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Mit Kamelen durch den Schönbuch

In Weil im Schönbuch versteckt sich der Kamelhof von Claudia Fröhlich zwischen idyllischen, grünen Wiesen. Fünf Kamele, ausgediente Zirkustiere, dürfen dort ihren Lebensabend verbringen.

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    Claudia Fröhlich hat eine Tasche mit Leckerlis dabei. Djabi beäugt das versteckte Knäckebrot neugierig Foto: Stefanie Schlecht

Artikel vom 21. Juli 2020 - 17:07

WEIL IM SCHÖNBUCH. Mitten im Grünen, hinter einem Zaun, schauen fünf Kamele gemütlich kauend aus ihrem offenen Stall heraus. Eine Fata Morgana? Nein, das kann nicht sein - denn schließlich strahlt die Sonne hier nicht vom Wüstenhimmel, sondern steht hoch am blauen Himmel über Weil im Schönbuch. Wer seinen eigenen Augen nicht traut, der wird schließlich von dem großen Holzschild überzeugt, auf dem in großen Buchstaben "Kamelhof" geschrieben steht. Einige der sandfarbenen Tiere liegen entspannt auf dem Boden, andere stehen in imposanter Größe im Schatten und schauen neugierig unter ihren langen Wimpern hervor: Djabi, Xalsar, Zabo, Balu und Badcha - so heißen die Glücklichen, die ihr Leben nun in vollen Zügen auf dem Hof von Claudia Fröhlich genießen können.

Die Kamele haben nämlich nicht immer die Liebe bekommen, die ihnen zustand: Sie sind ehemalige Zirkustiere - und nicht alle wurden in ihrer Zeit im Show-Business auch gut behandelt. "Ich brauche in der Regel rund zwei Jahre bis ich sie wieder einsetzen kann", erklärt Claudia Fröhlich. Neben zahlreichen Besuchen vom Tierarzt, braucht es vor allem viel Vertrauensarbeit in Form von Streicheleinheiten und Fell-Bürsten, um die Kamele an ihr neues Umfeld und ihre neue Aufgabe zu gewöhnen. Auf ihrem Hof bietet Claudia Fröhlich nämlich Spaziergänge mit Kamelen, Lamas und Eseln an.

"Mittlerweile gibt es keine Ausritte mehr, weil die Tiere doch schon etwas älter sind", erklärt sie. Das älteste Kamel der Gruppe ist mittlerweile 27 Jahre alt. Im Schnitt können die Trampeltiere bis zu 35 Jahre alt werden. Der "Opi" der Gruppe ist bereits in Rente, der eine Kollege braucht Physio und der andere wird auf einem Auge blind. "Also wenn ich wirtschaftlich denken würde, müsste ich jüngere Tiere hertun", sagt Claudia Fröhlich. Doch ihr Herz hängt an ihren Schützlingen, weshalb sie statt den Ausritten einfach Spaziergänge anbietet. Bei Kindergeburtstagen können die Kinder aber noch auf der Weide auf den Kamelen reiten. "Nur die großen Touren mache ich nicht mehr."

Zur Begrüßung beschnuppern die Tiere erstmal ihr Gegenüber

Ruhig, verschmust und gelassen wirken die Kamele. "Sie sind kontaktfreudig und strecken einem zur Begrüßung erstmal die Nase ins Gesicht", erzählt Claudia Fröhlich, als sie auf der Weide steht. Und da kommt auch schon Djabi, das größte der Kamele, über die Wiese getrottet und stupst alle einmal mit seiner weichen Nase an. Er blinzelt zweimal verträumt, dann zieht er schweren Schrittes weiter. Imposant ist seine Größe: Mit Höckern haben die Tiere eine Höhe von 2,50 Metern. "Viele unterschätzen, wie groß Kamele eigentlich sind", sagt Claudia Fröhlich.

Während der Kindergeburtstage ist es Claudia Fröhlich vor allem wichtig, dass die Kinder direkten Kontakt zu den Tieren haben und so ihr Wesen besser kennenlernen. Auf diese Weise hat sie sich auch selbst an ihre Arbeit mit Kamelen herangetastet. Denn ein solches Tier legt man sich schließlich nicht mal kurz zu. "Ich hatte schon früh den Wunsch, mit Tieren zu arbeiten", erzählt Claudia Fröhlich. Doch lange fehlte der Kfz-Mechanikerin die Idee. Dann stolperte sie durch Zufall über ein Foto mit einem Kamel und war sofort in seinen Bann gezogen. "Danach habe ich Farmen besucht, um erstmal zu schauen, ob die Tiere etwas für mich sind", erzählt sie. Dann kaufte sie auch schon die ersten zwei Kamele. Mittlerweile haben fünf Wallache bei ihr ein neues Zuhause gefunden.

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Der größte der Wallache lässt sich von Claudia Fröhlich einen Halfter anlegen. Er trottet gemütlich neben ihr her und kommt vor einer Leiter zum Stehen. "Wer auf den Kamelen reiten will, muss mit der Leiter aufsteigen", so schont Claudia Fröhlich die Gelenke der Tiere. "Ich will nicht, dass sie im Alter Probleme bekommen", erklärt sie. Denn gewöhnlich knicken die Kamele ihre Vorderläufe ab, damit Menschen besser aufsitzen können. Zwischen den Höckern des Kamels angelangt, scheint die Luft tatsächlich etwas dünner geworden zu sein. Ein Blick gen Boden verdeutlicht: Das ist ganz schön weit oben. Doch nach ein paar Schritten des gemächlichen Tieres ist die Höhe bereits vergessen und es zählt nur noch die Aussicht: Die ist vom Rücken eines Kamels nämlich um einiges besser als auf Menschenhöhe. Während das Kamel seine Runden auf der Weide dreht, bekommt es immer wieder kleine Leckerlis, nämlich Knäckebrot, zugesteckt. "Er hat ein Einwurfloch für Leckerlis", sagt Claudia Fröhlich und zeigt auf die Oberlippe des Tieres, die sich nach oben zieht und einen Spalt zwischen den Zähnen frei gibt, durch den Claudia Fröhlich die Knäckebrot-Stücke schieben kann. Leckerli-Zuführung mit minimalem Eigen-Aufwand.

In den letzten Monaten mussten die Kamele eine Zwangspause einlegen

In den letzten Monaten mussten die Kamele eine Zwangspause einlegen: Denn auch auf Claudia Fröhlichs Hof hat die Corona-Krise ihre Spuren hinterlassen. Zwischen 1500 bis 2000 Euro braucht sie pro Monat für die Verpflegung der Tiere. Den finanziellen Ausfall der letzten Monate kann sie nicht aufholen. "Ich kann die Tiere ja nicht plötzlich doppelt so viel einsetzen wie üblich", erklärt sie. Doch mittlerweile kommen die Menschen wieder öfter auf den Hof: "Die Nachfrage wird langsam wieder größer", meint die Kamel-Besitzerin, auch wenn noch etwas Unsicherheit herrsche. Doch für die nahenden Sommerferien erhofft sie sich einige Besucher, die ihren Corona-Trott mit einem Kamel-Spaziergang durch den Schönbuch durchbrechen wollen.

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