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Holzgerlingen: Krisenfester Verein hält zusammen

Der Harmonika-Verein Holzgerlingen engagiert sich auch während der Krise für seine Mitglieder. Der Probenbetrieb wird nun Schritt für Schritt wieder hochgefahren.

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    Der Harmonika-Verein lässt sich auch von Corona nicht stoppen: Per Video wird gemeinsam musiziert Foto: red

Artikel vom 08. Juni 2020 - 16:33

HOLZGERLINGEN. Proben, Konzerte, gemeinsame Aktivitäten - alles, was das Vereinsleben des Harmonika-Vereins Holzgerlingen (HVH) normalerweise auszeichnet, blieb in den vergangenen Monaten auf der Strecke. Doch hinter den Kulissen ging der Einsatz der Ehrenamtlichen weiter. Schritt für Schritt soll nun auch der Probenbetrieb wieder hochgefahren werden.

Die erste Veranstaltung des HVH, die von Corona betroffen wurde, war die Jahreshauptversammlung am 14. März. Kurz darauf wurde der gesamte Orchesterbetrieb gestoppt, später jedwede Art von Unterricht im Musikhaus auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Das für den 10. Mai geplante Konzert anlässlich des 21-jährigen Bestehens des Orchesters "Easy Listening" konnte ebenfalls nicht stattfinden, das war allen Beteiligten schnell klar.

Dem Vorsitzenden Matthias Schlenker obliegen in dieser Krise gemeinsam mit den zwei anderen Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstands eine Menge, teils unerfreuliche Entscheidungen. Wie geht man mit den immer wieder neu erlassenen Verordnungen um? Für wen gelten die Lockerungen - nur Musikschulen oder auch Vereine? Und wie behandelt man das Ganze finanziell? Der HVH entschied sich dafür, die Orchester- und Unterrichtsbeiträge für die entfallenen Monate nicht einzuziehen. Trotzdem wurde den Schülern Online-Unterricht angeboten, was laut des Vorsitzenden auch viele in Anspruch nahmen. "Das hat soweit geklappt, aber ist natürlich kein Ersatz", stellt Matthias Schlenker klar. Gerade durch die technisch bedingte Zeitverzögerung bei Unterricht per Videochat sei das sehr anstrengend für die Musiklehrer.

Auch die Holzgerlinger Stadtverwaltung habe immer ein offenes Ohr gehabt, wenn es um Anliegen des Vereins gegangen sei, erzählt Matthias Schlenker. "Wir hatten immer eine gute Kommunikation."

Auch innerhalb des Vereins riss der Kontakt in der Zwangspause nicht ab. So erklärten sich in der Hochphase der Krise kurzerhand einige jüngere Mitglieder bereit, eine Einkaufshilfe für ältere Mitglieder, oder solche die das Haus nicht mehr verlassen wollten, ins Leben zu rufen. Nicht als Konkurrenz zum städtischen Angebot, betont Schlenker, sondern als Zeichen der Solidarität des Harmonika-Vereins. Gebraucht hat die Hilfe schlussendlich allerdings niemand. Was der Vorsitzende aber auch durchaus positiv sieht: "Das zeigt ja, dass alle versorgt sind."

Auf seine Kernkompetenz, die Musik, besinnt sich der Verein in seiner jüngsten Aktion: einem Orchesterauftritt der etwas anderen Art. Jeder der knapp 30 mitwirkenden Musiker nahm sich selbst dabei auf, wie er Zuhause das Stück "Heal the World" auf dem Akkordeon spielte. Die Ergebnisse wurden dann zusammengeschnitten und sind seit Kurzem unter anderem auf der Homepage des Vereins abrufbar. "Das ist echt super geworden", schwärmt Schlenker. "Da hat sich wieder gezeigt, dass wir eine echt gute Truppe sind, mit der man was auf die Beine stellen kann."

Apropos "auf die Beine stellen": Schweren Herzens haben sich die Verantwortlichen des Vereins dafür entschieden, dass "It's Showtime" dieses Jahr nicht stattfinden wird.

Am 21. November findet das Jubiläumskonzert statt

Stattdessen wird am 21. November das besagte Jubiläumskonzert vom Mai nachgeholt. Zu tun habe das allen voran mit der (nicht vorhandenen) Planungssicherheit, betont Schlenker. Hinter "It's Showtime" stecke so viel Aufwand - "das wollen wir vor voller Halle zeigen". Mit Abstandsregeln - sofern diese dann noch gelten - sei das unmöglich. Beim Konzert hingegen kommen grundsätzlich weniger Menschen in die Stadthalle, sodass man dies besser handeln könne. Und: Das Programm steht bereits, weil es schon seit Ende vergangenen Jahres eingeübt wurde. Das geplante Programm für "It's Showtime" wird 2021 gezeigt. "Das wird ein Hammer", ist sich Matthias Schlenker sicher.

Mit den Orchesterproben soll es nun auch bald weitergehen. Ab 1. Juli, so plant der Verein, soll es in Zehnergruppen wieder losgehen. Noch stehen aber etliche Fragezeichen im Weg, vor allem bezüglich der Aufteilung des Musikhauses sowie der geltenden Regeln. Matthias Schlenker hat sich aber schon daran gewöhnt, sich allenthalben mit Verordnungen und allem, was dazu gehört, auseinanderzusetzen. Für Vereine würde er sich hierbei jedoch mehr Unterstützung von politischer Seite wünschen - gerade in der Krise. Es gäbe etliche Kontroversen: So dürfe ein Verein beispielsweise kein Vermögen ansammeln, wäre aber in einer Situation wie der jetzigen dazu angehalten, seine Mitarbeiter weiter zu bezahlen. "Zeiten wie diese zeigen, wie wichtig Vereine für das Allgemeinwesen sind", betont der Vorsitzende. "Das muss man stärken."