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Die Labrador-Halbbrüder Sky und Ice sind Schimmelspürhunde beim Malerbetrieb Scheuerle in Herrenberg

Für die beiden Labrador-Schimmelspürhunde des Malerbetriebs Scheuerle in Herrenberg geht es eigentlich immer um die Wurst

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    Die beiden Labradore Sky und Ice sind ein feste Bestandteile des Teams des Malerbetriebs Scheuerle in Herrenberg Fotos: EER/ Thomas Dinges

Rote Hundepfoten-Abdrücke auf dem Asphalt leiten den Weg hinein in den Malerbetrieb von Heiko und Diana Scheuerle in Herrenberg. An der Tür stehen bereits die beiden Labradore Sky und Ice schwanzwedelnd zur Begrüßung: Die zwei Schimmelspürhunde sind ein fester Teil des Teams.

Artikel vom 04. Februar 2020 - 16:42

Von Melissa Schaich

HERRENBERG. Aufgeregt schnüffeln die beiden blonden Labradore Ice und Sky ihre Umgebung ab. Kein Wunder, ihr Riechorgan ist durch nichts zu ersetzen. Denn: Die beiden Halbbrüder sind Schimmelspürhunde. Bis jetzt kann kein technisches Gerät die Fähigkeiten der beiden Spürnasen ersetzen.

"Die Idee mit der Ausbildung zum Schimmelspürhund war eigentlich eher ein Zufall", erzählt Heiko Scheuerle, der neben der Leitung des Malerbetriebs nun auch zertifizierter Spürhundeführer ist. Als die Familie bemerkte, dass der mittlerweile siebenjährige Ice viel mit der Nase arbeitete, nahmen Heiko und Diana Scheuerle Kontakt mit einem Ausbilder für Spürhunde auf. "Der Trainer war völlig begeistert von Ices Fähigkeiten", sagt Heiko Scheuerle. Nach einem halben bis dreiviertel Jahr war die Ausbildung zum Schimmelspürhund dann schließlich abgeschlossen. "Die Hunde sehen das als Spiel", erklärt Heiko Scheuerle. Sie werden auf den Schimmel-Geruch konditioniert und dann lautet die Devise: Suchen - Finden - Essen. Am Ende einer erfolgreichen Schimmel-Auffind-Aktion wartet nämlich immer eine Hundeleberwurst auf die beiden zur Belohnung.

Zwischen zwei und fünf Mal sind die beiden Hunde pro Monat im Einsatz. Immer wieder absolviert Heiko Scheuerle auch Trainingseinheiten auf Baustellen mit den zwei Labradoren. Dann werden Schimmelproben versteckt und die Suche beginnt. "Sobald die beiden ihre Arbeitsweste angezogen bekommen, wissen sie: Jetzt geht's um die Wurst", sagt der Spürhundeführer - und das buchstäblich: Es geht um die Hundeleberwurst. Ice und Sky sind in der Lage, zwischen 15 und 20 Schimmelarten zu erschnuppern. Um ordentlich üben zu können, steht im Malerbetrieb von Heiko und Diana Scheuerle ein kleiner Kühlschrank mit Petrischalen voller Schimmel. Von dunkel- bis hellbraun und mit leicht weißem Flaum überzogen reicht das farbliche Spektrum der Schimmelsorten, die in einem Labor in Berlin extra gezüchtet werden. Um sie am Leben zu halten, muss das Ehepaar die stinkigen Pilze immer wieder aus dem Kühlschrank holen. "Auf die richtige Temperatur kommt es da an", erklärt Diana Scheuerle. Sie rümpft die Nase: "Gut riechen tun sie nicht." Doch das ist es genau, was den Schimmel verrät. Die beiden Labradore riechen die Ausgasungen des aktiven Schimmels.

Ehe die Spürnasen zum Einsatz kommen, schaut sich Heiko Scheuerle zunächst den Einsatzort genau an. Vor der Schimmel-Aufspüraktion muss der Kunde den betroffenen Raum gut durchlüften und alles, was zerbrechen kann, in Sicherheit bringen. "Bei ihrer Suche sind die Hunde nicht zimperlich und achten nicht auf die feine, chinesische Vase, die irgendwo noch herumsteht", sagt der Hundebesitzer. Raum für Raum schnüffelt dann jeweils einer der Labradore das Zimmer ab. So können zukünftige Hauseigentümer oder Mieter beispielsweise ihr zukünftiges Heim auf ungewollte Überraschungen, die in den Wänden lauern, überprüfen lassen. "Über Schimmel ist schnell mal drübergemalt, aber die Hunde trickst man nicht so schnell aus."

Ice kratzt am Schimmelfleck, Sky starrt die Fundstelle bloß an

Die Strategien, wie die Schnüffler ihrem Herrchen mitteilen, dass sie etwas gefunden haben, unterscheiden sich deutlich. "Ice ist ein aktiver Anzeiger", sagt Heiko Scheuerle. Mit seinen Vorderpfoten bearbeitet er dann zielsicher die Fundstelle. Währenddessen verharrt Sky ruhig und stiert auf die betroffenen Stellen. "Wenn sich Schimmelpilze in der Decke verstecken, dann setzen sie sich hin und starren einfach an die Decke", erzählt der Spürhundeführer. Die beiden Labradore sind durch die Ausbildung stark auf ihr Herrchen fixiert. "Mein Ehemann ist in unserem Haushalt der große Hundepapst", sagt Diana Scheuerle und lacht. "Wenn der Rest der Familie den beiden einen Befehl gibt, wandert ihr Blick meistens zuerst zu meinem Mann, um festzustellen, ob sie auch wirklich müssen."

Die Hunde waren von Anfang an Teil des Betriebs. "Morgens gehen wir mit den beiden in den Betrieb und abends gehen wir wieder zusammen nach Hause", sagt Heiko Scheuerle. Direkt neben dem Eingang haben die beiden ihren festen Platz: Ein kleines Hunde-Sofa steht dort mit den Schriftzügen Sky und Ice. Von den Mitarbeitern und Lieferanten werden die beiden gleichermaßen mit Streicheleinheiten und Leckerlis versorgt.