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Vorlesewettbewerb: Sechstklässler liefern sich beim Kreisentscheid "Böblingen Süd" enges Rennen

16 Schüler aus dem Kreis lesen in der Stadtbibliothek Böblingen um die Wette. Am Ende setzt sich ein Aidlinger gegen die starke Konkurrenz durch

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    Hochkonzentriert lesen die Sechstklässler beim Vorlesewettbewerb in der Böblinger Stadtbibliothek Foto: Eibner / Thomas Dinges

Die Begeisterung fürs Lesen scheint ungebrochen. Beim Kreisentscheid Süd des Vorlesewettbewerbs präsentierten 16 Kinder ihre literarische Leidenschaft. Nach einem knappen Rennen entschied sich die vierköpfige Jury für die Vorlesekünste eines Sechstklässlers des Otto-Hahn-Gymnasiums.

Artikel vom 07. Februar 2020 - 13:00

BÖBLINGEN. Wenn Harry Potter, seine Freunde Ron und Hermine auf Hogwarts mit Zauberkraft gegen das Böse kämpfen, Drachen über den Himmel schweben, Roboter sich selbstständig machen und der kleine Prinz von seinen Erlebnissen erzählt - dann findet man sich auf einer packenden Lesereise wieder. Oder man sitzt beim 61. Vorlesewettbewerb in der Böblinger Stadtbibliothek.

16 Kinder aus weiterführenden Schulen im südlichen Landkreis Böblingen traten am Mittwoch gegeneinander an - und sie taten das auf hohem Niveau. Die Maßgabe hieß, hochkonzentriert, möglichst fehlerfrei und lebendig den Textausschnitt ihres Buches zu lesen. Und so träumerisch und phantasievoll sie ihre Werke vortrugen, so gebannt lauschten ihre Mitschüler, Lehrer und Eltern im vollbesetzten Publikum.

Andreas Jani, Kinder- und Jugendbibliothekar und Jurymitglied beim Wettbewerb, fasst zusammen, was sich wohl alle Zuhörer bei der Vorstellung gedacht haben: "Es ist keine leichte Aufgabe, aus einem starken Bewerberkreis, der ausschließlich aus Schulsiegern besteht, einen Favoriten zu bestimmen." Dennoch gebe es Kriterien, anhand derer Jani und seine Jurykollegen den glücklichen Sieger dieser Runde ermitteln: "Wir achten auf Lesetechnik und Textgestaltung."

Besonders wichtig sei die Interpretation. Wer die Texte ausdrucksstark und mitreißend präsentieren kann, habe die besten Chancen auf den Titel "Kreissieger". Letztes Jahr war dies Tyler Zeller von der Albert-Schweitzer-Realschule in Böblingen. Schon er bewies, dass "die Jugend von heute" noch fasziniert ist von Büchern.

Auch die diesjährigen Kandidaten ließen hierbei keine Zweifel offen. Wenn der Vorlesende auf dem Stuhl vorne Platz nahm, die Leselampe am Tisch zurechtrückte und gekonnt seine Stimme erhob, war es mucksmäuschenstill im Saal. Die Sechstklässler aus Böblingen, Sindelfingen, Waldenbuch, Herrenberg und Holzgerlingen lasen aus Klassikern der Literatur, wie Erich Kästners "Das doppelte Lottchen", Joanne K. Rowlings "Harry Potter" oder Antoine de Saint-Exupérys "Der kleine Prinz".

"Die oft gehörte Annahme, dass junge Menschen heute weniger lesen, spiegelt sich nicht in unserer Erfahrung wider", erläutert Jani und führt aus: "Vielmehr gestaltet sich das Lesen immer vielseitiger." Lesen findet heute nämlich über das gute alte Buch genauso wie über E-Books und Smartphones statt. Auch der Buchmarkt, die Verlage und die Bibliothek in Böblingen können das Vorurteil mitnichten bestätigen. Die Verkaufs- und Ausleihzahlen seien jedes Jahr gestiegen. Lesen erfreue sich nach wie vor großer Beliebtheit, ob es nun um Klassiker oder aktuelle Kinder- und Jugendliteratur geht.

Einer der 16 begeisterten Bücherwürmer war Carla Frey vom Sindelfinger Stiftsgymnasium. Die Sechstklässlerin gab einen Ausschnitt aus "Der 1000-jährige Junge" von Ross Wilford zum Besten. Konzentriert, fehlerlos und mit lebendiger Intonation las die Gymnasiastin ihre Zeilen. "Anfangs war ich nervös, aber kurz danach war jede Aufregung vergessen." Den Schulsieg hatte Carla schon errungen, nun wollte sie auch den Kreisentscheid Süd gewinnen.

Hohes Niveau der Beiträge bringt Jury ins Staunen

Die Konkurrenz war groß, auch das Vorleseniveau überdurchschnittlich gut, wie eine stolze Jury am Ende der ersten Runde bekanntgab. Also stand zunächst noch kein Sieger fest, sondern drei ausgewählte Schüler lasen nun einen fremden Text vor. Die Entscheidung fiel zugunsten von Johannes-Martin Haischt, der die Juroren mit seinem Vortrag aus "Grüße vom Mars" begeisterte.

Der Aidlinger aus dem Otto-Hahn-Gymnasium in Böblingen hatte die beste Textinterpretation abgeliefert. Sichtlich froh erklärte der Elfjährige: "In der Grundschule habe ich teils mehrere Bücher am Tag gelesen, in letzter Zeit ist das zwar etwas weniger geworden, aber ich verspüre noch immer großen Spaß."

Diesen wird er auch brauchen, um beim Bezirksentscheid im März oder April den Sprung in den Landesentscheid zu schaffen. Danach werden die Besten Ende Juni in Berlin ihr ganzes Können unter Beweis stellen. Johannes-Martin Haischt wird dafür noch mehr als ein- bis zweimal am Abend üben, um vielleicht auch im Bundesvergleich ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.

Und wer von den 16 Teilnehmern in der Stadtbibliothek am Mittwoch trotz perfekter Intonation und der eindrücklichen Spielens mit der Stimme nicht die Krone des Vorlesens aufgesetzt bekam, kann nach Meinung von Jugendbibliothekar Andreas Jani noch ganz woanders landen. "So mancher hat eine absolut hörbuchtaugliche Stimm- und Lesetechnik."

Wenn das mal nicht ein Lob ist.