erkannt: "Beim Einkaufen sprach mich erst kürzlich ein Mann an und sagte mir, dass er sich durch meine Videos bestärkt fühlte, ebenfalls eine Magen-OP zu wagen. Diese war wohl erfolgreich."

Trotz der Widrigkeiten und zahlreicher Einschränkungen kann Yankonis mit Gewissheit sagen, neue Lebensqualität dazugewonnen zu haben. Der Beweis: "Zum ersten Mal seit elf Jahren war ich wieder im Fußballtraining", erzählt er strahlend und blickt dabei beinahe etwas ungläubig.