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150 Jahre württembergische Schwarzwaldbahn

1. Dezember 1869 bis 1. Dezember 2019 - Eine wechselvolle Geschichte mit Happy-End

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    Ein Zug auf der Schwarzwaldbahnstrecke in den 1960er Jahren im Rankbachtal

"Auf der schwäbsche Eisebahne gibt's gar viele Haltstatione, Schtuegert, Ulm und Biberach, Meckebeure, Durlesbach. Rulla, rulla, rullala, rulla, rulla, rullala." Das bekannte Kinderlied hätte auch die Stationen "Zuffahausa, Ditzinga, Renninga, Weil der Stadt und Calw" aufzählen können.

Artikel vom 04. Dezember 2019 - 13:17

RENNINGEN/WEIL DER STADT (red/wei). Denn nachdem der württembergische Landtag im Jahre 1865 den Beschluss zum Bau einer neuen Eisenbahnlinie von Zuffenhausen über Weil der Stadt nach Calw gefasst hatte, begannen im Jahre 1867 die Bauarbeiten an der neuen Bahnstrecke.

Ab dem 1. Dezember 1869 wurde der Streckenabschnitt Ditzingen - Weil der Stadt durch einen regelmäßigen Zugverkehr bedient - auch die Anbindung Renningens an das Eisenbahnnetz feiert somit in diesen Tagen ihr 150-jähriges Jubiläum. Bereits am 23. September 1868 war der Streckenabschnitt Zuffenhausen - Ditzingen eröffnet worden. Am 20. Juni 1872 wurde mit dem Abschnitt Weil der Stadt - Calw das letzte Teilstück seiner Bestimmung übergeben.

Einen Tag vor Aufnahme des regulären Betriebs, am 30. November 1869, fuhr ein aus Stuttgart kommender "Probezug" mit Festgästen über Ditzingen, Leonberg und Renningen nach Weil der Stadt. In den Jahren zuvor waren die umfangreichen Baumaßnahmen auf Renninger und Malmsheimer Markung begonnen worden mit mehr als 350 Arbeitern, wie der damalige Malmsheimer Schultheiß Kümmerle in seinen Lebenserinnerungen schreibt.

"Mit dem Bau der Strecke begann in Renningen, wenn auch zunächst zaghaft, ein neues Zeitalter", weiß Mathias Graner. Laut dem Renninger Stadtarchivar veränderte die Anbindung Renningens an das zum damaligen Zeitpunkt noch revolutionäre und neue Verkehrssystem Eisenbahn die Entwicklung von Renningen und Malmsheim und prägt sie bis in die heutige Zeit.

Einen Bahnhof zur Eröffnung

Renningen erhielt bereits bei Eröffnung der Strecke 1869 einen eigenen Bahnhof während die Malmsheimer trotz intensiver Bemühungen bis zum Jahr 1894 auf einen eigenen Haltepunkt warten mussten. Die regelmäßig verkehrenden Züge ermöglichten den Renningern und Malmsheimern einen deutlich schnelleren Reiseweg in die württembergische Landeshauptstadt und hatten somit großen Einfluss auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung beider Orte. So wurde es für die Bevölkerung möglich, weiter entfernt gelegene Arbeitsplätze im zunehmend industrialisierten Umfeld Stuttgarts zu erreichen. Auch war Renningen nun für Reisende aller Art bequemer und schneller zu erreichen. Neben dem Personenverkehr war auch der Güterverkehr früher nicht unbedeutend; so schrieb Ernst Feucht, Sohn des früheren Malmsheimer Bürgermeisters Ernst Feucht: "In den Zug (nach Stuttgart) wurde jeden Morgen ein Pritschenwagen voller Milchkannen verladen. Auch Kälber und Schweine wurden oft mit diesem Zug befördert." Waren es zu Beginn noch landwirtschaftliche Produkte, so wurde vor allem Renningen zunehmend selbst als Standort für Industrie- und Gewerbebetriebe attraktiv. Die Anbindung an das Eisenbahnnetz wurde durch die Erstellung der "Rankbachbahn" genannten Bahnlinie Renningen - Böblingen im Jahre 1915 nochmalig verbessert.

Mit der Einbindung der "Schwarzwaldbahn" als Linie S 6 ins neu geschaffene S-Bahnnetz im Jahr 1978 sowie der Aufnahme des S-Bahnverkehrs nach Böblingen (Linie S 60) im Jahr 2012 verstärkte sich diese Entwicklung in jüngerer Zeit maßgeblich.

"Im Stadtarchiv Renningen liegen zahlreiche Quellen zur Geschichte der Eisenbahn für Interessierte bereit", wirbt Graner, der im nächsten Jahr die Stelle wechselt und in der Nachbarstadt Weil der Stadt neue Aufgaben übernimmt. Eine Sonderausstellung "150 Jahre Schwarzwaldbahn" wird es 2020 trotzdem geben. Die will nämlich der Heimatvereins Rankbachtal im kommenden Jahr auf die Beine stellen.

Pünktlich zum Jubiläum scheint auch die S-Bahnverlängerung bis nach Calw nur noch eine Frage der Zeit und es damit ein Happy-End für die gesamte Schienenstrecke zu geben. Dafür soll der Streckenabschnitt Calw - Weil der Stadt für die Hermann-Hesse-Bahn runderneuert werden. Denn am 27. Mai 1983 fuhr dort der letzte Personenzug und 1988 der letzte Güterzug. Die Bundesbahn stellte den Betrieb ein.