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Viel Neues im Busverkehr in Böblingen und Sindelfingen

Fahrplanwechsel am 15. Dezember: Mehr Fahrten, verbesserte Linien, neues Stadtticket

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    Bringen gemeinsam ein besseres Busangebot in Böblingen und Sindelfingen auf die Straße (von links): OB Bernd Vöhringer, OB Stefan Belz, Landrat Roland Bernhard, VVS-Geschäftsführer Horst Stammler und Busunternehmer Hermann Pflieger Foto: Stefanie Schlecht

Artikel vom 09. Dezember 2019 - 17:33

Von Robert Krülle

BÖBLINGEN/SINDELFINGEN. Ab dem kommenden Sonntag fährt nicht nur die Schönbuchbahn nach über zweijähriger Pause wieder. Auch für das Linienbus-Angebot in Böblingen und Sindelfingen bricht eine neue Zeit an. Denn zum 15. Dezember wird der Fahrplan deutlich erweitert, außerdem ein Stadtticket für Böblingen und Sindelfingen eingeführt. Dann kostet die Tageskarte im gesamten Gebiet drei Euro, das Gruppenticket sechs Euro. "Das ist ein tolles Angebot", betonte Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz bei der Pressekonferenz, "ich kann nur dazu einladen, es rege zu nutzen."

Die neuen Ausschreibeverfahren im Busverkehr sind seit geraumer Zeit landauf, landab ein großes Thema. Endet die Vertragslaufzeit zwischen dem Landkreis als ÖPNV-Träger und den Unternehmen, muss jetzt europaweit ausgeschrieben werden. Und: Die Busbetriebe sollen ihr Fahrangebot komplett eigenwirtschaftlich organisieren, also ohne jegliche Zuschüsse - für die öffentliche Hand eine schöne Sache, für die Unternehmen mitunter riskant, wie manche Busfirmenpleite in letzter Zeit gezeigt hat. Außerdem waren sich die Städte Böblingen und Sindelfingen einig, dass das Busangebot in den beiden Kommunen sich deutlich verbessert werden sollte.

Drei Unternehmen hatten bis Anfang Januar 2018 ihre Angebote eingereicht: die Friedrich Müller Omnibusbetriebe GmbH (eine Tochter der Regional Bus Stuttgart), die Verkehrsbetriebe Nagoldtal und der bisherige Betreiber Pflieger. Die Böblinger Busfirma erhielt den Zuschlag, "was für die Qualität des Unternehmens spricht", wie der Sindelfinger OB Bernd Vöhringer sagte.

Bisher legten Pflieger-Busse pro Jahr etwas mehr als 2 Millionen Fahrzeugkilometer zurück, in Zukunft werden es 2,7 Millionen sein. Insgesamt fahren die Busse abends länger und am Wochenende häufiger. Auf Sindelfinger Seite wird zudem jetzt endlich der Glaspalast besser angebunden, außerdem die Maichinger Neubaugebiete Grünäcker und Allmendäcker. Auch auf Böblinger Seite gibt es einige neue Linien, zum Beispiel die 720 vom Busbahnhof zum Thermalbad und die 725 in den Herdweg.

Dass Pflieger weiterhin den Stadtverkehr Böblingen-Sindelfingen bedienen wird, hat einen naheliegenden Vorteil. "Bei neuen Unternehmen ist die Gefahr groß, dass es beim Wechsel viele Probleme gibt", betonte VVS-Geschäftsführer Horst Stammler beim Pressegespräch. Was anderenorts bereits passiert ist und für viel Kritik gesorgt hat. "Auch in Böblingen und Sindelfingen wird es ein paar Anfangsschwierigkeiten geben", bat Stammler im Voraus um Entschuldigung, "aber keine heftigen."

Während Landrat und Oberbürgermeister euphorisch vom neuen Angebot sprachen, zeigte sich Hermann Pflieger weniger begeistert. "Wir mussten uns gut überlegen, ob wir überhaupt ein Angebot abgeben", sagte er, "wir kommen ganz klar an unsere Schmerzgrenze." Seit 1975 ist Hermann Pflieger der Geschäftsführer des 1926 gegründeten Unternehmens. "Ich freue mich, dass wir das Lebenswerk meiner Familie jetzt fortführen können." Allerdings musste Pflieger, wie er berichtet, dafür auf die Kostenbremse drücken. "Im Verwaltungsbereich sehen wir Einsparungen vor", so Pflieger, "zudem werden wir immer wieder Busse am Sindelfinger Busbahnhof stehen lassen, um Kilometer zu sparen." Um mehr Fahrgäste zu gewinnen, will Pflieger auf die Kundenfreundlichkeit setzen. "Die Fahrer bekommen Kurse", so der Geschäftsführer. Schließlich wird der Deal bei vollen Bussen für Pflieger wiederum zum Erfolg.

Tagesticket: Einzelpersonen zahlen drei Euro, die Gruppe sechs Euro

Die Städte Böblingen und Sindelfingen sparen durch die neue Ausschreibung viel Geld. Doch dieses soll direkt den ÖPNV-Nutzern zugute kommen. Ab 15. Dezember gibt es ein Stadtticket. Damit lässt sich einen ganzen Tag lang fahren, sogar bis um 7 Uhr morgens des Folgetages. Einzelpersonen zahlen drei Euro für das Stadtticket, die Gruppenvariante für bis zu fünf Personen ist für sechs Euro erhältlich.

"90 Prozent der Fahrgäste fahren nicht nur zu einem Ziel hin, sondern auch wieder zurück", sagte Stefan Belz, "deshalb ist das Stadtticket für viele eine sehr günstige Möglichkeit." Die Stadt Böblingen gleicht mit 277 000 Euro die fehlenden Einnahmen bei Pflieger aus, Sindelfingen zahlt 359 000 Euro. "So stellen wir das Signal für den öffentlichen Nahverkehr auf Zukunft - mit Bus und Bahn ebenso günstig wie attraktiv durch Böblingen und Sindelfingen. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger das Stadtticket nutzen. Für 3 Euro in 2 Städten mit 1 Ticket unterwegs - überzeugen Sie sich!", so Belz.