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Neubebauung Postareal in Böblingen: Bürger dürfen mitreden

Auf dem Böblinger Postgelände soll bis 2027 ein Vorzeigeprojekt nachhaltigen Bauens entstehen - mit enger Bürgerbeteiligung.

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    Das alte graue Postgebäude wird ab 2027 einem zukunftweisenden Bau weichen - so lautet der ambitionierte Plan Foto: Stefanie Schlecht

Artikel vom 27. August 2020 - 14:27

BÖBLINGEN. Wer vom Bahnhof in Böblingen durch die Unterführung die Treppen nach oben steigt, blickt direkt auf die Innenstadt. Die Mercaden befindet sich linkerhand, die Bahnhofstraße geradeaus. Und rechts? Momentan ist dort das Areal der Post - ein wenig imposanter Gebäudekomplex. "Ein Zeitzeuge der grauen 70er-Jahre, der nicht mehr zeitgemäß ist", wie es Oberbürgermeister Belz treffend ausdrückt.

Ab 2027 soll an dieser Stelle etwas völlig Neues stehen. Was, das werden die Beteiligten in enger Abstimmung mit den Bürgern entscheiden. Dafür starten die Böblinger Baugesellschaft (BBG), die Stadt und ein spezialisiertes Beratungsbüro ein Projekt mit hohen Ansprüchen. Im Juli wurde das Postareal offiziell für die Internationalen Bauausstellung (IBA) in Stuttgart 2027 nominiert. Nun folgt ab Herbst der öffentliche Teil des Bürger-Beteiligungsprozesses.

Das Ergebnis ist dabei bewusst offen - nur eines scheint klar: Das neue Quartier von etwa 6200 Quadratmetern soll den Wünschen der Mehrheit der Bürger entsprechen und Antworten auf die Fragen der Zukunft geben: Wie wollen wir leben, arbeiten und gleichzeitig das Klima schützen? Ob nun eine Melange aus Wohnungen, Geschäften, Grünflächen oder eine gänzlich andere Vision anvisiert wird, das ist letztlich Gegenstand des Beteiligungsprozesses. Von offizieller Seite heißt es nur: "Gesucht wird ein urbaner Mix mit vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten. Dieser soll zudem flächeneffizient, ressourcenschonend und wirtschaftlich entwickelt werden."

Zusammen mit Experten aus dem In- und Ausland soll alles transparent, bürgernah und an Nachhaltigkeitszielen ausgerichtet sein. Hier einen breiten Konsens zu finden, ist das ausdrückliche Ziel von BBG-Geschäftsführer Rainer Ganske: "Wir wollen nicht nur erfahren, was die Menschen nicht möchten. Wir wollen wissen, was sie wirklich möchten." Dafür wird es in mehreren Etappen Möglichkeiten des direkten und offenen Austausches geben. "Den Anfang macht eine Veranstaltung am 18. September. Im Anschluss werden Dialoge und Workshops, analog und digital, angeboten", sagt Jessica Baisch vom Büro Stadtberatung Dr. Sven Fries. Sogar Bürgersprecher wird es dann geben. Ab dem 26. August können die Menschen auf einem Fragebogen ihre ersten Wünsche online äußern.

Die Stadt zeigt sich ebenso entschlossen, das "Tor zur Innenstadt" neu zu gestalten. "Jeder kann mitmachen, sodass am Ende dieses Prozesses ein attraktives und lebenswertes Quartier entstehen kann", so Stefan Belz. Der OB misst dem Projekt große Bedeutung zu, stehe es doch an einer prominenten Stelle. Zirka 30 000 Menschen nutzen täglich den Bahnhof und würden bei dieser Gelegenheit so ein völlig neues Markenzeichen Böblingens zu sehen bekommen.

Wenn sich das neue Areal innovativ mit Leben, Mobilität, Energie und Klima auseinandersetzt, könne es Teil der Ausstellung werden, erklärt Andreas Wolfer, Intendant der IBA. Der Züricher bringt Erfahrung im Bereich städtische Transformation mit und legt Wert auf das "Nachhaltigkeitsdreieick aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem". Wie ernst es die Verantwortlichen mit der Zukunft meinen, beweist auch, dass Kinder und Jugendliche gesondert einbezogen werden sollen. Immerhin seien sie es, die die Stadt in den nächsten Jahrzehnten bewohnen werden.

Hier geht es zur Online-Beteiligung.