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US-Truppen-Abzug aus Böblingen? Unklares Kommando

Die US-Regierung will Truppen aus dem Raum Stuttgart abziehen. Ob diese Pläne auch die Panzerkaserne in Böblingen betreffen, ist weiterhin völlig offen.

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    Wie lange die US-Flagge noch in Böblingen weht, ist weiterhin unbekannt Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 06. August 2020 - 11:55

BÖBLINGEN. Ein Schulzentrum mit 1200 Schülern, Sportplätze, Einkaufsmöglichkeiten in einem großen Supermarkt nach US-amerikanischen Vorbild. Die Panzerkaserne in Böblingen bildet längst eine kleine Stadt in der Stadt. 1945 hatten die Franzosen die Kaserne im Böblinger Wald verlassen und sie den Vereinigten Staaten übergeben. Genau 75 Jahre steht nun der Abzug der US-Truppen im Raum, zumindest in Teilen.

Ende Juli gab die US-Regierung den Plan bekannt, insgesamt etwa 12 000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen, darunter auch Armee-Einheiten aus dem Raum Stuttgart. Laut US-Verteidigungsminister Mark Esper soll es von der schwäbischen Metropole ins belgische Mons gehen. Wie stark Böblingen von dem Vorhaben betroffen sein wird und welche Auswirkungen es auf den Standort haben wird, ist weiter unklar und löst mannigfaltige Spekulationen aus.

Ob bei der Stadt Böblingen oder dem Landratsamt, noch scheint niemand näheren Einblick in die Strategiepläne des US-Präsidenten für Böblingen erhalten zu haben. "Wir haben keinerlei Informationen zu einem möglichen Truppenabzug der US-Streitkräfte für Böblingen bekommen", heißt es von Pressesprecher Fabian Strauch seitens der Böblinger Stadtverwaltung. In großer Eintracht stimmt auch Benjamin Lutsch vom Landratsamt zu: "Leider wissen auch wir nichts darüber, wie es mit dem Standort Böblingen weitergehen wird."

Auch wenn den politisch Verantwortlichen bislang wenig Konkretes bekannt ist, meinungslos über diese Frage sind sie nicht. Landrat Roland Bernhard erklärte auf KRZ-Anfrage: "Wir haben in den vergangenen 75 Jahren ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis mit den Amerikanern aufgebaut. Sie sind Teil der Gesellschaft geworden und Freundschaften und familiäre Beziehungen sind entstanden." Entsprechend bedauerlich findet der Landrat die "merkwürdige und übereilte Entscheidung des US-Präsidenten". Noch hoffe er, dass im Falle, dass auch Böblingen vom Truppenabzug betroffen wäre, sich der US-Kongress diesen Plänen entgegenstellen würde. Auch die im November stattfindende Präsidentschaftswahl könnte alles durcheinander wirbeln.

Stuttgarter Pressebüro der US-Army spricht von "Absichtserklärung"

Sogar innerhalb der US-Armee selbst herrscht derzeit wenig Klarheit darüber, wie es mit der Panzerkaserne weitergehen wird. Die Pressestelle der US Army Garrison lässt verlautbaren, dass man wohl erst nächste Woche mehr Auskunft geben könne, wenn die Spitzen der Armee tagen. Auf KRZ-Nachfrage sagte ein Angestellter des Pressebüros der EUCOM, der Stuttgarter Kommandozentrale für den Kontinent Europa, dass es sich bei den Plänen des Verteidigungsministeriums bisher nur um eine "Absichtserklärung" handle und diese bei Umsetzung ohnehin einen monatelangen Prozess mit sich brächte.

In die Diskussion um das Vorhaben der Trump-Regierung mischen sich auch Gedanken um die wirtschaftlichen Folgen eines möglichen Truppenabzugs. Da viele Armee-Angehörige außerhalb der Militäreinrichtungen wohnen, wäre ein Effekt auf den Wohnungsmarkt zu erwarten. Während sich einerseits der Markt bei einem Abzug entspannen würde, wären auf der anderen Seite viele Vermieter enttäuscht, denn die US-Amerikaner zahlen gut. Zudem würden der lokale Handel und vor allem die Gastronomie die Konsumenten aus Übersee sicherlich vermissen.

Zur Panzerkaserne gehören etwa 2500 Menschen, die als Soldaten dienen, dort als zivile Kräfte arbeiten oder als Angehörige leben. Untergebracht in dem zirka 36 Hektar großen Gelände sind das Marineinfanteriekommando Europa und Afrika, Spezialeinheiten der Marine (Navy Seals) und des Heeres (Army Rangers). Außerdem dient die Kaserne als Standortübungsplatz. Eigentlich sollte dort ab 2021 ein zentraler Lebensmittelmarkt gebaut werden, der auch die Standorte in Stuttgart-Vaihingen, -Möhringen, das Airfield am Flughafen und Zuffenhausen versorgt. Allein dieser Plan steht und fällt mit der endgültigen Entscheidung über die Zukunft der Panzerkaserne.