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Rahel Trick aus Herrenberg hat mit ihrem Gesellenstück den Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks gewonnen

Rahel Trick aus Herrenberg fertigt Kleidung nach Maß

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    Die Herrenbergerin Rahel Trick hat es mit ihrem Gesellenstück bis zur Landessiegerin geschafft Foto: Thomas Dinges/Eibner

Durch ihre Mutter hat Rahel Trick aus Herrenberg ihre Leidenschaft fürs Schneidern entdeckt: Die Mutter hat ihren acht Kindern viele Kleidungsstücke selbst genäht. Rahel hat ihr dabei immer wieder über die Schulter geschaut. Jetzt ist sie dabei, ihren Meister zu machen. Knifflige Schneiderübungen sind ihr Leibgericht.

Artikel vom 16. Januar 2020 - 17:14

HERRENBERG. Wenn Rahel Trick die Nadel schwingt, dann gehen alle anderen in Deckung: Denn die Damenmaßschneiderin mag es kompliziert: "Mir gefallen vor allem schwierige Stücke, die eine Herausforderung sind", erklärt Rahel Trick im Maßatelier von Melanie Weimper in Herrenberg. Da verwundert es nicht, dass die 19-Jährige besonders gerne Braut- und Abendkleider näht. "Einige lassen sich ihr Brautkleid maßanfertigen, andere wollen ihr Kleid nach der Hochzeit ändern", erklärt Rahel Trick. Da wird das Kleid beispielsweise kürzer oder es bekommt eine andere Farbe. Geplant ist, dass sie nach ihrer Stuttgarter Zeit in der Meisterschule wieder bei der Maßschneiderei Weimper einsteigt, "es wäre aber toll, wenn ich beispielsweise eine Fortbildung für Brautkleider machen könnte, damit ich weiterhin in diesem Bereich Erfahrungen sammeln kann", hofft Rahel Trick.

Bis zu acht Schneiderinnen arbeiten im Atelier in Herrenberg

Eines ist sicher, Arbeit gibt es hier in Hülle und Fülle. Hinter der Theke machen sich mehrere Frauen hinter ihren Nähmaschinen kräftig ans Werk. Neben ihnen stapeln sich Berge an Stoff und Klamotten. "Die Arbeit geht uns nie aus. Wir müssen ab und zu sogar einige Tage schließen, damit wir wieder Platz im Lager schaffen können", erzählt die Maßschneiderin. Seit sieben Jahren betreibt ihre Chefin Melanie Weimper nun schon die Maßschneiderei in der Jettinger Straße in Herrenberg-Kuppingen. Bis zu acht Schneiderinnen arbeiten dort unermüdlich an Bergen von Klamotten, die tagtäglich auf sie warten.

Während ihrer Ausbildung hat die 19-Jährige vor allem die Verarbeitung von verschiedenen Stoffen gelernt. Den Kundenwunsch umsetzen zu können - das ist die Priorität. "Da hatte ich wirklich Glück hier in der Schneiderei, ich durfte immer bei den Anproben mit dabei sein", sagt Rahel Trick. So konnte sie lernen, mit verschiedenen Körperformen und Figuren umzugehen und für jeden den passenden Schnitt zu finden. Denn eigentlich lernen die Auszubildenden die richtige Anprobe erst während der Ausbildung zum Meister. Auch hier hat Rahel Trick also bereits ihre Erfahrungen gesammelt.

Mit viel Enthusiasmus im Gepäck hat sie sich an ihr Gesellenstück gemacht. Und es hat sich ausgezahlt: Mit dem Damenkostüm aus Seide hat sie es bis zur Kammer- und Landessiegerin geschafft. "Ich habe als Einzige aus meinem Jahrgang Seide gewählt", sagt Rahel Trick. "Und ich habe auch bewusst auf eine Farbe gesetzt, die meisten gehen auf Nummer sicher und nehmen schwarz oder grau", fügt die 19-Jährige hinzu. "Ich wollte etwas Besonderes nähen, das aber immer noch tragbar ist", beschreibt sie das dunkelroten Kostüm mit Rüschen-Kragen.

Ihre Inspiration holt sie sich aus Zeitschriften, wenn sie durch Läden schlendert oder durch die Kundengespräche, die sie führt. "Ich habe außerdem einen Katalog, in dem ich alle Dinge einhefte, die mir ins Auge fallen", sagt die 19-Jährige.

Für sich selbst näht Rahel Trick aber eher selten, dann doch eher für ihre Familie oder ihre Cousinen und Cousins. Bei einer Modenschau in diesem Jahr muss sie dann aber doch für sich selbst zur Nadel greifen: "Die Modenschau ist Teil der Ausbildung zum Meister. Darin müssen wir selbst ein Outfit nähen und es dann auch vorführen", erzählt Rahel Trick, was in nächster Zukunft für sie ansteht. Ihr Abschluss steht diesen Sommer an. Danach ist sie dann wieder im Maßatelier Weimper anzutreffen: als Meisterin im Maßschneidern.