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Paul-Lechler-Schüler präsentieren dem OB ihre Wünsche

"Schule trifft Rathaus": Am Dienstagvormittag waren Achtklässler in der Böblinger Verwaltung zu Gast und löcherten OB Belz

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    Naima Früh (LpB) und der Achtklässler Marlon stellen dem Oberbürgermeister Stefan Belz im Wolfgang-Brumme-Saal die Ideen der Paul-Lechler-Schüler vor Foto: Eibner / Thomas Dinges

Artikel vom 29. Januar 2020 - 10:43

BÖBLINGEN. Politik machen die Großen und Wichtigen, Leute wie Angela Merkel. Täglich sieht man im Fernsehen, wie sie Staatsmännern die Hände schüttelt, im Bundestag Rede und Antwort steht oder nach einem Verhandlungsmarathon am frühen Morgen die Ergebnisse präsentiert. Politik findet aber nicht immer auf der großen Bühne statt, auch in der eigenen Stadt gilt es, Entscheidungen zu treffen und das Leben der Bürger zu verbessern.

Wenn Schüler über Kommunalpolitik diskutieren und sich bei "Schule trifft Rathaus" ihr Böblingen der Zukunft ausmalen, dann ist die Landeszentrale für Politische Bildung (LpB) zu Gast. Zum Programm gehört, den höchsten Repräsentanten der Stadt persönlich zu sprechen. Am gestrigen Dienstag hatten Achtklässler der Paul-Lechler-Schule die Chance, Oberbürgermeister Stefan Belz mit ihren Vorstellungen zu konfrontieren.

Bevor Belz auf den "heißen Stuhl" im Wolfgang-Brumme-Saal des Rathauses Platz nimmt, bekommen die neun Schüler den Vormittag über eine thematische Einführung. "Dabei haben wir den Schülern nochmals die Akteure und das kommunale Wahlrecht nähergebracht", so LpB-Mitarbeiterin Naima Früh. Dadurch werde den Schülern häufig erst klar, dass viele Alltagsentscheidungen, die ihre Schule, den Sportplatz oder den Verkehr betreffen, auf der "untersten" Ebene gefällt werden.

Dieses Bewusstsein für kommunale Beteiligung zu erwecken - daran versucht sich nicht nur die LpB, sondern auch Klassenlehrer Christian Hartfuß. "Die politischen Vorstellungen der Schüler sind anfangs noch etwas abstrakt. Nach einigen Unterrichtseinheiten werden ihre Meinungen aber konkreter", fasst der Pädagoge seinen Eindruck zusammen. Einige etwa verfolgen die Nachrichten aus dem Heimatland ihrer Eltern und bereichern so den Unterricht: "Das bringt uns allen neue Perspektiven."

Wie genau ihre Wünsche aussehen, erarbeiten die Schüler an diesem Dienstag in Gruppen. "Wir hören uns erstmal alle Ideen an und stimmen dann über vier Top-Vorschläge ab. Diese werden dem OB im direkten Gespräch erläutert", erklärt Früh das Prozedere. Manche Ideen sind abwegig (Lamborghinis für alle, Preis: 1 Euro), manche nicht konsensfähig. Doch klar ist: Ob in ihrer Schule, den Schwimmbädern oder auf den Straßen - die Schüler wissen ziemlich genau, was sie wollen.

Und dann ist es so weit. Ein gespannter Oberbürgermeister betritt den Saal. Mohammed erhält das Wort und berichtet von seiner renovierungsbedürftigen Schule: "Wir hätten gerne Fußballtore, Spielgeräte für Kinder und neue Tafeln." Während Belz hier positive Rückmeldung geben und auf den laufenden Schulsanierungsplan verweisen kann, muss er den Schülern andere Wünsche vorerst ausschlagen.

Auf die Frage von Schülerin Rossi, ob man die Förderschule nicht zu einer Gemeinschaftsschule machen und damit Ausgrenzung bekämpfen könne, muss Belz passen. "Ein berechtigtes Anliegen - über solche Fragen entscheiden aber das Schulamt und das Land." Auch ein Spaßbad sei nicht einfach so umzusetzen. Dafür halte er Marlons Frage nach einem Stadtstrand an einem der Böblinger Seen für nicht so abwegig. "Wird aufgenommen", versichert der OB mit einem Lächeln.

Im Austausch mit den Jugendlichen wird deutlich: Die Anliegen orientieren sich an ihren ganz realen Bedürfnissen. "Mit einer zusätzlichen Rutsche im Hallenbad würden sich die Freizeitmöglichkeiten für uns Jugendliche verbessern", argumentiert Marlon. Auch wenn sich in der Schlussrunde herauskristallisiert, dass alle gerne in Böblingen leben, das Freizeitangebot könne umfangreicher sein, so die Schüler-Meinung.

Zu Gast ist auch die Jugendgemeinderätin Fiona Tarus. Welche Beteiligungsmöglichkeiten hier für Teenager bestehen, erläutert die 15-jährige Realschülerin. Sie zeigt ihren Alterskollegen auf, dass der Jugendgemeinderat zum Beispiel beim Thema "WLAN an Schulen" einen großen Erfolg vorzuweisen habe. Von den Jugendlichen kam der Impuls, jetzt wird die Technik überall eingerichtet.

Genau solche Begegnungen machen den Schülern Mut, selbst aktiv zu werden. Dann werden karibische Stadtstrände und abenteuerliche Spaßbäder vielleicht doch irgendwann Wirklichkeit.