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Künstler malen Köpfe auf den Böblinger Beton

In der Schönbuchbahn-Unterführung an der Herrenberger Straße in Böblingen entsteht ein riesiges Bild. Drei Street-Art-Künstler lassen im malerischen Dialog eine "Wall of Fame" über rund 230 Metern entstehen. Am Freitagnachmittag wird eine Führung angeboten.

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    Der erste Teil des Gesamtkunstwerks ist in Arbeit: Jeroo sprayt und malt frei fließende Formen an die Wände der Schönbuchbahn-Unterführung in der Herrenberger Straße Foto: Eibner/Drofitsch

Artikel vom 31. Juli 2020 - 14:55

BÖBLINGEN. "Eine Stunde, nachdem ich angefangen hatte, war schon die Polizei da. Aber die waren alle ganz freundlich", witzelt Jeroo, während er seinen bisherigen Fortschritt zeigt. Christoph Ganter, wie der Graffiti-Künstler mit bürgerlichem Namen heißt, ist Teil des Street-Art-Trios, das die Schönbuchbahn-Unterführung in der Herrenberger Straße künstlerisch gestaltet. Dort wird diesen Sommer über mit geschätzten 200 Dosen Spray- und 30 Liter Wandfarbe ein die gesamten 230 Meter bespannendes Kunstwerk entstehen.

Dietmar Weber, zuständig für Stadtentwicklung und Stadtgestaltung bei der Stadt Böblingen, und Corinna Steimel, die Leiterin der Städtischen Galerie Böblingen, erklären, wie es zu der Aktion kam. "Wir haben beim Neubau der Unterführung für die Schönbuchbahn angeregt, dass man doch etwas mit der riesigen Graufläche der Wände machen könne", erläutert Weber. So entstand unter Federführung der Kunsthistorikerin Steimel eine Gesamtkonzeption für die Oberflächengestaltung.

Jeroo sprayt ein Rahmenkunstwerk aus vernetzten, frei fließenden Formen. Die anderen Parts übernehmen Jim Avignon, der im Pop-Art-Stil mit knalligen Farben beheimatet ist, und Porträtistin Henrieke Ribbe, die als Wandmalerin eher feinfühlig arbeitet. Sie gestalten mit Acrylfarben all jene Freiflächen, die von Jeroos wuchernden Graffitikristallen und -sphären unberührt sind. Dort soll mit 40 Porträts von prägenden lokalen Persönlichkeiten eine sogenannte "Wall of Fame" entstehen.

Vorschläge für Porträts sind bis Mitte August willkommen

Die Künstler werden jeweils abwechselnd in Etappen malen und so allein über ihren Fortschritt am Gesamtkunstwerk miteinander in Dialog treten. "Das Konzept kehrt damit zum Ursprungsgedanken der Straßenkunst zurück", erklärt Corinna Steimel. Das dies über drei verschiedene Stilrichtungen hinweg verwirklicht wird, sei hier in der Region bisher einzigartig, freut sie sich. Auch Jeroo schließt sich an: "So ein Projekt habe ich in 27 Jahren als Straßenkünstler noch nicht erlebt." Für den gebürtigen Weil der Städter sind diese besondere Form und das Abwechseln auch zeitlich bedingt. Hat er früher noch als Kunstlehrer gearbeitet, kann er mittlerweile von seiner Kunst leben und erhält Aufträge aus der ganzen Welt. So war er letztes Jahr in Las Vegas an der Umgestaltung eines Einkaufszentrums beteiligt und muss diesen Sommer seine Arbeiten in Böblingen für Ausstellungen in Estland und Frankreich unterbrechen.

Den Graffiti-Künstler und seine Arbeitstechniken kennenlernen kann man bei einer öffentlichen Führung, die am heutigen Freitag, 31. Juli, unter geltenden Hygiene- und Abstandsregeln stattfindet. Zusammen mit Corinna Steimel und Oberbürgermeister Stefan Belz wird Jeroo den Interessierten seine Kunst vorstellen und Fragen zum Projekt beantworten. Außerdem können Vorschläge für die zu verewigenden Persönlichkeiten gemacht werden, die ansonsten auch noch bis Mitte August von Galerie-Leiterin Corinna Steimel per E-Mail (steimel@boeblingen.de) entgegengenommen werden. Treffpunkt ist um 16 Uhr an der Bushaltestelle "Breslauer Straße".