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Animal Rescue Schönbuch aus Holzgerlingen rettet verunglückte Tiere

Die Tierrettung mit Sitz in Holzgerlingen kämpft mit defektem Fahrzeug und finanziellen Engpässen

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    Petra Schukalski und Ellen Schanz sind auf einen funktionsfähigen Rettungswagen angewiesen. Derzeit wird ein Ersatz für dieses Fahrzeug gesucht Foto: Stefanie Schlecht

Erst im Oktober hat sich der Holzgerlinger Verein Animal Rescue Schönbuch nach neun Monaten Unterbrechung neu aufgestellt. Eigentlich war alles vorbereitet, doch nun macht der Rettungswagen Probleme. Damit Tieren im Notfall wieder geholfen werden kann, muss ein neues Fahrzeug her - doch ohne Spenden geht es nicht.

Artikel vom 07. Januar 2020 - 17:18

HOLZGERLINGEN. Es geschieht am helllichten Tag vor etwa zwei Jahren. Mitten auf der A 81 Richtung Singen überschlägt sich an einem Frühlingstag ein Kleinwagen auf Höhe der Sindelfinger Daimler-Kreuzung. Am Unfallort bietet sich den Einsatzkräften ein schrecklicher Anblick: Im Opel Corsa liegen die verletzte Autofahrerin, daneben ein Hund, der in eine Schockstarre verfallen war. Dann klingelt im nur 17 Minuten entfernten Dettenhausen das Telefon bei Petra Schukalski von der Tierrettung Neckar-Alb. Über die Feuerwehrleitstelle in Böblingen wird sie über den Unfall auf der Autobahn informiert und fährt, damals noch alleine im Dienst, sofort los.

2011 kam die gelernte Tierheilpraktikerin zur professionellen Rettungshilfe für Haus- und Wildtiere. Nach ihrer Ausbildung war sie mit einer mobilen Tierheilpraxis selbstständig - bis ein entscheidendes Erlebnis ihr Berufsleben umkrempelt: "Der Hund einer Bekanntin hatte einen Notfall, aber da es im Landkreis Tübingen keinen Tierrettungsdienst gab, rief ich die Kollegen von der Tierrettung Mittlerer Neckar aus Esslingen an", erinnert sich Petra Schukalski. Kurz darauf lässt sie sich zur Rettungssanitäterin für Tiere ausbilden und gründet die Tierrettung Neckar-Alb - damals mit Sitz in Dettenhausen.

Mithilfe der Feuerwehr wird der Hund gerettet

Am Unfallort in Sindelfingen angekommen, kümmert sich Petra Schukalski sofort um den schwerverletzten Rhodesian Ridgeback Mischling. "Der Hund saß vor dem Unfall ungesichert im Kofferraum und die Autofahrerin hatte kein Gepäcknetz angebracht. Als sich der Wagen überschlug, flog der Hund einmal quer durchs Auto nach vorne in den Fußraum des Beifahrersitzes und bewegte sich nicht mehr", schildert sie den Unfallhergang. Aufgrund der Symptome vermutet die Expertin ein Wirbelsäulentrauma und weiß, was zu tun ist: "Genau wie bei einem Menschen, gilt es, den Hund möglichst wenig zu bewegen", erklärt Petra Schukalski. Gemeinsam mit der Hilfe von Feuerwehrmännern schiebt sie ein sogenanntes Spineboard, ein hartes Brett, unter den Hundekörper, um diesen zu stabilisieren. Noch vor Ort verabreicht sie dem fünfjährigen Hund kreislaufstabilisierende Medikamente und gibt telefonisch die Symptome der Stuttgarter Tierklinik am Hasenberg durch. Dann packt sie den fixierten Mischling in ihren Ambulanzwagen, einen Peugeot 807, und fährt bis vor den Klinikeingang. Dort kommen ihr die Tierärzte bereits entgegen und hieven den Vierbeiner samt Brett auf eine Trage.

Nicht nur im Landkreis Böblingen fährt Petra Schukalski Einsätze, auch aus Herrenberg, Stuttgart, Tübingen und Reutlingen kommen die Notrufe. "Im Prinzip sind wir ständig in Bereitschaft", erzählt sie, die inzwischen Unterstützung von der 60-jährigen Ersthelferin Ellen Schanz aus Holzgerlingen bekommt. "Genau wie beim Menschen versorgen wir im Notfall verunfallte Haus- und Wildtiere und stellen ebenso die typischen W-Fragen am Telefon", erklärt Ellen Schanz. Also: Was ist wem wann und wo passiert? Die Zusammenarbeit ist gut, doch nach und nach geht den Helferinnen das Geld aus.

Neustart in Holzgerlingen als gemeinnütziger Verein im Oktober

Ende 2018 kann das Kleinunternehmen sich wirtschaftlich nicht mehr über Wasser halten und die beiden Frauen legen eine Zwangspause ein. Innerhalb von neun Monaten sortieren sie sich neu und gründen schließlich im Oktober diesen Jahres den gemeinnützigen Verein Animal Rescue Schönbuch mit Sitz in Holzgerlingen. Mithilfe von Spenden kaufen sie einen größeren Rettungswagen von der Tierrettung Unterland aus Neckarsulm bei Heilbronn. Doch der Neuanfang verläuft holpriger als geplant.

Der gebrauchte und in die Jahre gekommene Rettungswagen (RTW) ist ständig defekt, muss immer wieder repariert werden. In der Werkstatt erfahren die Tierretterinnen schließlich, dass "das Auto ein Fass ohne Boden ist", berichtet Petra Schukalski. Ein Rückschlag für die engagierten Frauen. Da sie auf den Wagen angewiesen sind, entscheiden sie sich im November für eine Neuanschaffung. "Wir wollen unsere Spender nicht ständig mit Reparaturkosten belasten", sagt Petra Schukalski und erklärt, dass das neue Fahrzeug im Autohaus in Dagersheim "technisch überprüft, gut gewartet und mit gepflegtem Scheckbuch aus dem Rettungswesen kommt."

Doch die Summe für den RTW ist für die beiden ehrenamtlich aktiven Frauen happig: "Das Modell, das wir uns ausgesucht haben, kostet 11 900 Euro. Aber das Spendenaufkommen reicht noch nicht aus", erzählt sie. Trotzdem geben Schukalski und Schanz so schnell nicht auf, wollen die Summe schnellstmöglich beisammen haben, starten online einen Spendenaufruf, damit sie schnell wieder einsatzfähig sind. Diesen Monat wollen sie das Auto endlich kaufen.

Das Geld reicht für Einsatzfahrten aber deckt kaum Mehrkosten

Neben der Versorgung von Haustieren, kommt es immer wieder vor, dass sie große Greifvögel wie Mäusebussarde und Falken aufsammeln müssen. "Manche haben so stark gebrochene Flügel, dass wir sie von ihrem Leiden erlösen müssen." Die etwas fitteren unter ihnen bringen die Frauen zum Aufpäppeln in die Falknerei nach Weil im Schönbuch. Wenn es sich um ein bis zwei Nächte handelt, dann kümmert sich die Tierrettungssanitäterin selbst um die verwundeten Vögel. Deswegen stehen bei ihr zwei Notboxen im Keller.

Die Kosten für die durchschnittlich drei bis vier Einsatzfahrten in der Woche sind abhängig davon, wohin die Tierretterinnen fahren müssen. Haustiereinsätze berechnen die Tierretterinnen grundsätzlich mit einer Pauschale von 100 Euro. Darin sind die Untersuchung und der Transport in die Klinik enthalten. Wenn die Fahrtstrecke 65 Kilometer überschreitet, kommen diese Kosten oben drauf. Verbandsmaterialien und Medikamente werden ebenfalls separat berechnet. "Aber selten sind es 120 Euro", versichert Ellen Schanz.

"Mit den Einnahmen können wir unsere Kosten soweit decken, sind aber zusätzlich auf Spenden angewiesen." Teuer wird es für den Verein bei herrenlosen Tieren, wenn niemand die Mehrkosten übernimmt. "Wir sind deswegen schon Einsätze für null Euro gefahren oder haben aus finanziellen Engpässen Einsätze ablehnen müssen", ergänzt Ellen Schanz. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sie nun als gemeinnütziger Verein auch Spendenquittungen ausstellen können.

Manchmal erweckt ihre Arbeit auch Unverständnis in der Bevölkerung: "Manche denken, wir seien eine staatliche Institution und sehen nicht ein, dass wir ehrenamtlich auf Spendenbasis arbeiten", erzählt Petra Schukalski. Professionalität ist den Frauen wichtig während der Einsätze, trotzdem geht ihnen der ein oder andere Fall hin und wieder nach. "Wir sind ja nicht aus Holz und es das muss auch irgendwie raus", meint die Tierrettungssanitäterin.

Nach dem Unfall auf der A 81 meldet sich die Besitzerin aus dem Krankenhaus bei Petra Schukalski. Der Hund hat überlebt, aber wird ohne Physiotherapie nicht alleine auf die Beine kommen können. Neben solchen, gibt es auch schöne Einsätze, erzählt Schukalski. "Das hält sich die Waage, aber unser Ziel wird immer sein, Tiere zu retten und das Leid zu lindern."

Mehr Informationen zu Animal Rescue Schönbuch unter http://www.tierrettung-schoenbuch.com. Spenden für den neuen Rettungswagen an Animal Rescue Schönbuch e.V., Vereinigte Volksbank, IBAN: DE05 6039 0000 0568 1680 03.