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Neuausrichtung der Böblinger Museumslandschaft in Sicht

Die Frage nach der Zukunft der städtischen Museen hat eine intensive Debatte ausgelöst. Die Stadt startet einen weiteren Versuch der Neustrukturierung und befragt per Online-Umfrage nun die Bürger.

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    Mit dem Bauernkriegsmuseum und der Städtischen Galerie befinden sich in der Zehntscheuer gleich zwei der Kultur-Einrichtungen der Stadt, um die es in der Museumskonzeption geht Foto: Eky Eibner

Artikel vom 23. Juli 2020 - 10:54

BÖBLINGEN. Wie geht's weiter mit den Böblinger Museen? Für viele Bürger ist dies eine hochemotionale Frage. Wie kontrovers die Zukunft der Städtischen Galerie, des Deutschen Bauernkriegs- und des Fleischermuseums in der Bürgerschaft gesehen wird, zeigte die sogenannte Museumskonferenz im Juli letzten Jahres. Statt eines gütlichen Austausches wurde verbal mit harten Bandagen gekämpft. Vor allem ein in Auftrag gegebenes Gutachten hatte für lebhafte Diskussionen gesorgt (siehe Hintergrund).

Wenig umstritten war die Tatsache, dass sich im Bezug auf das museale Angebot der Stadt etwas tun muss. Um den Museen den Weg in die Zukunft weisen zu können, bringt die Stadt nun einen neuen Prozess in Gang und hört sich ab dem 23. Juli digital bei den Bürgern um. Im Herbst sollen die Ergebnisse der "digitalen Informationstage" gesammelt und im November dem Gemeinderat vorgelegt werden.

Eines scheint trotz der nicht einfachen Ausgangslage klar: "Die Böblinger Museumslandschaft verfügt über Potenzial, das es zu nutzen gilt", so Oberbürgermeister Stefan Belz. Das Ziel bleibe, die Museen "zeitgemäß und attraktiv" aufzustellen. Aus diesem Grund entwickelte das Kulturamt alternative Ansätze zu der besagten Konzeption der Gutachter Knubben und Demirag. Diese werden nun der Böblinger Bürgerschaft vorgelegt, um ein Stimmungsbild zu erhalten. Auch Nicht-Böblinger können sich beteiligen und Rückmeldung geben.

Eine Schlüsselrolle bei den Planungen sollen die von der Stadt erworbenen Räumlichkeiten in der Unteren Gasse 7 und 9 spielen. Dort stellen sich Andreas Wolfer, Leiter der Abteilung Veranstaltungen, Museen, Archiv und Peter Conzelmann, Leiter des Kulturamts, eine Nutzung für zumindest eines der zur Diskussion stehenden Museen vor. Den Beiden schwebt daher bereits das MUG vor - das "Museum Untere Gasse".

Das Stadtforum könnte kommen

Warum an dieser Stelle in der Altstadt ein Museumsbau denkbar wäre, erklärt Wolfer: "Hinter der Hausnummer 7 befindet sich mit Teilen der alten Stadtmauer und dem alten Wehrgang im Haus Nummer 9 eine besondere geschichtliche Bausubstanz." Auf dem daneben liegenden Parkplatz könnte ein Neubau entstehen, den die Konzeptentwickler die "große Lösung" nennen. Ohne Nutzung des Parkplatzes wäre es die "kleine Lösung". "Diese Varianten waren 2019 noch nicht bekannt, daher ergeben sich für uns ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten", betont Conzelmann.

Zunächst gehe es um die strukturellen Fragen, also welche Räumlichkeit welches Museum bekommt. Ausgeschlossen aus der Rochade scheint das Fleischermuseum. Das alte Vogtshaus sei bestens geeignet für die museale Nutzung. Inwieweit die Museen auch inhaltlich verändert werden, ist derzeit noch ungewiss. Ein genaues Bild über die Kosten ergebe sich, sobald die Varianten von Bürgern, Stadt und Gemeinderat bewertet und in Machbarkeitsstudien ausgelotet wurden. Finanzielle Bedenken - vor allem durch Corona verursacht - sollen bei der Realisierung des ambitionierten Projekts vorerst kein Hindernis sein. Zu viele Jahre ohne Fortschritt seien bereits verstrichen.

Neu ist die Idee, das Stadtarchiv aufzuwerten. Bis zuletzt hatten sich etwa 200 Besucher jährlich mit alten Dokumenten beschäftigt und damit ein erhöhtes Interesse am Archiv signalisiert. Auch die Vision eines Stadtforums könnte im Falle einer musealen Neustrukturierung verwirklicht werden. Den Verantwortlichen schwebt vor, an übergeordneten Themen wie Mobilität, Bürgerschaft oder Wirtschaft die dazugehörige Böblinger Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft darzustellen.

Ab Mittwoch sind die verschiedenen Szenarien online einzusehen. Vom 27. Juli an liegt der Ball dann bei den Böblinger Bürgern. Bis Ende August haben diese die Möglichkeit, die Ideen mittels Schulnoten zu bewerten und auf Freifeldern ihre eigene Meinung kundzutun.