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Gute Stimmung beim Böblinger Rosenmontagsumzug

Großer Zulauf beim 33. Rosenmontagsumzug in Böblingen - 70 Gruppen und an die 15 000 Zuschauer drängeln sich auf der Strecke - Fotogalerie

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    Rosenmontagsumzug Böblingen, 24.02.2020. Foto: Eibner KRZ-Foto:

Glück mit dem Wetter hatten diesmal die Veranstalter von Grün-Weiss Böblingen. Während am Morgen noch ein nasskalter Tag zu befürchten war, kam pünktlich zum Rosenmontagsumzug die Sonne raus. Dementsprechend strömte auch das Publikum. An die 15 000 Zuschauer schätzten Polizei und Veranstalter.

Artikel vom 24. Februar 2020 - 18:26

Von Robert Krülle und Martin Dudenhöffer

Erster Wagen: Wie gewohnt führt der Grün-Weiss-Vorsitzende Bela Stahl den bunten Umzug im offenen Wagen an, diesmal mit goldenem Frack samt Zylinder ausgestattet. An seiner Seite: Oberbürgermeister Stefan Belz im OP-Arzt-Outfit mit blutiger Schürze. Den Anheizer am Startpunkt Elbenplatz gibt Party- und Konzertveranstalter Jochen Knobel mit blonder Perücke. "Nur als Aushilfe!", ruft er, bevor er den nächsten Disco-Kracher aus den Boxen schmettern lässt.

Buntes Narrenhäs: So wie in den Epizentren der schwäbisch-alemannischen Fasnet prägen auch beim Böblinger Rosenmontagszug die Hexen das Bild. Furchteinflößend, mit Holzmasken, Besenstielen und farbigen Kostümen treiben die Hexengruppen ihr alljährliches Unwesen. Dabei werden vorzugsweise junge Frauen Opfer einer Konfetti-Attacke oder bekommen Farbe ins Gesicht. Andere haben mehr Glück: Sie erhalten Süßigkeiten oder kleine, hochprozentige Getränkespritzen. Doch auch andere Gestalten tragen mit ihrem einfallsreichen Narrenhäs zur bunten Veranstaltung bei. So durchstreifen braune Bären genauso die Straßen wie die knallbunt-kreativen Lombamenscher oder die schaurig-zotteligen Waldschrecks mit ihren Hörnern, Masken und Pelzen. Zudem ziehen Traktoren ganze Häuser durch die Straßen. Karnevalisten mit Narrenkappen verteilen Bonbons, tanzen zu lauter Musik und winken jedem freundlich zu.

Rosenmontagsumzug begeistert: Die Sonne lacht, als die Hexen und Narren mit Pauken und Trompeten zur Alba-Brücke ziehen. Beim Seegärtle empfängt Wirt Uwe Hutfilz die bunten Gruppen, assistiert von "Professor" Ralf Maurer. In der Klaffensteinstraße schauen viele interessierte Anwohner dem Fasnetstreiben zu. Kinder und Erwachsene, verkleidet als FBI-Agenten, Bienen, Hippies oder Feuerwehrleute, säumen die Straßen. Auch ein Sindelfinger Sträflingspaar hat es auf den Böblinger Rosenmontagsumzug verschlagen. Jasmina Hein und Leon Schubert sind zum fünften Mal dabei. "Der Böblinger Umzug ist unterbewertet. Dieses Jahr präsentieren sich 70 verschiedene Gruppen, er ist bunt und friedlich. Das macht ihn schon besonders", so das Fazit der beiden Sindelfinger Sträflinge.

Polizeipräsenz wirkt: Wie in den Vorjahren drängt sich besonders viel Partyvolk am Übergang von der Klaffensteinstraße zur Poststraße. In mehreren Reihen stehen die Zuschauer beim "Freddchen", wo der Wirt Freddy Nestele vom Balkon heruntermoderiert. Beim Treff am See tummeln sich leicht alkoholisierte Krokodile, Papageien und Einhörner, lassen Ballermann-Hits aus den Boxen dröhnen und feuern Konfettibomben ab - aus der Entfernung kritisch beäugt von Securitys und zahlreichen Polizisten, die mit mehreren Wagen die Durchfahrt am Plattenbühl blockieren. Seit zwei Jahren ist die Polizei deutlich präsenter, sind die Auflagen strenger - mit Erfolg. Mehrere Umzugsteilnehmer äußern sich positiv über die Stimmung an der Strecke. "Ein paar Stresser gibt es immer, aber diesmal war es insgesamt sehr angenehm", sagt Christian Mayer von der Narrenzunft Waldschreck aus Bad Saulgau.

Stimmung friedlich: In Böblingen wie auch anderswo ist es in den Vorjahren zu einigen Handgreiflichkeiten gekommen, oftmals auch gegen Umzugsteilnehmer - diesmal läuft im Großen und Ganzen alles glatt. Erfahrene Fasnetsgruppen wie die Böblinger Lombamenscher oder die Renninger Schdoibruch-Hexa loben ausdrücklich, wie friedfertig und ausgelassen die Zuschauer in diesem Jahr agieren. Zahlreiche Sicherheitskräfte begleiten das närrische Aufgebot und sorgen für den nötigen Spielraum für Hexen, Wagen und Traktoren. Dass Jugendliche mit hartem Alkohol in der Hand an der Strecke stehen, gehört inzwischen (leider) zum Standardbild. Doch eingreifen müssen die Ordnungshüter kaum. Polizeikräfte und Rotes Kreuz können einen ruhigen Rosenmontags-Einsatz vermelden.

Streckenposten: Auf den letzten Umzugsmetern wartet noch Artur Lennartz als Streckensprecher und begleitet die Gruppen Richtung Elbenplatz. Der 76-Jährige hat den Böblinger Rosenmontagsumzug Mitte der 80er Jahre mitgegründet und ist immer noch mit viel Herzblut dabei. "Weil sonst in der Poststraße zu wenig los wäre, mach ich hier den Streckenposten", grinst der Grün-Weiss-Veteran, der reichlich grüne Schminke im Gesicht trägt: "Das waren die giftgrünen Schlossberghexen, da macht meine Frau mit!", erklärt er die Farbgebung.

Ehninger Ordner: Erschöpft, aber glücklich sitzt Bela Stahl nach seiner Umzugsrunde am Unteren See. "Heute Morgen hatte ich noch etwas Sorgen wegen der Nässe", verrät er, "aber jetzt ist ja Superwetter." Auf 15 000 Besucher schätzt der Grün-Weiss-Vorsitzende den Andrang. Dass die Veranstalter mittlerweile viel in die Sicherheit investieren müssen, haut Bela Stahl nicht um. "Von den 45 Ordnern sind viele vom TSV Ehningen, der uns unterstützt", freut sich der Cheforganisator. Hinzu müssen 15 Securitys an der Strecke stehen. Auch wenn das neue Sicherheitskonzept offenbar Früchte trägt, trauen zumindest die Verantwortlichen der Mercaden dem neuen Frieden noch nicht. Wie in den beiden Vorjahren hat das Einkaufzentrum am Rosenmontag aus Sicherheitsgründen ab 14 Uhr seine Pforten geschlossen.