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Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums schicken Sonde ins All.

Projektgruppe des Albert-Einstein-Gymnasiums in Böblingen sendet selbstgemachte Wettersonde an den Rand der Stratosphäre

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    Eine eigene Sonde ging von Böblingen aus ins weite Universum. Foto: AEG

Artikel vom 22. Januar 2020 - 18:09

BÖBLINGEN. Auf der Dachterrasse des Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG) herrscht neben Sonnenschein auch helle Aufregung: Die von Schülern selbst gebastelte Wettersonde tritt gegen 10.30 Uhr endlich ihren Flug in Richtung Erdatmosphäre an. Ein 20-Liter-Heliumballon zieht die Sonde auf 40 000 Meter, somit bewegt sie sich am Rande der Stratosphäre - zum Vergleich: Flugzeuge sind maximal auf 12 000 Meter Höhe unterwegs. Die Sonde trägt einige Technik mit sich: eine Kamera, zwei GPS-Geräte und einen Datenlogger, der den Luftdruck, die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur misst. Das Projekt verbindet die Fächer Geographie, Physik und Chemie, es soll an dem sonst so musikalischen Gymnasium die Naturwissenschaften fördern - mit Erfolg. Dutzende Schüler tummeln sich am Dienstagvormittag um die Sonde und ihren Ballon, jeder versucht den besten Blick zu erhaschen. Und dann zählen alle gemeinsam von zehn abwärts, ehe das Luftgefährt nach oben steigt.

Die Lehrerin Corinna Markert hat mit ihren 45 Naturwissenschaft-und-Technik-Schülern sechs Wochen lang an dem Projekt gebastelt. Unterstützung gab es vom AEG-Förderverein. Markerts Ziel war es, bei den Achtklässlern durch praxisorientierten Unterricht das Verantwortungsbewusstsein zu steigern. Von den Teams, die die Sonde basteln, bis hin zu denen, die sich um den Datenlogger und die GPS-Geräte kümmern - ohne die sorgfältige Mitarbeit jedes einzelnen wäre ein problemloses Aufsteigen und Auswerten der Sonde nicht möglich. "Zudem wollen wir mit dem Projekt zeigen, wie dünn und fragil unsere Atmosphäre wirklich ist", meint Markert. Das zeigt sich dann auf den Aufnahmen, die die Sonde liefert.

Landeplatz per GPS ermittelt: Gruppe düst nach Leonberg

Doch dafür muss das Luftgefährt wieder zur Erde zurückfinden. Nachdem das Helium den Ballon auf ein Vierfaches ausgedehnt hat, platzt er wie geplant und läutet damit eine große Suchaktion ein. Für die sichere Landung haben die Organisatoren ein Fallschirm installiert, der die Sonde auf ihrem Weg zur Erde bremst. Corinna Markert bekommt die Koordinaten der gelandeten Sonde per Link auf ihr Handy geschickt - und so macht sich die Autoflotte mit Lehrern, Eltern und Schülern um 12 Uhr auf den Weg.

In einem Industriegebiet in Leonberg werden sie fündig: Die Sonde ist sicher auf dem Boden gelandet. Wobei das Team auf alles vorbereitet war. Für den Fall einer Wasserlandung wurde die Sonde außen aus Styropor und reichlich Panzer-Tape gebaut. Auch für eine Landung in einem Baum war man bestens gewappnet. Die Gruppe hatte sich mit Leitern, Obstpflückern und Beilen ausgestattet.

Die Schüler haben viel Zeit in das Projekt gesteckt. Sie haben die Sonde gebastelt, die Flugroute und das benötigte Helium berechnet, die Geräte installiert. Von der Flugsicherung holten die AEGler eine Genehmigung ein und informierten auch den Stuttgarter Flughafen, damit das schulische Projekt nicht Gefahr läuft, mit größeren Luftgefährten Bekanntschaft zu schließen. Selbst eine Versicherung bei der Allianz wurde abgeschlossen, speziell für diese Art von Wetterballons gedacht.

"Wir wollen die Aktion auf jeden Fall wiederholen", sagt Corinna Markert begeistert, die sich über die rege Teilnahme der Schüler freut. Dem steht nichts im Wege, denn die Sonde ist unversehrt und für den nächsten Ausflug in die Erdatmosphäre einsatzbereit. Auch der nächste Ballon wartet schon auf seinen Einsatz. In den nächsten Wochen haben die Achtklässler die Aufgabe, aus den gewonnenen Daten eigene Grafiken zu erstellen und diese auszuwerten. Und da gibt es eine Menge zu tun. Denn die Sonde hat alle zwei Sekunden Daten erfasst.

"Ich glaube, den Schülern hat es Spaß gemacht", schmunzelt Corinna Markert und ist in Gedanken schon bei ihrem nächsten Projekt.