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Periodenarmut: Ohne Tampon kein Schulabschluss

Doreen Simpungwe kämpft in Tansania dafür, dass junge Mädchen Zugang zu Menstruations-Artikeln haben. Margot Maier unterstützt das Projekt von Holzgerlingen aus.

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    Doreen Simpungwe macht Aufklärungsarbeit an Schulen in Tansania Foto: Margot Maier

Artikel vom 04. August 2020 - 16:51

HOLZGERLINGEN/ TANSANIA. Ein junges Mädchen wacht eines Morgens in einem Dorf in Tansania auf und sieht, dass ihre Unterwäsche blutig ist. Niemand sagt ihr, woher die rote Flüssigkeit kommt und sie hat keinerlei Möglichkeit das Blut aufzufangen. Eigentlich müsste sie zur Schule gehen, doch wie soll das funktionieren, wenn ihre Klamotten durchweicht sind und sie von Krämpfen geplagt wird?

Diesem Problem haben sich Doreen Simpungwe aus Tansania und Margot Maier aus Holzgerlingen angenommen. Die ehemalige Lehrerin am Max-Planck-Gymnasium, unterstützt zusammen mit dem Eine Weltladen das Projekt Community for Change Organization (COCO) von Doreen Simpungwe. Die 30-Jährige hat vor rund einem Jahr das Start-up ins Leben gerufen, nachdem sie in Amerika eine Ausbildung an einer Medical Health Schule absolviert hatte. Die junge Tansanierin hat es sich nun zur Mission gemacht, in ihrem Land Damenbinden zu verteilen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Letztes Jahr im Sommer hat Margot Maier dem Projekt in Sumbawanga in Tansania einen Besuch abgestattet. Über ihren Bruder, der bereits vor 15 Jahren im Rahmen der katholischen Kirchengemeinde Sankt Michael aus Karlsruhe viele Projekte auf dem afrikanischen Kontinent ins Leben gerufen hat, hatte sie von dem Projekt erfahren.

Die Frauen sind diejenigen, die ihre Familien ernähren

Ihr Eindruck: "Die Frauen sind die Starken der Gesellschaft und haben gleichzeitig das größte Nachsehen." Frauen seien diejenigen, die ihre Familien ernähren würden, doch nur vier Prozent von ihnen gehen einer sozialversicherten Arbeit nach. "Frauen sind Rückgrat, Bauch, Hände, Herz und Kopf Afrikas", meint die ehemalige Lehrerin. "Mir war dieses Thema schon immer wichtig", fügt sie hinzu.

Periodenarmut - das ist eine Diskussion, die erst in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewonnen hat. Länder wie Schottland und Neuseeland haben bereits Konsequenzen daraus gezogen: Dort sind Hygieneartikel in Schulen und öffentlichen Toiletten frei zugänglich. Laut Unicef menstruieren jeden Tag rund 300 Millionen Menschen. Nicht alle können sich jedoch die notwendigen Binden und Tampons kaufen, die sicherstellen, dass sie auch während der Periode ihrem Alltag nachgehen können.

Oftmals ist das Thema Menstruation ein Tabu

In über 300 Schulen klärt Doreen Simpungwe zusammen mit ihrem Team, das aus sechs weiteren Personen besteht, über Sexualität und Gesundheitsfürsorge auf. Oftmals ist das Thema Menstruation mit einem Tabu behaftet, das dazu führt, dass die jungen Mädchen gar nicht wissen, was mit ihrem Körper geschieht, wenn sie auf einmal bluten. Während manche Mädchen in ländlichen Gegenden in sogenannte Menstruationshütten verbannt werden, weil sie in dieser Zeit als "unrein" betrachtet werden, haben andere keine Möglichkeit während dieser Zeit die Schule zu besuchen, weil sie keine Hygieneartikel besitzen. Außerdem hänseln viele Jungen die Mädchen, wenn sie ihre Tage haben.

Auf ein Jahr gerechnet bedeuten diese Umstände für Mädchen zumeist einen Schulausfall von mehr als einem Monat. Viele brechen die Schule in dieser Zeit auch komplett ab. In ihrer Verzweiflung greifen manche Mädchen zu drastischen Mitteln: Über WhatsApp informiert Doreen Simpungwe ihre Holzgerlinger Freundin Margot Maier, dass einige getrockneten Kuhmist als Tamponersatz verwenden. "Und danach sind sie dann erstmal krank", sagt Margot Maier.

Doreen verteilt in den Schulen wiederverwendbare Damenbinden

Um solchen Infektionen vorzubeugen und die Mädchen gegen Ausbeutung zu schützen, geht Doreen in Schulen und verteilt dort wiederverwendbare Damenbinden, Unterwäsche und ein Stück Seife. Denn von dem Wissen um Menstruationshygiene und sexuelle Aufklärung hängt viel ab: So erfahren die Frauen vom HIV- und AIDS-Risiko, sowie frühen Schwangerschaften. "Das Wissen um ihren eigenen Körper gibt ihnen Selbstbewusstsein", sagt Margot Maier. Und auch Doreen Simpungwe bekommt hoffnungsvolles Feedback von den jungen Frauen: Viele sind dankbar über die Hilfe und können ihre Schulausbildung zu einem Abschluss bringen.

"Im Land gibt es für die Zeit nach der Schule leider nicht viele Ausbildungsstellen", erklärt Margot Maier. Doch auch dagegen will Doreen Simpungwe angehen: In ihrem neusten Projekt, das noch in den Startlöchern steht, bekommen Frauen Nähmaschinen zur Verfügung gestellt, wodurch sie ihren Lebensunterhalt mit verschiedenen Näharbeiten verdienen können.

Hier geht es zum Kommentar von Melissa Schaich

  Wer für das Projekt Community for Change Organization (COCO) spenden will, kann dies über das folgende Konto tun: Katholische Kirchengemeinde Holzgerlingen DE41603501300000035398 Stichwort "Tansania". Falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte Namen und Anschrift angeben. Als Nachweis für eine steuerbegünstigte Spende genügt der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung der jeweiligen Bank, wenn die Zuwendung 200 Euro nicht übersteigt.